Aare
Kann man bald über die Aare laufen? – der niedrige Wasserstand und seine Folgen

Der gegenwärtig niedrige Wasserstand des zweitlängsten Flusses der Schweiz und seine Folgen. Einige ufernahe Stellen sind ausgetrocknet und auch die Strömung ist derzeit sehr langsam.

Tobias Walt
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Wasserstand in der Aare
3 Bilder
Teile der Aare, welche sonst unter Wasser stehen, sind nun trocken.
Fussabdrücke, wo sonst das Wasser fliesst.

Wasserstand in der Aare

Bruno Kissling

Spaziergängern entlang der Aare bietet sich während dieser Tage ein eher tristes Bild. Zwar scheint die Sonne meist uneingeschränkt vom Himmel und die Blätter an den Bäumen bieten eine herbstliche Farbenpracht. Doch der zweitlängste Fluss der Schweiz gleicht aktuell eher einem Bach. Wegen der anhaltenden Trockenheit sind einige ufernahe Stellen ausgetrocknet und auch die Strömung ist derzeit sehr langsam. Aus diesem Grund ist Roger Grepper, Cheftrainer des Ruderclubs Aarburg, gar nicht unglücklich über das Niedrigwasser. Je weniger Strömung es gibt, desto unbeschwerlicher wird das Rudern.

Der Wasserstand im Vergleich Der Aarepegel der letzten 30 Tage (rote Linie) im Vergleich mit den Monatsmitteln (September/Oktober) der Jahre 2014 bis 2017. 

Der Wasserstand im Vergleich Der Aarepegel der letzten 30 Tage (rote Linie) im Vergleich mit den Monatsmitteln (September/Oktober) der Jahre 2014 bis 2017. 

Philipp Muntwiler/MIA

Es gebe zwar Stellen, bei denen man ausweichen müsse, um nicht auf Grund zu laufen. Doch dies sei kein Problem: «Wir kennen hier jeden Stein in der Aare.» Tatsächlich liegt der Pegel der Aare in Murgenthal aktuell nur auf 398.37 Metern über Meer (Stand: 17. Oktober) und damit 22 Zentimeter tiefer als der Durchschnitt der Oktobermittelwerte der Jahre 2014 bis 2017. Trotzdem gab es in den vergangenen Jahren mehrmals noch tiefere Wasserstände. So befand sich die Oberfläche der Aare am 27. November 2011 lediglich auf 398.18 Metern, also noch einmal 19 Zentimeter tiefer als aktuell. Da es in der zweiten Hälfte der nächsten Woche Niederschläge geben dürfte, ist davon auszugehen, dass der Pegel bis dahin zwar noch weiter sinken, diesen tiefen Wert aber vorerst nicht erreichen wird.

Beschränkte Stromproduktion

Dass der Abfluss der Aare mit 115 m3/s momentan ziemlich schwach ist, merkt auch der Energiekonzern Alpiq, welcher das Kraftwerk Ruppoldingen betreibt. «Derzeit produziert das Werk nur knapp 30 Prozent der maximal möglichen Leistung», sagt Guido Lichtensteiger, Mediensprecher bei Alpiq. Die aktuelle Niedrigwasserperiode nutze man jedoch für eine Turbinenrevision. Die noch verfügbare Turbine könne nun der gesamte aktuelle Aareabfluss verlustlos nutzen. Spezielle Massnahmen müssten daher nicht ergriffen werden.

Kraftwerke Wynau und Schwarzhäusern

Anders als in Ruppoldingen, wird die Zeit des Niedrigwassers nicht genutzt, um Turbinen zu revidieren: «Die Revision findet bei uns immer im Winter statt. Wenn die Wasserstände allgemein tief sind und wenn nicht alle Maschinen laufen.», so Andy Schmidt, Mediensprecher des Kraftwerkbetreibers BKW Bern.

Doch eines sei sicher: Der tiefe Wasserpegel sei in den Anlagen gut spürbar: «Wir produzieren seit Juli weniger Strom als gewöhnlich.» Dabei führt er einen Vergleich an: «Während im Monat September der allgemeine Mittelwert der produzierten Nettoeinspeisung bei 6585 MWh liegt, kamen wir im September 2018 lediglich auf 5179 MWh Nettoeinspeisung.» Trotzdem gehe man davon aus, dass das Produktionsjahr durchschnittlich werde: «Wir hatten einen sehr regenreichen Frühling und nun einen trockenen Herbst», begründet Schmidt. Zusammen erzeugen die Kraftwerke Schwarzhäusern und Wynau eine Jahresproduktion von rund 90 000 Megawattstunden. Diese Menge reicht aus, um 25 000 Haushalte mit genügend Strom zu versorgen.

Zunächst gehörten die Kraftwerke der Onyx Energie Mittelland AG, wie sich die Elektrizitätswerke Wynau seit dem Jahr 1999 nennen. Im Jahr 2006 verkauften es die Gemeinden schliesslich an die BKW Energie AG. Die Kraftwerke werden seit diesem Zeitpunkt als eigenständiges Tochterunternehmen geführt. (my)

Das Niedrigwasser habe trotz geringerer Stromproduktion auch einen Vorteil: «Weniger Wasser bedeutet auch weniger Schwemmholz und dadurch weniger Entsorgungskosten», erklärt Lichtensteiger. Hochwassersituationen wirkten sich für das Unternehmen deutlich verheerender aus. Verheerend ist die aktuelle Lage allerdings für die in der Aare lebenden Fische. Durch den niedrigen Wasserstand haben Vögel wie der Fischreiher leichtes Spiel bei der Suche nach Nahrung.