Oensingen

Kiss & Ride gegen Elterntaxi-Problematik: Zum Schulstart gab's keinen Dichtestress

Die Massnahmen gegen das Elterntaxi-Problem in Oensingen sind noch nicht ganz fertiggestellt. Das Verkehrschaos blieb dennoch aus.

Seit Jahren sind die Elterntaxis an der Schule Oberdorf in Oensingen ein Thema. Am Montagmorgen, dem ersten Schultag nach den Sommerferien, fällt aber zunächst der dichte Strom an Kindern auf, der sich auf dem Trottoir entlang der Schlossstrasse hoch schlängelt. Frischer Asphalt, frische Poller. In den vergangenen Monaten hat die Gemeinde viel investiert, um den Schulweg vom Dorfkern herkommend sicherer zu gestalten. Im bunten Umzug ist die Aufregung nach den langen Ferien greifbar. Vielleicht in diesem Jahr nach dem aussergewöhnlichen Frühling etwas mehr als sonst. Zu erzählen haben sich die Kinder offensichtlich viel – ihre Stimmen erfüllen das Schulareal.

Neben dem regen Treiben auf dem Schulhausplatz ziehen vereinzelt Autos die Strasse hoch. Nach einem Schwenker auf den oberen Pausenplatz entpuppen sie sich als Elterntaxis. Mit einem Küsschen auf die Wange verabschiedet eine Mutter ihren Sohn, der den Beifahrersitz verlässt und seine Kumpel aufsucht. Stau bildet sich auf der Schlosstrasse am ersten Schultag aber keinen. Mit der neu geschaffenen Ein- und Ausladestelle hat dies allerdings wenig zu tun: Diese ist auf den Schulstart hin noch nicht ganz fertiggestellt. Das sogenannte «Kiss & Ride» ist eine der zentralen Massnahmen, mit welchen Oensingen den Verkehr rund um das Schulhaus Oberdorf sicherer gestalten will. Die Signalisationen auf dem Asphalt zeigen am ersten Schultag bereits an, wie die Elterntaxis demnächst durch eine Schlaufe geleitet werden und somit ein simpler Kreisverkehr mit Ein- und Ausfahrt entsteht.

Problem akzentuiert sich vor allem in der kälteren Jahreszeit

Ob das System funktioniert, wird sich jedoch noch weisen müssen. «Wir sind gespannt wie es ankommt», sagt Andreas Affolter. Wetterpech und Corona hätten zu einer leichten Verzögerung der Arbeiten geführt. In spätestens drei Wochen sollen alle Arbeiten an der Schlossstrasse inklusive umfassender Signalisation und Fussgängerstreifen fertiggestellt sein. Das sei nicht weiter tragisch, da der Schulanfang normalerweise ohnehin ruhig verlaufe, sagt der Bauverwalter. «Es ist schön Wetter, kommen Sie mal, wenn es regnet», sagt Affolter. Er machte sich am Mittag selbst ein Bild vor Ort und stellte fest, dass der Verkehr auch dank Polizeipräsenz rund lief. «Im Sommer laufen viele Kinder und in der ersten Woche gehen die Eltern zu Fuss mit.» Dass sich dies auf den Herbst hin ändert, weiss Affolter aus Erfahrung. Das Phänomen Elterntaxis beschäftigt die Gemeinde seit Jahren (wir berichteten). Bislang blieben die Lösungsversuche alle erfolglos. Deshalb galt die Devise: Trotz Elterntaxis soll der Schulweg möglichst sicher sein, darauf habe etwa auch der Elternrat bestanden.

In den sozialen Medien wies Gemeinderat Theodor Hafner vor dem Schulstart mit einem Bild auf die Veränderungen beim Schulhaus Oberdorf hin und schrieb dazu: «Vor zehn Jahren im Elternrat waren wir uns noch einig, dass der beste Schulweg durch die Kinder zu Fuss zurückgelegt werden sollte! Erlebte Kameradschaft, Förderung der Selbstständigkeit und übernehmen von Verantwortung, waren unsere Argumente!» Im viel kommentierten Beitrag ist der Tenor eindeutig: Die Nutzer sprechen sich gegen das Kiss & Ride aus und erinnern sich an ihren eigenen Schulweg zu Fuss. «Die interessantesten Abenteuer erlebte man doch auf dem Schulweg oder nicht?», kommentiert eine Person. Die Schülerinnen und Schüler, die kurz vor 8 Uhr vom Pausenplatz in die Klassenzimmer strömen, würden vermutlich beipflichten.

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