Neuendorf
Kinderheim will dank Erweiterung mehr Plätze für Babys anbieten

Regierungsrat Roland Fürst präsidiert das Patronatskomitee für die Erweiterung des Kinderheims amitola in Neuendorf.

Sarah Kunz
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So sieht ein erster Gestaltungsplan des ergänzenden Wohnheims aus, welches das Kinderheim amitola in Neuendorf durch Spendengelder finanzieren will.ZVG

So sieht ein erster Gestaltungsplan des ergänzenden Wohnheims aus, welches das Kinderheim amitola in Neuendorf durch Spendengelder finanzieren will.ZVG

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Vergangene Woche wurde der Erschliessungsplan der Husmatte in Neuendorf öffentlich aufgelegt. Es ist der erste Schritt des Neubauprojekts des Kinderheims amitola. Entstehen soll ein Wohnkomplex mit Aussenanlage für rund 15 Kinder. Seit mehr als zwei Jahren ist das Projekt schon in Planung und mit dem Ausbau der öffentlichen Erschliessungsstrasse wurde nun endlich eine erste Hürde genommen.

Schon vor zwei Jahren hat das Kinderheim das Projekt vorgestellt (wir berichteten). Damals wurde die Erschliessung erst angedacht, die Finanzierung durch ein Patronatskomitee erst geplant. Klar war aber schon damals, dass das bestehende Wohnheim an seine Aufnahmekapazität gestossen ist. Mit dem zusätzlichen Neubau sollen die bisherigen 12 Betreuungsplätze auf 25 Plätze erweitert werden.

Kanton bestätigt grosse Nachfrage

Die Nachfrage für Betreuungsplätze im Kanton sei hoch, erzählt Christa Misteli, Leiterin des Kinderheims. Das Kinderheim habe in den letzten Jahren mehr Anfragen für Betreuungsplätze erhalten, als sie hätten anbieten können. Die wachsende Nachfrage bestätigt sich auch seitens des Kantons: «Vor allem für ganz kleine Kinder besteht ein grosser Bedarf an Betreuungsplätzen», sagt Regierungsrat Roland Fürst, welcher ebenfalls Präsident des Patronatskomitees ist. Plätze für Babys gäbe es im Kanton Solothurn nur wenige, weshalb bisher viele Kleinkinder ausserhalb platziert werden mussten.

Die älteren Kinder ab neun Jahren werden weiterhin im bestehenden Gebäude wohnhaft bleiben. Babys und Kinder bis acht Jahre werden im Neubau unterkommen. In diesem enthalten sind jeweils Doppelzimmer für die Kinder, Werkräume, Arbeitsräume, Küchen- und Badeinrichtungen. Das Projekt wird laufend überarbeitet, weshalb die Investitionssumme noch nicht genau beziffert werden kann. Ursprünglich war die Rede von 3,6 Mio. Franken.

Erweiterung der Betreuung

Für Misteli ist wichtig, dass sich die Kinder in der Institution wohlfühlen. «Es soll für sie schliesslich ein Zuhause sein, nicht einfach ein Heim.» Die betreuten Kinder stammen aus schwierigen Familienverhältnissen, die es ihnen nicht ermöglichen, bei ihren Eltern aufzuwachsen. Ihnen sei in der prägenden Lebensphase bisher niemand beigestanden. «Sie sind 24 Stunden am Tag bei uns, dann sollen sie diese Zeit wenigstens geniessen können.» Eine familiäre Kultur sei für das Kinderheim deshalb seit Beginn wichtig gewesen. Schliesslich sei das Ziel des Heims, dass die Kinder irgendwann wieder zurück zu ihren Familien könnten. «Die Kinder sollen ihren Alltag vergessen können», hofft Misteli. «Sie haben es ja weiss Gott nicht immer einfach.»

Für die weiteren Betreuungsplätze, die angeboten werden, benötigt es natürlich auch mehr Personal. Dieses soll auf insgesamt 26 Mitarbeiter erhöht werden. «Bei uns kommen immer drei Kinder auf einen Betreuer», erzählt Misteli. Mit diesem Verhältnis könne eine zuverlässige und individuelle Betreuung gewährleistet werden.

Finanzierung durch Spenden

Für die Realisierung des Projekts stehen amitola als Non-Profit-Organisation zu wenig eigene finanzielle Mittel zur Verfügung. Deshalb wurde eigens ein Patronatskomitee gegründet, dessen Vorsitz wie erwähnt Regierungsrat Roland Fürst innehat. Auch weitere bekannte Namen unterstützen das Projekt: Unter anderem Ständerat Pirmin Bischof und SP-Präsidentin Franziska Roth. Die Spendengelder sollen hauptsächlich durch Firmen und Institutionen eingenommen werden. «Aber wir hoffen auch auf Privatpersonen mit einem grossen Herz», erzählt die Heimleiterin.

Die Spendenkampagne für das neue Wohnhaus, die Zimmereinrichtungen und die Umgebungsarbeiten ist im Gange. Misteli ist zuversichtlich, dass auch die restlichen Gelder einfliessen werden. «Es ist einfach keine Option, dass das nicht klappt», sagt sie lachend. «Dass die Einwohnergemeinde Neuendorf mit der Erschliessung beginnt, zeigt ja bereits, dass das gut kommt.» An den Bau des Wohnhauses zahlt der Kanton folglich nichts. Dieser finanziert einzig die Betriebskosten. Das heisst, den Unterhalt der Zimmer, die Betreuung, die Instandhaltung der Aussenanlage und weitere betriebliche Massnahmen. «Dies kommt den Kanton aber günstiger zu stehen, als das Finanzieren von fremdplatzierten Kindern ausserhalb des Kantons», erklärt Regierungsrat Fürst. An der Finanzierung durch Taggelder ändert sich auch im neuen Haus nichts. Misteli und auch Regierungsrat Fürst sind überzeugt: «Für alle ist das die beste Lösung.»