Nach der Schliessung der Raiffeisen-Geschäftsstelle in Neuendorf per Ende 2015 stellte die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt als Besitzerin der Liegenschaft in Aussicht, das Gebäude an die Gemeinde zu veräussern. Begründet wurde dieses Angebot mit der Sicherstellung des im Erdgeschoss untergebrachten Volg-Ladens sowie der Weiterführung des beim Eingangsbereich platzierten Bancomaten.

Der Gemeinderat beschloss im September 2016, diese einmalige Gelegenheit im Interesse des Dorfes ernsthaft zu prüfen. Abgeklärt werden sollte ferner ein allfälliger Umzug der Gemeindeverwaltung in die leer stehenden Räume im Obergeschoss.

Seit Ende Jahr herrscht Funkstille

Einig war sich der Rat damals, dass die Einwohnergemeinde diesen Kauf aufgrund der finanziell angespannten Lage nicht selbst tätigen kann. In die Bresche springen sollte die Bürgergemeinde. Nach positiven Signalen von Bürgergemeindepräsident Emil Lämmle fand Ende 2016 eine gemeinsame Besichtigung statt.

Seither herrscht zwischen Einwohner- und Bürgergemeinde Funkstille. Mit der Einwohnergemeinde sei man so verblieben, dass sich diese melde, wenn die nötigen Abklärungen vorgenommen worden seien, erwähnt Lämmle.

Inzwischen sei allerdings fraglich, ob die Dienste der Bürgergemeinde für den Kauf der Liegenschaft überhaupt in Anspruch genommen würden. Der Gemeinderat prüfe mit Blick auf eine mögliche Rendite, welche das Objekt abwerfen könnte, den Kauf durch die Einwohnergemeinde, weiss Lämmle.

Investitionen sind nötig

Für die Liegenschaft steht ein Kaufpreis von 650'000 Franken zur Diskussion. Für die Anpassung der Infrastruktur bezüglich des Betriebs Gemeindeverwaltung sowie bauliche Massnahmen müssen Schätzungen zufolge rund 300'000 Franken investiert werden.

Mit relativ hohen Kosten zu Buche schlagen wird der Umbau des zu schmalen und nicht rollstuhltauglichen Lifts ins Obergeschoss. Erweitert werden muss ferner das Parkplatzangebot. Möglich wäre dies auf der Südseite auf dem Land von Landwirt Hans Heim. Dieser habe Entgegenkommen signalisiert, so Lämmle.

Die Bürgergemeinde könne dieses Projekt aus eigener Kraft stemmen, wenn man sie denn lasse, betont Lämmle. Dabei stehe nicht primär die Rendite im Vordergrund, sondern, dass das Gebäude in Besitz der Gemeinde komme.

Diese Grundhaltung werde sich auch bei der Bemessung der Miete für die Einwohnergemeinde niederschlagen, wenn diese dort ihre Gemeindeverwaltung installiere. Falls sich der Gemeinderat für eine Finanzierung durch die Bürgergemeinde entscheide, will Lämmle das Geschäft für die Bürgergemeindeversammlung vom 22. Juni traktandieren.

Gemeindebesitz steht in Fokus

Ob der Einwohnergemeinderat bis zu diesem Zeitpunkt zu einer Entscheidung kommt, steht noch in den Sternen. Die als Grundlage benötigte Nutzwertanalyse und Machbarkeitsstudie liegt nämlich noch nicht vor und im Rat herrscht weiter Uneinigkeit, wie es in dieser Sache weiter gehen soll. Gemeindepräsident Rolf Kissling bestätigt Überlegungen für einen Kauf der Liegenschaft.

Er selber favorisiere einen Kauf durch die Bürgergemeinde. Unabhängig vom Entscheid des Gemeinderates stehe aber im Vordergrund, dass das Gebäude wegen seiner für das Dorf zentralen Rolle mit Laden und Postagentur in Besitz der Gemeinde gelange.

Ebenfalls noch nicht entschieden ist, ob die Gemeindeverwaltung in das Gebäude einziehen wird. Dies sei zwar mit Blick auf den frei werdenden Schulraum im alten Schulhaus wünschenswert, bemerkt Kissling. Zuerst müssten noch weitere Abklärungen vorgenommen werden.

Raiffeisen wartet auf Bescheid

Für die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt als Besitzerin der Liegenschaft spiele es keine Rolle, ob nun die Bürger- oder die Einwohnergemeinde das Gebäude kaufe, sagt Bankleiter Andreas Furrer. «Für uns ist die Sicherstellung des bis 2025 laufenden Mietvertrags für den Volg-Laden und der Mietvertrag für den Bancomaten von Bedeutung.»

Mit den beiden Gemeinden sei eine Rückmeldung bis im Frühling vereinbart worden. Deshalb habe die Raiffeisenbank Gäu-Bipperamt bisher auch noch keine Anstrengungen unternommen, andere Käufer für die Liegenschaft zu suchen.