«Pro Verkehrsanbindung Thal»

Kein Stau ist auch besser für OeBB und Bus

Sie sind sich einig. (V.l.) Pierino Menna, Thomas Fluri, Markus Schindelholz und Stefan Müller-Altermatt.

Sie sind sich einig. (V.l.) Pierino Menna, Thomas Fluri, Markus Schindelholz und Stefan Müller-Altermatt.

Die Verantwortlichen der Oensingen-Balsthal-Bahn treten dem Unterstützungskomitee «Pro Verkehrsanbindung Thal» bei.

Das Komitee «Pro Verkehrsanbindung Thal» erhält wichtigen Zuwachs: Die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) tritt per sofort dem Komitee bei. «Ohne die Verkehrsanbindung Thal kann sich der öffentliche Verkehr im Thal nicht weiterentwickeln», sagt OeBB-Verwaltungsratspräsident Thomas Fluri. Deshalb will das private Bahnunternehmen sich im Komitee an vorderster Front engagieren.

Den Volksauftrag der Gruppe «Läbigi Klus», der in diesen Tagen im Kantonsrat behandelt wird, lehnt das Komitee mit Nachdruck ab. Nach Jahren des Planens liege nun ein vernünftiger Vorschlag vor, wie der Engpass auf der Strasse durch die Klus beseitigt werden kann. «Die Verkehrsanbindung Thal bietet genügend Kapazität für die Motorfahrzeuge, sichere Wege für Fussgänger und Radfahrer. Sie berücksichtigt den Landschaftsschutz, bezieht den öV mit ein – und das alles zu einem tragbaren Preis», schreiben die Verantwortlichen in einer Medienmitteilung.

Nach Solothurn und Olten ist das Thal dran

Alle Gemeindepräsidenten des Thals, jener von Oensingen sowie weitere Personen aus Politik und Wirtschaft finden sich im Komitee «Pro Verkehrsanbindung Thal, VA Thal» Für sie ist klar: «Das Projekt ist ausgereift. Nach Solothurn 2008 und Olten 2013, wo Umfahrungen für insgesamt rund 400 Millionen Franken gebaut wurden, ist jetzt unsere Region dran.»

Für die OeBB-Führung liege ein Mitmachen im Komitee auf der Hand, denn ohne eine sinnvolle Verkehrsentlastung durch die Klus könne sich der öffentliche Verkehr im Thal nicht entwickeln. Im Verwaltungsrat habe man das Projekt eingehend geprüft und diskutiert, heisst es. Und weiter argumentieren die Bahn-Verantwortlichen: «Eine bessere Alternative zum aktuellen Projekt zu finden, ist unmöglich.» Aus diesem Grund wolle sich die Bahn auch aktiv einbringen und sich engagieren.

«Der Beitritt der OeBB in unser Komitee zeigt, wie richtig und wichtig unser Kampf für die Verkehrsanbindung Thal ist», kommentiert Stefan Müller-Altermatt, Herbetswiler Nationalrat, Gemeindepräsident und Co-Präsident des Komitees.

«Der Volksauftrag ist abzuschmettern»

Eine dezidierte Meinung hat das Komitee «Pro VA Thal» auch zum Volksauftrag, den die Gruppe «Läbigi Klus» eingereicht hat. Diese fordert, dass in einer mehrwöchigen Testphase die Bahnschranke bei der Thalbrücke in Balsthal zu den verkehrsreichsten Zeiten am Abend geöffnet bleiben muss. Anstelle des Bahnverkehrs sollte während dieser Zeit die Verbindung nur mit einem Busbetrieb gewährleistet bleiben. So soll herausgefunden werden, ob die Staubildung in der Klus direkt mit der geschlossenen Bahnschranke zu tun hat.

Der Regierungsrat wie auch die Umwelt-, Bau- und Wirtschaftskommission des Kantonsrats (Umbawiko) kamen bei der Behandlung des Volksauftrags zum Schluss, dass die vorgeschlagene Testphase weder zweck- noch verhältnismässig sei und keine neuen Erkenntnisse bringe (wir berichteten).

«Läbigi Klus» behaupte, die als Argument herangezogene Computersimulation sei mit falschen Zahlen gefüttert und bei der Durchfahrt durch die Klus habe in den letzten sieben Jahren keine Verkehrszunahme stattgefunden. Aus der Sicht des Komitees ist dies schlicht falsch. «Der Verkehr durch die Klus hat in den letzten fünf Jahren nachweislich zugenommen. Es ist dabei jedoch zu berücksichtigen, dass die Abendspitze aktuell nicht zunimmt – oder präziser: Nicht zunehmen kann, weil die A1 und auch die Hauptstrassen um Oensingen herum am Abend extrem stark belastet sind.»

Nach dem Ausbau der A1 zwischen Härkingen und Luterbach sei aber damit zu rechnen, dass die Abendspitze durch die Klus zunehme und sich die Situation verschärfe, heisst es im Communiqué. Laut Erhebungen der OeBB, haben zwei Drittel aller Benützer des öffentlichen Verkehrs den Bahnhof Balsthal respektive die Weiterfahrt in Richtung Mümliswil oder Holderbank als Ziel. Die schlechte Verlässlichkeit des öV-Angebots während einer solchen Testphase würde dazu führen, dass viele Passagiere verärgert auf das Auto umsteigen würden. Die Versuchsphase wäre also sogar kontraproduktiv.

Fehlender Platz für Ausbau Thalbrücke

«Die OeBB möchte in Zukunft zusammen mit PostAuto das Angebot im öV in der Region Thal ausbauen, insbesondere zu den Pendlerzeiten», sagt Markus Schindelholz, OeBB-Geschäftsführer. Dies sei jedoch nicht möglich, wenn zusätzliche Postauto-Kurse im Stau stehen. Auch ein Viertel-Stundentakt der OeBB wäre zwar im Sinne der öV-Benutzer, kann jedoch aufgrund des Gesamtverkehrs ohne eine entsprechende neue strassenseitige Verkehrsanbindung des Thals nur schwer realisiert werden. Und: «Die OeBB hat sich auch bezüglich einer Endstation der Bahnlinie in der Thalbrücke Gedanken gemacht und dies mit PostAuto diskutiert.»

Fazit: «Es fehlt dort der Platz. Es ist nicht möglich, vier behindertengerechte Buskanten, über hundert Fahrräder und für bis zu 30 Autos Parkplätze zu bauen. Zudem würden alle Ein- und Umsteiger die Hauptstrasse queren wollen, was automatisch wiederum zu Warteschlangen führt.»

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