Firmenschliessung
Konkurs: Solothurner Mondia stellt die Veloproduktion ein

Der Velohersteller Mondia steht vor dem Aus. Am 12. November ist über die einst stolze Marke der Konkurs eröffnet worden. 80 Jahre lang produzierte sie Fahrräder, die meiste Zeit über von Balsthal aus.

Lucien Fluri
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Mondia-Fahrräder werden (momentan) nicht mehr hergestellt.

Mondia-Fahrräder werden (momentan) nicht mehr hergestellt.

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Schwierigkeiten hatte Mondia schon seit längerer Zeit. 2001 wurde die Produktion von Balsthal ins aargauische Strengelbach verlegt. Bereits Ende 2011 ging die Mondia Fahrrad AG Konkurs. Der Betrieb wurde dann von der Vertriebsgesellschaft weitergeführt. Offizieller Firmensitz war nun Egerkingen.

Rund 4000 Fahrräder wurden in Strengelbach zuletzt pro Jahr gefertigt, bis am 23. Oktober nun die Lichter definitiv ausgegangen sind. Die Fahrräder und Teile, die noch in den Produktionshallen stehen, werden nun liquidiert, um die Forderungen der Gläubiger zu begleichen. Wie hoch diese sind, ist noch nicht bekannt: «Das Konkursverfahren steht noch ganz am Anfang», sagt Mark Stadelmann vom kantonalen Konkursamt.

Bald eine Wiederbelebung?

Offenbar konnte die Firma zuletzt auch die Miete nicht mehr bezahlen: Der Vermieter hat laut Stadelmann bereits sein Retentionsrecht auf die Gegenstände in den Produktionshallen geltend gemacht. Das heisst konkret: Mit dem Erlös der beweglichen Aktiven, die sich in den vermieteten Räumlichkeiten befinden, werden zuerst die ausstehenden Mieten beglichen, bevor die Forderungen der anderen Gläubiger angegangen werden.

Nicht auszuschliessen ist, dass die Traditionsmarke dereinst wiederbelebt wird: «Wir hatten bereits Anfragen zum Markennamen», sagt Stadelmann. Zumindest vom Markennamen erhofft man sich beim Konkursamt einen Erlös.

«Sehr gut verkauft»

«Wir waren schon ein wenig bestürzt», sagt der Solothurner Velohändler Marcel Keller, der die Marke führt. Mondia habe qualitativ hochwertige Fahrräder hergestellt, die sich in der Region gut verkaufen liessen.

Grundsätzlich hätten es Schweizer Marken aber nicht einfach, sagt Keller, der auch die Marke «Tour de Suisse» vertreibt: «Wir stehen stark unter Druck aus dem Ausland.» Zwar gebe es einen Kundenstamm, der bewusst Schweizer Produkte kaufe.

Mondia habe sich aber stark im Familiensegment bewegt. Und wenn eine Familie neue Velos kaufe, spiele die Differenz von zwei bis dreihundert Franken schnell eine entscheidende Rolle. Spürbaren Einfluss hat laut Keller auch das Internet: Es sei ganz einfach geworden, ein neues Velos im Ausland selbst zusammenzustellen und sich schicken zu lassen. «Das spüren auch wir Händler.»

Die bestätigen auch Zahlen: Mitte der 90er-Jahre lag der Importanteil bei 40 Prozent, heute stammen gemäss der Fachstelle für Zweiradfragen über 80 Prozent der verkauften Velos aus dem Ausland. In der Region produzieren BMC in Grenchen und Aarios in Greztenbach noch Fahrräder.