Auch wenn erst kürzlich die Mümliswiler Poststelle aufgehoben wurde und Postgeschäfte nun in der Coop-Filiale abgewickelt werden müssen, ist dies noch kein Grund, den Ort im Guldental als Schlafgemeinde zu bezeichnen. Denn in den letzten Wochen und Monaten haben sich vorwiegend im unteren Dorfteil entlang der Hauptstrasse neue Geschäfte angesiedelt, die alles andere als gewöhnlich sind.

Das jüngste dieser neuen Geschäfte ist «Waldis Mehllädeli» an der Hauptstrasse 22, einer früheren, kleineren Metzgerei. Besitzer des Hauses sind das Ehepaar Judith und Ewald Renschler, die vor sechs Jahren aus dem Berner Seeland nach Mümliswil kamen. «Ich bin gebürtiger Zürcher Oberländer und gelernter Handbuchbinder», stellt sich der pensionierte Ewald Renschler vor. Seine Frau Judith ist ebenfalls seit kurzem pensioniert, und so haben beide Zeit, sich mit Hingabe der gesunden Ernährung zu widmen. «Ich bin Hobbykoch und kam daher darauf, dass das beim Grossverteiler verkaufte Mehl meinen Qualitätsansprüchen einfach nicht standhält», berichtet Renschler. So begann er sich auf die Suche nach hochwertigem Mehl aus der Region zu erkundigen und fand bei der Mühle Kofmel in Deitingen das, was er suchte. Die dort hergestellten Mehle bietet er nun in seinem Lädeli an.

«Bei uns gibt es Weizenmehle, Dinkelmehle oder Mehlmischungen wie Zopf- oder Pizzamehl.» Auch Müeslimischungen oder eine exklusive Blasen- und Nierenteemischung ist im Mehllädeli zu haben. «Bei der Eröffnung am letzten Wochenende sind etliche Personen gekommen, auch wenn es gerne ein paar mehr hätten sein können», meinen beide. «Es muss sich halt auch zuerst etwas herumsprechen, dass es im Dorf jetzt qualitativ hochwertiges Mehl zu kaufen gibt», meint Ewald Renschler.

Vom Morgenkaffee zum Feierabendbier

Einer, der schon seit mehr als einem halben Jahr mit seinem Angebot die Mümliswiler verwöhnt, ist Marek Kammermann, der mit seinem Geschäftspartner Sascha Büttler in den Räumen der ehemaligen Bäckerei Ingold, ebenfalls an der Hauptstrasse seinen Bierladen mit Café betreibt. Ein ungewöhnlich gemischtes Angebot, welches gemäss Kammermann aber aufgeht. «Am Morgen gibt es bei uns feinen Kaffee, Gipfeli und Sandwiches. Immer mehr Handwerker kommen ab 7 Uhr zu uns und sind schon Stammgäste», sagt er. Ab 15.30 Uhr am Nachmittag trifft man sich dann zum Feierabendbier bis 18.30 Uhr, am Donnerstag bis 20 Uhr. «Bei uns laufen auch die Geschenkartikel mit Bier, zum Beispiel unsere ‹Männerhandtasche› sehr gut», sagt der Ladenbesitzer, der gleichzeitig im Keller das Guldentaler Bier braut. Noch sei man daran, das Sortiment den Kunden anzupassen. Gut komme auch der Guldentalerbier-Memberclub an, der inzwischen 25 Mitglieder zählt. «Bald werden wir in Mümliswil ein Oktoberfest durchführen», zählt Kammermann auf. Er resümiert: «Es ist eine stete Herausforderung, doch wir sind zufrieden.»

Ein Treffpunkt für Kreative und Kommunikative

Ein Ladenkonzept, bei dem es nicht primär um Verkauf geht, hat sich der Mümliswiler Heinz Jeker ausgedacht, der nach vielen Jahren im Ausland wieder ins Dorf zurückgekehrt ist.Sein Laden «Kreative Fantasie» sieht zwar auf den ersten Blick wie ein Antiquitätenladen aus, doch die wenigsten Artikel sind mit Preisschildern versehen. «Ich will die Leute zum kreativen und handwerklichen Arbeiten animieren und ihnen helfen, neue Techniken zu entdecken damit sei ein gutes Gefühl bekommen», bringt er seine Ladenphilosophie auf den Punkt. «Man soll bei mir reinschauen, staunen, die Dinge betrachten, darüber reden und schwelgen. Dazu gibts einen Kaffee, und wer gerne etwas erwerben will, kann das. Muss aber nicht», sagt Jeker.

«Wer will, kann mir seine alten, vielleicht lieb gewonnenen Dinge bringen, die ich alleine oder zusammen mit dem Besitzer flicke oder wieder instand stelle.» Auch Jeker ist pensioniert, ein handwerklicher Allrounder, und er freut sich, seine Zeit so sinnvoll verbringen zu können. «Gerade frische ich zusammen mit Käthi Kessler, die ausgebildete Schneiderin ist und mir hin und wieder hilft, Barhocker mit neuem Kunstlederbesatz wieder auf.» Ganz erfreulich sei auch ein Kurs im Rahmen des Ferienpasses gewesen, als Kinder bei ihm alte Fensterläden im Shabby-Chic-Stil auffrischten. «Für mich gehören Kreativität, Fantasie, Menschsein, Farben, Mut und Vertrauen alles zusammen.»