Egerkingen

Kommt ein 100 Meter langer Wohnblock aufs Tesil-Areal?

Der Egerkinger Paul von Däniken hat mit seinen Immobilienfirmen grosse Pläne. Das neuste Projekt betrifft das Tesil-Areal.

Der Egerkinger Paul von Däniken hat mit seinen Immobilienfirmen grosse Pläne. Das neuste Projekt betrifft das Tesil-Areal.

In Egerkingen ragen in diesem Sommer viele Baukräne in die Höhe. Wer die Zahl der Baugesuche und Gestaltungspläne sieht, welche die Gemeindeverwaltung in Egerkingen zu bearbeiten hat, muss davon ausgehen: Baukräne werden auch mittelfristig das Ortsbild prägen. Die Gemeinde entwickelt sich rasant. 3136 Einwohnerinnen und Einwohner zählte das Dorf 2010. Ende 2017 lebten bereits 3520 Menschen in der Egerkingen.

Aktuell liegt ein Gestaltungsplan auf, der weiteres Wachstum verspricht. Bauherrin ist die örtliche AWF AG für Wirtschaftsförderung, der Paul von Däniken vorsteht. Auf dem Areal, wo momentan noch das Gebäude der Teppich-Herstellerin Tesil steht, plant die AWF eine Überbauung im grossen Stil. Im unteren Bereich nahe der A2 sind drei Baufelder für Gewerbe-Gebäude reserviert. Sie sollen gemäss Gestaltungsplan einen «Lärmriegel» für die dahinterliegende Wohnzone bilden.

Oberhalb dieser drei Gebäude sieht der Gestaltungsplan nämlich einen über 100 Meter langgezogenen Wohnblock vor. 52 Wohnungen möchte die AWF AG hier bauen. Im Gestaltungsplan steht, dieses Grossprojekt entlang der Santelstrasse artikuliere «in ausgeprägter Weise einen Rücken des Areals». Aussergewöhnlich wäre das Gebäude durch seine Länge. Es würde das Ortsbild Egerkingens vermutlich stark verändern. Ist das Projekt für ein Dorf wie die Gäuer Gemeinde nicht überdimensioniert? «Wissen Sie, Egerkingen ist kein Dörflein mehr», sagt Bauherr von Däniken auf Anfrage.

Verlieren die Anwohner ihre Weitsicht?

«Egerkingen ist nicht unbedingt ein Ort, wo man in Zukunft wohnen sollte», sagt Isabella Zimmermann im Hochparterre ihres Hauses oberhalb der Santelstrasse. Bereits 1966 erbauten ihre Eltern am steilen Hang ihr Eigenheim. Die gebürtige Egerkingerin spricht die rasche Entwicklung der Gemeinde und das Wachstum an, das sich nirgendwo besser beobachten lässt als von ihrem Wohnort aus. Durchs Fenster dringt das stete Rauschen der Autobahn. Der ausgeprägte Rücken der Tesil-Überbauung würde Zimmermann und ihren Nachbarn nicht nur einen grossen Teil des Autobahnlärms nehmen. Die Anwohner befürchten, die Weitsicht ins Mittelland und in die Alpen zu verlieren. «Der Wohnblock ist enorm. Ich bin erschrocken, als ich den Gestaltungsplan gesehen habe», sagt Zimmermann. Die Anwohnerin betont, dass sie nicht gegen das Bauprojekt sei. Stören tut sie sich an der Höhe des Wohnblocks, der inklusive Attikageschoss drei Stockwerke hoch werden soll und ihr die Sicht stark einschränken würde. «Die ausgesteckten Bauprofile entsprechen nicht der effektiven Höhe», erwidert von Däniken. Dies werde erst beim Baugesuch der Fall sein. Der Wohnkomplex werde mindestens ein Stockwerk tiefer sein als derzeit ausgesteckt. Der Blick über das Gebäude sei für die hinteren Anwohner gewährleistet, versichert der Bauherr.

Wie die geplanten Gewerbe-Gebäude dereinst belegt sein sollen, ist gemäss Paul von Däniken noch nicht definiert. Auf einem der Baufelder hätte gemäss Gestaltungsplan eine Autogarage entstehen sollen. «Wir hatten einen Interessenten, aber der ist wieder abgesprungen», sagt von Däniken hierzu. Deshalb ist die Ausgangslage bezüglich der Gewerbe-Gebäude nun wieder völlig offen. «Was deren Ausgestaltung betrifft, sind wir je nach Ansprüchen flexibel», so von Däniken weiter. Die Bauherrin kann sich vorstellen, die Gewerbeflächen sowohl zu verkaufen wie auch zu vermieten.

Wohnungsflut für Egerkingen kündigt sich an

Die Überbauung des Tesil-Areals ist für Bauherr von Däniken noch Zukunft. Die Gegenwart spielt sich in nächster Nähe ab. Oberhalb der Santelstrasse entstehen an der Holzgasse 14 Wohnungen. Die Bauherrin dieses Projekts ist die Fährhof AG, bei der von Däniken Verwaltungsratsmitglied ist. Die Immobilienfirma will in Egerkingen kräftig bauen: Ein weiteres Projekt soll demnächst westlich des Tesil-Areals folgen. Wo einst die Villa von Eugen Hauri, dem verstorbenen Gründer der Firma Tesil, stand. Im Santel plant die Fährhof AG als Bauherrin drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 26 Wohnungen, die bereits ausgeschrieben sind. Die erste Bau-Etappe der drei Mehrfamilienhäuser soll Anfang 2020 starten.

Alleine Paul von Däniken plant mit seinen beiden Unternehmen innerhalb der nächsten Jahre insgesamt 92 Wohnungen. Droht der Bauboom nicht, den Wohnungsmarkt Egerkingens zu übersättigen? Bei den leerstehenden Wohnungen handle es sich mehrheitlich um Mietwohnungen, sagt von Däniken. Eigentumswohnungen seien gefragt. «Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir unsere Wohnungen absetzen können und wir werden den Bau deshalb auch etappieren», so der Bauherr.

Meistgesehen

Artboard 1