Silvesterabend um 23.40 Uhr. Noch 20 Minuten bis zum Jahreswechsel. Lorenz Kohler hatte den Champagner bei seinem Vater bereits kühlgestellt, als die Meldung über den Grossbrand bei der Schreinerei Rütti in Balsthal per Pager hereinkam. Der Feuerwehrkommandant von Mümliswil-Ramiswil konnte seinen Bruder und seinen Schwager gleich zum Magazin mitnehmen – sie leisten ebenfalls Dienst. «Unsere Frauen mussten halt dann mit meinem Vater alleine Silvester feiern», sagt Kohler.

Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Am Neujahrsmorgen, nach einem neunstündigen Einsatz, haben die Feuerwehrleute im Magazin mit zwei Champagnern angestossen und die aussergewöhnliche Nacht Revue passieren lassen. «So einen Einsatz erlebt man wohl nur einmal im Feuerwehr-Leben.»

Ähnlich ergangen ist es auch Oensingens Feuerwehrkommandant Michael Dietschi. Der Alarm kam bei ihm schon um 23.01 Uhr rein, die Oensinger wurden früher als die Mümliswiler aufgeboten. Dietschi war mit seiner Familie bei Kollegen und gerade am Abendessen. «Das war schon eine spezielle Situation.» 

Lob für Zusammenarbeit

Mit dem ersten Auto am Brandplatz war Balsthals Feuerwehrkommandant Urs Meier. Sein Pager ging um 22.57 Uhr los. Die Silvesterparty war eine Stunde vor dem Jahreswechsel vorbei. «Unseren Leuten hat man davon aber nichts angemerkt. Morgens um drei hätten wir wohl mehr Mühe gehabt, so viele Leute aufzubieten.»

Nicht nur wegen der vorgerückten Zeit, sondern auch wegen des eventuell erhöhten Alkoholpegels. Für die Feuerwehrleute gilt wie für Private ebenfalls: 0,5 Promille sind erlaubt. Eine Ausnahme gibts für Tanklöschfahrzeug-Fahrer: Bei ihnen gilt die Null-Promille-Grenze. Doch die Feuerwehren kämpfen dagegen an. 

Grossbrand in Balsthal: Die Fakten

Grossbrand in Balsthal: Die Fakten

Mümliswils Kommandant Lorenz Kohler zum Thema: «Einige hatten sicher schon vor dem Alarm etwas getrunken.» Doch am Brandort ist allen angefragten Kommandanten keiner negativ aufgefallen. «Jeder muss selber entscheiden, ob er noch einsatzfähig ist oder nicht», so Kohler. Auch die Polizei verzichtete aus Prioritätsgründen auf Alkoholkontrollen: «Es gab absolut keine Anzeichen dafür, dass Angehörige der Feuerwehr unter Alkoholeinfluss standen», teilt die Polizei auf Anfrage mit.

Die Kommandanten loben die gute Zusammenarbeit zwischen den sechs aufgebotenen Feuerwehren aus den Kantonen Solothurn und Bern. Und während der Nacht sei es nicht nur
ruhig, sondern auch herzlich zu- und hergegangen, sagt Balsthals Kommandant Meier: «Wir haben uns beim Funken oft ein gutes neues Jahr gewünscht.»