«Eigentlich wollten wir ja eine Spielgruppe gründen», erzählt Christine Zimmermann und lacht. «Es waren viele Zufälle, die uns stattdessen hierher geführt haben», fügt Rita Hutter an. Das alte Bauernhaus ist komplett eingerüstet, auch im Innern des Hauses liegt eine dicke Staubschicht. Handwerker gehen ein und aus, Werkzeug und Holzlatten liegen herum.

Statt den Arbeitern mit ihren schweren Schuhen werden aber bald kleine Kinder auf dem Boden herumtrippeln. Die beiden Frauen eröffnen am 2. August ihre Kindertagesstätte Schmetterling an der Gäustrasse in Kestenholz. Der Weg bis dahin war zeitaufwendig. «Zwei Jahre lang sind wir an der Planung», erzählt Zimmermann. «Die ganzen Business-Pläne zustande zu bringen war das Schlimmste», erinnern sich die beiden, und: «Ohne unseren Steuerberater hätten wir das nicht geschafft.». Ausserdem konnten sich die zukünftigen Leiterinnen auf die Unterstützung und Tipps von anderen Kitas in der Umgebung verlassen, wie beispielsweise auf die Kita TiqTaq in Oberbipp.

Beide Frauen haben bereits viel Erfahrung mit Kindern. Hutter ist selbst Mutter zweier Kinder. Die 35-Jährige ist gelernte Köchin und arbeitete bereits als Spielgruppenleiterin. Die 27-jährige Christine Zimmermann ist staatlich anerkannte Erzieherin und hat einige Erfahrung als Reitpädagogin. Durch die Pferde haben sich die beiden kennen gelernt. Dabei habe es geschäftstechnisch sofort gefunkt. Zimmermann und Hutter werden zudem von den Mitarbeitern Anita Erni, Jan Ruf und Lena Schubert unterstützt.

Auch Schulkinder werden betreut

Genügend Personal sei wichtig, da die Kinder in der Kita Schmetterling nach Berliner Modell eingewöhnt werden. «Dabei lässt man den Kindern mehr Zeit», erklärt Zimmermann. «Weniger Kinder und mehr Personal, dies bedeutet weniger Stress.» Das heisse auch, so wenig wie möglich einzugreifen und dem Kind kleine Impulse zu geben. So könnten sich die Kinder ihre Fähigkeiten selbst erarbeiten. «So viel Freiheit wie möglich, so viele Grenzen wie nötig», lautet ihr Motto. 23 Betreuungsplätze bietet die neue Kita an. «Wir haben schon jetzt mehr Anmeldungen als wir uns hätten wünschen können», so Zimmermann. Die genaue Anzahl wollen die Geschäftsleiterinnen aber nicht verraten.

Am 2. August ist es so weit: Die Kita öffnet ihre Türen. «Es wurden alle Möglichkeiten bereits gebucht. Ganztags, halbtags, und sogar Kinder, die hier ihr Zmorge nehmen», sagt Hutter. Plätze bietet die Kita für Kinder ab drei Monaten bis zehn Jahren. «In Kestenholz ist es ein grosses Bedürfnis, dass auch Schulkinder betreut werden», erklärt Zimmermann. 123 Franken kostet ein Tag für Kinder ab 18 Monaten bis Kindergarteneintritt. Die Kita bietet zudem einen Mittagstisch an. Dafür wurde jener der Einwohnergemeinde gestrichen (wir berichteten). Am 23. September, pünktlich Chilbi, wird die Kita dann einen offiziellen Tag der offenen Tür abhalten. Denn an der Eröffnung selbst gebe es keine grosse Sache.

Zusammenarbeit mit Gemeinde

Die Kita Schmetterling ist nicht die erste Krippe, die ihr Glück im Dorf versucht. Vor einigen Jahren stand eine andere Kita kurz vor der Eröffnung. Dies klappte dann doch nicht: «Es fehlten die Bewilligungen, die Ausbildung und auch die Kommunikation mit den Behörden sei nicht optimal gewesen», weiss Hutter. Die «Schmetterling»-Kita werde hingegen kein «Schuss ins Blaue». Auch positiv eingestellt ist Gemeindepräsident Arno Bürgi: «Der Gemeinderat wurde von Anfang an informiert und miteinbezogen.» Deshalb begrüsse der Gemeinderat das Angebot der neuen Kita, zumal es in Kestenholz bis anhin an einem Betreuungsangebot für Kinder mangelte. «Die Kita deckt ein grosses Bedürfnis der Bevölkerung ab», so Bürgi weiter.

Trotz der guten Zusammenarbeit zwischen den Geschäftsleiterinnen und der Gemeinde gibt es jedoch momentan noch keine finanzielle Unterstützung. Zwar wünschen sich dies Hutter und Zimmermann. Bürgi will sich jedoch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. «Der Gemeinderat ist der Auffassung, dass dieses Angebot auch ohne Subventionen tragbar ist», sagt Bürgi. «Ausserdem ist Kinderbetreuung eine private Sache.» Bald wird sich zeigen, wie rentabel die Kita in Kestenholz ist. Ob sie denn bereits nervös sind? «Jeden Tag ein wenig mehr», sagt Zimmermann lachend.