«Die Menschen zusammenbringen.» Das sei ihm immer schon wichtig gewesen, sagt Adrian Wicki, Leiter des Pastoralraums Gäu. Diesen Titel wird er aber nicht mehr lange behalten. Am 30. Juni um 17.30 Uhr findet sein Abschiedsgottesdienst in der Kirche Härkingen statt. Denn der 45-Jährige sucht nach einer neuen Herausforderung, die er im luzernischen Ruswil zu finden hofft. «Nicht, dass ich hier nicht genügend Herausforderungen gehabt hätte», hält der gebürtige Luzerner fest. «Ich habe von Anfang an gewusst, dass ich nicht für immer in Härkingen bleiben werde.»

Nun geht er also zurück in «seinen» Kanton. Vor elf Jahren kam Wicki nämlich von Emmen LU nach Härkingen, wo er den Posten als Gemeindeleiter übernahm. «Damals wünschte ich mir, in einer kleinen Pfarrei zu arbeiten, wo ich viel Kontakt mit Leuten haben kann», erzählt der Leiter. Durch Vorgänger Christoph Schwager kam er auf die offene Stelle in Härkingen. Schwager und Wicki teilen zudem die Leidenschaft für das Theater. Dass Wicki deshalb durch den Wohnort in Härkingen näher an seinem Hobby war, sei ein schöner Pluspunkt gewesen. «Meine Familie und ich haben uns hier immer sehr wohl gefühlt.» Trotzdem sei nun die Zeit des Abschieds gekommen. Die Familie habe sich gemeinsam zu diesem Schritt entschieden, weil deren Töchter in einem geeigneten Alter für einen Umzug seien. «Jetzt müssen sie noch nicht zu viele Freunde zurücklassen und können schnell neue Bekanntschaften machen.

Keine grossen Veränderungen

Für die Gemeinde bedeute dieser Abschied aber keine einschneidenden Veränderungen. Die nächsten Gottesdienstplanungen seien gemacht und die Verantwortung werde von den anderen Mitgliedern im Pastoralraum getragen. Beatrice Emmenegger aus Neuendorf wird künftig die Leitung übernehmen. Für die Nutzung des Pfarrhauses seien ebenfalls bereits Ideen im Umlauf. In den letzten 30 Jahren ist dort jeweils eine Familie wohnhaft gewesen, neu könnten daraus ein Kompetenzzentrum für die Jugend oder Büroräume für die Jugendseelsorger entstehen. Vorläufig wird das Pfarrhaus aber leer stehen.

Grösser seien die Veränderungen auf privater Ebene. «Meine Frau, unsere Töchter und ich haben hier Freunde gefunden», so Wicki weiter. «Hier hier war unser Lebensmittelpunkt.» Die Familie Wicki habe auch stets aktiv am Dorfleben teilgenommen, war in Vereinen aktiv und hat diverse Projekte betreut. Deshalb falle es ihnen zwar schwer, das Alte loszulassen, Wicki ist sich aber sicher, dass sie auch am neuen Wohnort schnell Fuss fassen werden. «Ich bin schliesslich ein Umgänglicher», sagt er und lacht. In Ruswil wird Wicki ebenfalls ein Pastoralraumprojekt übernehmen, wo er seine Erfahrungen einbringen kann.

Glauben anders leben

«In den elf Jahren hat sich mein Aufgabenbereich stark verändert», sagt Wicki. Dies läge vor allem an der Umstrukturierung im Bistum Basel, zu welchem das Gäu gehört. Aufgrund dieser Entwicklung im Bistum schlossen sich die Gemeinden Härkingen, Fulenbach, Neuendorf, Egerkingen und Oberbuchsiten zum Pastoralraum Gäu zusammen. Mit diesem Zusammenschluss wurden die Aufgabenbereiche neu verteilt, anfänglich gab es immer wieder Konfliktpunkte. Heute ist Wicki aber stolz auf das Erreichte. «Das Seelsorge-Team funktioniert super.» Und auch wenn die Anforderungen grösser geworden seien, hätten mittlerweile viele gemerkt: «Zusammen geht es einfach besser.»

Auch für die Kirchengänger bedeutete der Zusammenschluss einen Umschwung. «Sowieso gibt es die Volkskirche, wie es sie vor 50 Jahren gegeben hat, nicht mehr», erklärt Wicki. «Früher gehörte der regelmässige Gottesdienst einfach dazu. Heute ist das anders.» Auch die Einstellung zu den Kirchen und zum Glauben habe sich verändert. «Viele sagen mir, dass sie zwar glauben, dafür aber keine Institution benötigen», sagt Wicki.

Dabei solle die Kirche mehr als nur eine Institution sein. «Der Glauben lebt davon, dass Menschen zusammenkommen und die Frohbotschaft verteilen.» Für Wicki ist die Kirche eine Gemeinschaft und deshalb könne man den Gottesdienst auch nicht an der Anzahl Besucher beurteilen. «Es kommt mir nicht darauf an, ob die Bänke gefüllt oder halb leer sind. Wenn alle danach mit einem Lächeln aus der Kirche gehen, ist mein Ziel erreicht.»

Was Wicki auch im Kanton Luzern noch in Erinnerung bleiben wird, ist das Projekt «Die letzte Tankstelle vor der Autobahn» mit dem Motto «Quellen der Kraft - wo tanke ich auf?» Wicki und Freiwillige organisierten im Jahr 2012 eine Kunst-Ausstellung in der Kirche, auch eine Tank-Bar gab es. «Der Raum wurde mal anders genutzt und die Leute kamen zusammen», erzählt Wicki. «Da stand für einmal nicht das Kirchliche, sondern das Menschliche im Vordergrund.» Und in seinen Augen sei das sowieso ein und dasselbe.