Welschenrohr

Kinder in Land schicken, aus dem Eltern geflohen sind - geht das?

Ein Mann schickte seine Kinder nach Benin - vor Jahren ergriff er selbst dort die Flucht.

Ein Mann schickte seine Kinder nach Benin - vor Jahren ergriff er selbst dort die Flucht.

Ein alleinerziehender Vater schickte seine Söhne nach Afrika in das Land zurück, aus dem er selbst geflohen ist. Die Bundesbehörden haben die beiden renitenten Kinder von Combey Gbadjavi wieder zurückgeholt. Das geschah nicht ohne Grund.

Die beiden machten ihrem Vater das Leben schwer. Daraufhin schickte er die Jugendlichen im Alter von 13 und 15 Jahren im Januar kurzerhand in ihre alte Heimat Afrika zurück. Bei den Verwandten im westafrikanischen Benin sollten sie zur Besinnung kommen und Anstand lernen). «Ich will doch nur das Beste für sie», rechtfertigt sich der 46-jährige Combey Gbadjavi gegenüber dem «Blick».

Vater schickt renitente Söhne zurück nach Afrika

Vater schickt renitente Söhne zurück nach Afrika

Vor etlichen Jahren flüchtete er aus politischen Gründen in die Schweiz, er wohnt in Welschenrohr und arbeitet mittlerweile als Hilfsgärtner. Und tatsächlich: Haben Eltern nicht das Recht, zu entscheiden, wo ihre Kinder untergebracht werden sollen? Das Eidgenössische Department für auswärtige Angelegenheiten (EDA) kam im Fall der Familie Gbadjavi offenbar zu einem anderen Schluss und liess die zwei jugendlichen Söhne bereits Anfang Februar wieder zurück in die Schweiz holen. Seither sind sie in einem Heim untergebracht.

«Eltern haben natürlich die Befugnis, über den Aufenthaltsort ihrer Kinder zu bestimmen», unterstreicht auf Anfrage Claudia Hänzi, die Chefin im Amt für soziale Sicherheit (ASO), ohne auf den konkreten Fall einzugehen. «Sie können ihre Kinder zum Beispiel irgendwo auf der Welt in einem Internat unterbringen.» Das Entscheidungsrecht der Eltern werde aber begrenzt durch das Schutzbedürfnis der Kinder. Dieses werde beispielsweise im Extremfall dann verletzt, wenn Eltern beschliessen sollten, ihre Kinder als Verdingkinder irgendwo hinzugeben.

Im internationalen Rahmen gebe es zudem Kinderschutzübereinkommen, welche auch für die Schweiz Geltung hätten. Diese regeln Prozesse und Wege, wie Rückführungen von Kindern erfolgen können. Zudem gebe es über Institutionen wie der internationale Sozialdienst oder über Botschaften und spezielle Vertrauenspersonen die Möglichkeit, vor Ort Abklärungen zu tätigen. Hänzi: «Sobald eine glaubwürdige Gefährdungsmeldung vorliege, nutze die Schweiz diese Kanäle.»

Heimplatz kann sehr teuer sein

Kinder in ein Land zurückzuschicken, aus dem die Eltern zuvor geflohen sind, müsse zudem immer hellhörig machen, meint Hänzi. Die Eltern könnten damit in Kauf nehmen, ihre Kinder einer Gefahr auszusetzen.

Nach der Rückkehr der beiden Kinder aus Afrika hat die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) eine Heimplatzierung verfügt. Fremdplatzierungen erfolgen, wie Hänzi weiter und ohne Bezug zum Fall ausführt, in der Regel auf Antrag der zuständigen Sozialdienste. Sobald dann eine Unterbringung in einem Heim verfügt worden ist, kann es richtig teuer werden. Die Tagestarife bewegen sich zwischen 200 und 600 Franken. Je spezialisierter ein Heim, desto höher die Taxe. Pro Monat belaufen sich die Kosten damit auf 6000 bis 18000 Franken. Berappen muss diese aber nicht die betroffene Gemeinde alleine. Wenn der Aufwand über die Sozialhilfe abgedeckt wird, wird dieser mittels Lastenausgleich auf alle Gemeinden im Kanton verteilt.

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