Gemeindeversammlung

Kestenholz wird neu zur Gebergemeinde

Mit wenigen Stimmberechtigten ging die Kestenholzer Gemeindeversammlung über die Bühne. (Archivbild)

Mit wenigen Stimmberechtigten ging die Kestenholzer Gemeindeversammlung über die Bühne. (Archivbild)

Nur gerade 28 Personen beteiligten sich an der Budgetgemeindeversammlung im Restaurant Waldhaus.

Wegen leicht sinkender Steuereinnahmen sieht das Budget 2020 in Kestenholz bei einem Volumen von rund 8.5 Millionen Franken ein Defizit von 225‘000 Franken vor. Trotzdem wird der Steuersatz von 117 Prozent beibehalten. Zudem wird ein neues Feuerwehrauto gekauft und die Gemeindeversammlung beschloss, sich bei der Wasserversorgung nicht auf Experimente mit Plastik einzulassen, sondern bei den bewährten Leitungen aus Gusseisen zu bleiben.  

Nur gerade 28 stimmberechtigte Personen erschienen am Donnerstag im Restaurant Waldheim zur Gemeindeversammlung. Als erstes stellte Kommandant Konrad Aeberhard das neue Tanklöschfahrzeug vor, das die Feuerwehr beschaffen will. Beim alten Fahrzeug aus dem Jahr 1998 seien Reparaturen von rund 20'000 Franken nötig und es entspreche auch nicht mehr den heutigen Anforderungen. „Es ist zum Beispiel möglich, trotz eingelegtem Gang den Motor vom Heck-Bedienstand aus zu starten, was gefährlich ist“, erklärte Aeberhard. Zudem sei der Zeitpunkt günstig. Die Solothurner Gebäudeversicherung (SGV) habe eine Sammelbestellung am Laufen, wodurch der Preis um rund 30'000 Franken günstiger werde. Da die SGV 135'000 Franken an das neue Tanklöschfahrzeug zahlen wird, wurde ein Kredit von 215'000 Franken nötig, welchen die Gemeindeversammlung bei einer Gegenstimme mit grossem Mehr genehmigte. 

Für die Sanierung der Bündtenstrasse stand ein Kredit von 430'000 Franken auf der Traktandenliste.

Die Wasserleitung in die Industriezone müsse dringend vergrössert werden, erklärte Gemeinderat Benedikt von Gunten. „Die Randabschlüsse und der Deckbelag sind in schlechtem Zustand. Die Kofferung ist noch in Ordnung“, erklärte von Gunten. Die Wasserleitung, die erstmals aus Kunststoffrohren erstellt werden sollte, wurde mit 200'000 Franken veranschlagt, der Strassenbau mit 230'000 Franken.

Brunnenmeister Paul Kissling stellte den Antrag, den Kredit um 50'000 Franken zu erhöhen und weiterhin Gussleitungen zu verwenden. „Das schulden wir den kommenden Generationen“, meinte Kissling. Kunststoffleitungen seien für die Gesundheit problematisch. Das Wasser nehme sofort die Temperatur des Bodens an. Auch die Suche nach eventuellen Lecks werde viel komplizierter. „Wir haben im Dorf Gussleitungen, die sind über 100 Jahre alt. Langfristig gesehen kommen sie billiger“, sagte der Brunnenmeister. Mit 24 Stimmen wurde der Antrag angenommen. Der Kredit wurde entsprechend um 50'000 Franken auf 480'000 Franken erhöht.

Eher ungewöhnlich ist, dass in Kestenholz der zukünftige Steuersatz schon vor den Erläuterungen des Budgets festgesetzt wird. Gemeindepräsident Arno Bürgi erklärte, dass man zunächst die Auswirkungen der kantonalen Steuerreform abwarten wolle, bevor man über eine Änderung des bewährten Steuersatzes diskutiert. Bei lediglich einer Gegenstimme wurde entschieden, den Steuerfuss für natürliche und juristische Personen wie bisher bei 117 Prozent zu belassen.

Ausgaben für Bildung sinken

Finanzverwalter Markus Wyss stellte die wichtigsten Änderungen im Budget vor. Vor allem wegen der leicht abnehmenden Schülerzahlen im Gymnasium und der Primarschule sinken die Ausgaben für die Bildung um rund 170'000 Franken. Mehrkosten von über 150'000 Franken entstehen durch die Entflechtung und den neuen Verteilungsschlüssel des Kantons in den Bereichen Gesundheit und soziale Sicherheit. Eine einmalige Gewinnausschüttung der Energie Kestenholz bringt 100'000 Franken in die Kasse. Neu gehört Kestenholz beim Finanzausgleich mit einem Beitrag von 30'000 Franken zu den Gebergemeinden, bisher erhielt das Dorf rund 200'000 Franken.

Die Nettoinvestitionen von 579'000 Franken liegen für ein Dorf mit 1830 Einwohnern im moderaten Rahmen. Bei einem Aufwand von rund 8.5 Millionen und einem Verlust von 225'000 Franken stimmte die Gemeindeversammlung mit grossem Mehr dem Budget 2020 zu.

Unter dem Traktandum „Diverses“ kündigte Gemeindepräsident Arno Bürgi an, dass geprüft werde, ob in Kestenholz das Glasfasernetz fürs Internet bis zu den Endverbrauchern ausgebaut werden soll. Den feierlichen Abschluss fand die Gemeindeversammlung in der Ehrung des Finanzverwalters Markus Wyss, der seit 25 Jahren im Amt ist.

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