Dünnern-Revitalisierung

Kanton relativiert Schutzprojekt: «Es ist noch nichts in Stein gemeisselt»

Zwischen Oensingen und Oberbuchsiten soll die entlang der A1 fliessende Dünnern revitalisiert und der Hochwasserschutz verbessert werden.

Das geplante Projekt zur Dünnern-Revitalisierung zwischen Oensingen und Oberbuchsiten ruft zahlreiche Gegner auf den Plan. Nun stellt der Kanton klar, dass es sich einzig um eine Vorstudie handelt. Weiter findet er, es gebe ein Kommunikationsproblem und ortet im Gäu eine fehlende Sensibiltät für das Thema Hochwasser.

Der Widerstand ist gross, und er dürfte die Pläne des Kantons über den Haufen werfen. Wobei: Konkrete Pläne gibt es eben noch gar keine. Vergangenen März berichtete diese Zeitung über das vorgesehene Hochwasserschutzprojekt und die damit einhergehende Revitalisierung der Dünnern zwischen Oensingen und Oberbuchsiten. Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten: Landwirtschaftsverbände und betroffene Gemeinden sprachen sich klar gegen die in der Vorstudie aufgezeigte Variante «Retention» aus, die aus Kosten-Nutzen-Gründen als Favorit gilt.

«Nicht hinnehmbar», nannte sie etwa der Oberbuchsiter Gemeindepräsident Daniel Lederer. «So nicht mit uns», tönte es vom Landwirtschaftlichen Verein Gäu-Untergäu. Denn mit der Retentionslösung würde für den Fall eines Jahrhunderthochwassers Siedlungsraum in der Gäuebene mit Dammbauten vor den Wassermassen geschützt. Durch den Bau der Dämme ginge viel Land verloren (wir berichteten).

Auf die scharfen Reaktionen angesprochen, sagt Projektleiter Roger Dürrenmatt vom federführenden Amt für Umwelt: «Wir rechneten mit Gegenwind, aber von der Heftigkeit waren wir überrascht.» Man habe in den Gemeinden und an verschiedenen Veranstaltungen über das Projekt informiert und bei jeder Gelegenheit darauf hingewiesen, dass es sich lediglich um eine Vorstudie und nicht um ein Vorprojekt handle. Bernard Staub, Chef des kantonalen Amts für Raumplanung, bestätigt: «Es ist überhaupt noch nichts in Stein gemeisselt.» Die Vorstudie zeige einzig die verschiedenen in Betracht kommenden Varianten auf. In einer Vorstudie werde der Fächer weit aufgespannt, da würden alle Möglichkeiten angedacht.

«Grosses Missverständnis»

Staub hat indes den Eindruck, dass ein Kommunikationsproblem vorliegt. «Es musste alles ein bisschen schnell gehen», meint er. Denn im Zusammenhang mit dem geplanten Sechsspurausbau der Autobahn A1 zwischen Luterbach und Härkingen wollte man rasch eine grobe Antwort finden, wie sich der Hochwasserschutz und die Revitalisierung der Dünnern gestalten sollen. «Der Kanton gab Gas, aber die Leute kamen nicht mit», glaubt Staub. «Wir hatten ja im Gäu bisher – zum Glück – keine Hochwasserthematik», erklärt er das Problem. Dieses würde dadurch zu wenig wahrgenommen.

Auch dass der Hochwasserschutz gemäss Bundesgesetz eine gleichzeitige Revitalisierung des Flusslaufs nach sich ziehe, sei nicht angekommen. «In meinen Augen handelt es sich um ein grosses Missverständnis», sagt Staub. Bis zur im April erfolgten Vernehmlassung sei es lediglich darum gegangen, von den betroffenen Parteien Meinungen zur Vorstudie und den verschiedenen Varianten einholen. «Aber die Leute hatten das Gefühl, das sei jetzt schon ein Vorprojekt», so Staubs Eindruck.

Externe Zweitmeinung wird eingeholt

Laut Dürrenmatt sind noch nicht alle Vernehmlassungsbeiträge der Beteiligten eingegangen. Man hoffe, dass dies bis Ende Mai der Fall sei. «Wir warten nun die Stellungnahmen ab und werten diese dann aus», meint er. Ziel sei, dass dies noch vor den Sommerferien geschehe. Parallel dazu würde eine Zweitmeinung eingeholt, also die wichtigsten Aspekte der Vorstudie von einem weiteren Ingenieurbüro noch einmal geprüft. Auch die landwirtschaftliche Planung sei im Gange und liefere Schlussergebnisse bis im März 2018.

Mitte 2018, wenn sämtliche für das Projekt nötigen Resultate vorhanden seien, werde Bilanz gezogen, so Dürrenmatt. Dann werde das weitere Vorgehen evaluiert. «Vor 2019 geht nichts», meint er bezüglich eines an die Vorstudie anschliessenden Vorprojektes. Der eigentliche Baubeginn gehe nicht vor 2022 vonstatten. Wie Staub festhält: «Bei uns auf Kantonsebene ist angekommen, dass ein Problem besteht.» Man werde dieses besprechen und die Betroffenen sensibilisieren und angemessen informieren. Damit eine Lösung gefunden werden könne, die von der Bevölkerung getragen werde.

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