RCT Balsthal
Knatsch um ausstehende Löhne bei Balsthaler Industriefirma spitzt sich zu

Bei Verhandlungen vor dem Amtsgericht kam es zu Vergleichen zwischen Ex-Angestellten und RCT Hydraulic Tooling AG. Demnach sollen Darlehen und ausstehende Rechnungen in Raten bezahlt werden. Die RCT wiegelt weiterhin ab.

Franz Schaible
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Bei der RCT in Balsthal stossen ehemalige Mitarbeitende mit Lohnforderungen auf eine geschlossene Tür.

Bei der RCT in Balsthal stossen ehemalige Mitarbeitende mit Lohnforderungen auf eine geschlossene Tür.

Hanspeter Bärtschi

Langsam, aber sicher verliert Peter Muster* seine letzte Hoffnung. Zehn Jahre lang arbeitete er in der Balsthaler Industriefirma RCT Hydraulic Tooling AG. Seit vergangenem Jahr wartet er vergeblich auf mehrere Monatslöhne. Mahnungen per eingeschriebenen Brief an den Arbeitgeber RCT, die seit 2011 zur börsenkotierten Accu Holding AG in Emmenbrücke gehört, hätten nichts gefruchtet, erzählt Muster.

Deshalb blieb er der Arbeit fern. Diese Möglichkeit zum Erhalt des Lohnes ist im Obligationenrecht ausdrücklich vorgesehen. Kurze Zeit später erhielt er im Dezember die Kündigung «aus wirtschaftlichen Gründen».

Jetzt ist Anfang April, passiert ist nichts. «Bis heute habe ich keinen Rappen meiner Löhne erhalten», sagt Muster. Über einen Anwalt der Gewerkschaft Unia hat er den Arbeitgeber zweimal betrieben. Erfolglos. Sein ehemaliger Arbeitskollege, Fritz Meier*, erlebte exakt dasselbe – ausstehender Lohn, Kündigung, Betreibung, keine Lohnzahlung.

Langes Betreibungsregister

Auch Lieferanten bangen um ihre Ausstände. Einer, ein klassischer Zulieferer, traf sich Anfang März vor dem Amtsgericht Thal-Gäu zu einem Schlichtungsverfahren mit Marco Marchetti, RCT-Verwaltungsratspräsident, CEO und Hauptaktionär der Accu Holding. «Wir haben uns mit ihm auf eine ratenweise Rückzahlung unserer Forderung geeinigt», sagt der Zulieferer, der anonym bleiben will.

Es geht um mehrere 10 000 Franken. Und dasselbe Gericht befasste sich ebenfalls im März mit einem ausstehenden Darlehen von über 150 000 Franken an die RCT.

Auch hier kam es zu einem Vergleich mit Marchetti, wonach die RCT das Darlehen in Form von Raten zurückzahlen muss.

Ein Blick in den Auszug aus dem Betreibungsregister (Stand Ende Februar 2016) zeigt eine lange Liste von offenen Forderungen. Nebst Lohn- und Lieferantenforderungen sind auch Guthaben der Ausgleichskasse Kanton Solothurn, der Suva oder einer früheren Pensionskasse aufgeführt.

«RCT schreibt massive Verluste»

Noch im Januar 2016 behaupteten Marchetti und Andreas Kratzer, Finanzchef der Accu Holding AG, dass die Löhne, wenn auch «leicht verspätet», bezahlt worden seien. Nun verweist Kratzer auf erneute Anfrage auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Balsthaler Firma. «RCT erwirtschaftet seit vielen Jahren massive Verluste.»

Ende 2011 habe man die RCT nach der Übernahme «saniert und seither die Schulden um einen zweistelligen Millionenbetrag abgebaut». Der Abbau sei mehrheitlich durch Finanzmittel der Accu-Gruppe erfolgt. Aktuell beschäftige RCT 75 Angestellte, bei der Übernahme seien es 160 gewesen.

Nach einem Umsatz von rund 18 Millionen Franken im 2015 wird in einer Medienmitteilung vom 15. März für 2016 für RCT ein budgetierter Umsatz von 10 Millionen Franken angegeben. Grund sei die Umstellung bei einem Hauptkunden auf die Beistellung des Rohmaterials. Der Kunde liefert also das Rohmaterial für die bestellten Teile und Komponenten selbst.

Die Industriegruppe Accu Holding ist in den Bereichen Industriegarne und Oberflächentechnologie tätig, zu welchem auch die RCT gehört. Ausser der RCT hätten die übrigen Konzernfirmen «ausserordentlich gut» gearbeitet.

Für 2015 wies die Gruppe einen Umsatz von 156 Millionen und einen Betriebsgewinn von 12 Millionen Franken aus. Die Subventionierung der RCT seitens der Gruppe sei nur bedingt möglich. Für 2016 sei nun für die RCT «ein kostendeckendes Ergebnis vor Abschreibungen budgetiert, jedoch immer noch ein negatives Jahresergebnis». Man erwarte eine Entspannung der Finanzlage.

Arbeitszeugnis statt Lohn

Alle Interventionen der Gewerkschaft Unia wegen der ausstehenden Lohnzahlungen hätten bislang nichts gebracht, sagt Ivano Marraffino, Leiter der Solothurner Sektion.

Zuletzt gab es eine Flugblattaktion vor dem Firmengebäude. RCT-Chef Marchetti sagt, er habe um ein Treffen mit der Unia nachgefragt, seither aber nichts gehört. Marraffino bestätigt das, spricht aber von einer «Hinhaltetaktik, die wir nicht mitspielen. Solange die Löhne nicht bezahlt sind, gibt es kein Treffen».

Die Aussagen der RCT-Manager müssen für Peter Muster und Fritz Meier wie ein Hohn sein. An eine Zahlung der ausstehenden Löhne glaubt Muster jedenfalls nicht mehr. Immerhin: «Inzwischen habe ich mein Arbeitszeugnis erhalten.»

*Namen der Redaktion bekannt.