Neuendorf
«Kirchenuhr-Revisionen sind spannend» – das Uhrwerk wird revidiert

Das über 100 Jahre alte Uhrwerk im Kirchturm der Katholischen Kirche Neuendorf wird einer Gesamtrevision unterzogen. Bis am 18. September sollte das Uhrwerk wieder in Takt sein.

Erwin von Arb
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Sanierung Uhrwerk Katholische Kirche Neuendorf
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Das Uhrwerk der Katholische Kirche Neuendorf wird in den nächsten vier Wochen revidiert.
Die fünf Glocken im feuerverzinkten Glockenstuhl im Kirchturm von Neuendorf.
Konzentriertes Arbeiten ist gefragt.
Weitere Impressionen.

Sanierung Uhrwerk Katholische Kirche Neuendorf

Bruno Kissling

Seit Montagmorgen sind aus dem Kirchturm in Neuendorf keine stündlichen und viertelstündlichen Glockenschläge mehr zu hören, welche Auskunft über die Uhrzeit geben. Auch ablesen kann man die Uhrzeit derzeit nicht, weil die Zeiger auf den insgesamt vier Zifferblättern am Turm auf 12 Uhr verharren.

Der Grund dafür ist die anstehende Revision der mechanischen Uhranlage. Eine solche umfassende Revision wird neben der regelmässigen Wartung etwa alle 50 Jahre durchgeführt, wie Thomas Burkhart von der Muff Kirchturmtechnik AG erwähnt. Jede Revision sei immer wieder spannend, weil man vorher oft nicht wisse, was für ein Uhrwerk sich im Kirchturm befinde.

Uhrwerk kostete 3000 Franken

Sigrist Oskar Heim führt Thomas Burkhart und seinen Kollegen Roy Schmid die enge Holztreppe hinauf bis zu besagtem Uhrwerk im 56 Meter hohen Turm. Die Uhr sei sehr zuverlässig und mache nur sehr selten Probleme, bemerkt Heim. Und wenn, seien die Fachleute schnell zur Stelle.

Die mechanische Uhr mit einem Gehwerk und zwei Schlagwerken befindet sich in einem allgemein guten Zustand, stellt Burkhart nach der Sichtung der aus dem Jahr 1913 stammenden Anlage fest. Gebaut wurde die Kirchturmuhr von der Firma J. Mäder aus Andelfingen. Bereits ein Jahr früher, nämlich 1912 waren der Kirchturm erbaut und die insgesamt 5 Glocken von der Firma Rüetschi aus Aarau darin eingebaut worden.

Beim Uhrwerk in Neuendorf handelt sich eine Anlage der zweiten Klasse, welche damals etwa 3000 Franken gekostet haben dürfte, wie Burkhard schätzt. Wie bei Mäder Industrie-Turmuhren üblich, sind die Geh- und Schlagwerke aus Bronze gefertigt, die Getriebe aus poliertem Gussstahl. Zur Aufnahme der Räderwerke wurden gusseiserne Schilder verwendet, welche mit je vier Säulen ein fest verbundenes Gestell bilden, welche auf einem Eichenholzrahmen verschraubt wurden. Später wurde das Holz durch Stahlprofile abgelöst. Fester Bestandteil im Lieferumfang war damals jeweils auch ein Glaskasten aus Tannenholz. Ein solcher schützt auch noch immer das Uhrwerk im Neuendörfer Kirchturm von vor Staub und Schmutz.

Mechanische Defekte sind selten

Mechanische Defekte an Kirchturmuhren kommen sehr selten vor und auch die Abnützung fällt sehr bescheiden aus, wie Burkhart aus Erfahrung weiss. Meist sind es Sensoren der vielerorts elektrifizierten Anlagen, welche für Störungen sorgen. In Neuendorf kam es allerdings vor Jahren wegen eines Bedienungsfehlers zum Bruch der Aufzugswippe, welche die Viertelstundenschläge ausführt. Eine Schweissstelle zeugt von diesem nicht datierten Zwischenfall. Interessant findet Burkhart ferner, dass es bei der Montage des Uhrwerks im Jahr 1913 im Dorf offenbar bereits Strom gegeben hat. Ein Indiz dafür sei der elektrische Aufzugsmotor, mit welchem die Anlage in Neuendorf ausgestattet sei.

Zurück zur Revision des Uhrwerks: Dieses wurde von den zwei Mitarbeitern der Muff Kirchturmtechnik AG auf dem Kirchturm in seine Einzelteile zerlegt und danach in Kisten etappenweise nach unten getragen. Bei einem Gesamtgewicht der Anlage von etwa 300 Kilogramm sind dafür mehrere Gänge notwendig. Das gehöre zum Beruf, sagt Burkhart. «Schliesslich musste das Material auch beim Einbau auf den Turm ‹gebuckelt› werden.» Vor dem Abtransport zum Firmensitz in Triengen für die Revision, wird das Uhrwerk grob wieder zusammengebaut, damit es nicht zu Transportschäden kommt.

Einer Revision unterzogen werden auch die drei Fallschlaghämmer, die Hammerzugdrähte werden komplett ersetzt. Die Revision des Uhrwerks, welche die Reinigung sämtlicher Teile und notwendige Reparaturen an Zahnrädern und Achsen beinhaltet, dauert voraussichtlich bis zum 18. September. Je nach Ablauf der Arbeiten sei auch ein früherer Termin für die Wiederinbetriebnahme der Kirchturm möglich, sagt Burkhart. Das Glockengeläut zu allen anderen Gelegenheiten erfolgt aber weiterhin wie gewohnt, da diese elektronisch ausgelöst werden.

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