Kirchenchor Kestenholz
150 Jahre singend für Kestenholz im Einsatz

Ein Blick in die alten Vereinsprotokolle zeigt, wie der Kirchenchor Kestenholz das Dorfgeschehen prägte.

Xaver Bürgi
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Die derzeitigen Mitglieder des Kirchenchors Kestenholz, der dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiern kann.

Die derzeitigen Mitglieder des Kirchenchors Kestenholz, der dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen feiern kann.

Thomas Sorg

Im Jahr 1871 wurde der Bezirks-Cäcilienverband Thal-Gäu aus der Taufe gehoben. Einer, der half, diesen Verband zu gründen, war der Kirchenchor Kestenholz. Es steht damit fest, dass es diesen Kirchenchor seit mindestens 150 Jahren gibt. Und dies will der Chor am 19. September mit einem feierlichen Gottesdienst und einem Festakt feiern. Auf diesen Anlass hin wird die «Messe mit dem Schweizerpsalm» von Alberik Zwyssig einstudiert. Einige Gastsängerinnen und Gastsänger werden den Chor verstärken.

Wie alt ist Kirchenchor Kestenholz tatsächlich?

In seiner Chronik schreibt der Kestenholzer Chronist Max Studer, dass Peter Longinus Dietschi aus Lostorf, Pfarrer in Kestenholz von 1841 bis 1855, in der Zeit seines Wirkens einen Kirchenchor gegründet habe. Ein genaues Gründungsdatum war aber nicht zu eruieren, weil aus jener Zeit keine Protokolle vorhanden sind. An der Generalversammlung vom 28. Januar 1940 wurde angeregt, das wirkliche Gründungsjahr ausfindig zu machen. Ohne Quellenangabe gab der Vorstand an der GV von 1941 bekannt, der Verein sei 1875 gegründet worden. Dieser Bekanntmachung glaubte man allerdings nicht so recht. Jedenfalls feierte der Verein 1971 sein 100-jähriges und 1996 sein 125-jähriges Bestehen. Erster Chorleiter war offenbar der bereits erwähnte Pfarrer Dietschi. Ihm folgten gemäss Chronist Studer Pfarrer Johann Fuchs und möglicherweise Lehrer Georg Spiegel. Dank der vorhandenen Protokolle weiss man mit Sicherheit, wer ab 1915 den Chor leitete. Bis 1937 Albin Dietschi sen (vermutlich ab 1893), 1937-1974 Hermann Studer, 1974-2013 Gustav Bürgi und seit 2014 Anita Wenger.

Zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gläubigen

Was die aufgeführten Werke betrifft, hat sich im Laufe der Zeit einiges geändert. Vor dem Konzil von 1962–1965 waren es vor allem Werke in lateinischer Sprache und damit oft auch Messen und Motetten von bekannten Komponisten wie Mozart, Beethoven, Haydn, Charpentier, Schubert, di Lasso, Kempter. Seither wird vor allem in deutscher, aber auch in englischer oder sonst welchen Sprachen gesungen.

Damals wie jetzt ist es Aufgabe des Chores, in den Gottesdiensten zur Ehre Gottes und zur Erbauung der Gläubigen zu singen. Dies geschah bis in die 1960er-Jahre an jedem Sonn- und Feiertag. Ab 1970 wurde dem Chor monatlich ein freier Sonntag zugestanden. Später waren es zwei Sonntage und heutzutage wird in der Regel noch einmal pro Monat gesungen. Abgesehen von der Einstudierung sakraler Werke für die Auftritte in den Gottesdiensten, widmete sich der Chor immer auch dem Gesang weltlicher Lieder.

Regelmässig traten die Sängerinnen und Sänger mit Konzerten und Theaterstücken vor das Publikum. Einige Male wagte sich der Chor mit Erfolg an die Aufführung von Kirchenkonzerten. Dazu tat man sich auch mit anderen Formationen oder Chören zusammen. Zur Tradition geworden sind jene Kirchenkonzerte, die gemeinsam mit der Musikgesellschaft Eintracht durchgeführt werden.

Über die jeweiligen Mitgliederzahlen geben die Protokolle ab 1938 Bescheid. Damals zählte man 41 Sängerinnen und Sänger. 1951 gab es mit 74 Mitgliedern die absolute Höchstzahl. Der Chor umfasste damals 25 Soprane, 21 Altistinnen, 12 Tenöre und 16 Bässe. Von solchen Zahlen kann man heutzutage leider nur träumen, zählt doch der Chor zurzeit noch 26 Mitglieder. Davon sind allerdings nur 19 noch aktive Sängerinnen und Sänger. Nachwuchs wäre als dringend nötig.

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