Dreimal schon hat der Kanton Solothurn einen Anlauf genommen für eine Umfahrung des Städtchens Klus – jeder scheiterte. Jetzt folgt ein vierter und dazu, so macht es den Eindruck, werden so viele Register gezogen wie noch nie. Sämtliche Haushalte im Bezirk Thal wurden mit einer Broschüre zum Projekt «Verkehrsentlastung Klus» bedient, auf einer Website sind weitere Informationen zu finden, und heute Donnerstagabend, 19 Uhr, findet in Balsthal unter Federführung des kantonalen Baudepartements ein Informationsanlass statt.

Gleichzeitig startet das Mitwirkungsverfahren für das 65 Mio. Franken schwere Projekt; in erster Linie Personen aus den Thaler Gemeinden und Oensingen sowie Verbände sind eingeladen, Meinungen und Vorschläge einzubringen. Bis zum Ende dieses Verfahrens am 26. Juni sind die Projektpläne im Gemeinderatssaal in Balsthal einzusehen, an neun Daten (siehe Website) werden dort Fachleute Red und Antwort stehen.

Es war im Frühling 1989

Oft drängen sich mehr als 1100 Fahrzeuge pro Stunde in den Abendstunden durch die Klus in Richtung Thal; der Kanton rechnet, bis ins Jahr 2032 werde die Anzahl um bis zu 20 Prozent ansteigen. Da müsse etwas geschehen, heisst es allgemein schon seit langem. Ein erster Vorstoss kam im Frühling 1989 vom damaligen Kantonsrat Heinz Bussmann.

Er schrieb in einer Interpellation: «Der Regierungsrat wird eingeladen, die unliebsame Situation förderlichst zu entschärfen und dafür ein konkretes Projekt für eine Umfahrung vom Städtchen Klus auszuarbeiten, damit die Realisierung spätestens in das kantonale Strassenbauprogramm 1994 bis 1998 aufgenommen, oder mittels einer separaten Vorlage während dieser Zeitspanne ausgeführt werden kann.»

Warum scheiterten die Anläufe?

1995 lag ein erstes Projekt auf dem Tisch, 2002 ein zweites und 2009 ein drittes, doch jedes wurde abgelehnt. Warum eigentlich? Ganz eindeutig lässt sich die Frage nicht beantworten. Eine Rolle spielte die Verhältnismässigkeit, gepaart mit der Finanzierung. Die Kapazität einer Strasse auf zwei, drei Stunden Pendlerverkehr auszurichten, sei unwirtschaftlich, lautete ein Kritikpunkt. Ferner gab es viele Einsprachen, nicht nur von Anwohnern, die von der geplanten Linienführung betroffen gewesen wären, sondern auch von Verbänden. Dazu zählt sich der 2005 gegründete Verein «Läbigi Klus», sie lehnt die Umfahrung ab und nimmt für sich in Anspruch, massgeblich zur Verhinderung des Projekts von 2009 beigetragen zu haben.

«Heikle Punkte fehlen»

Man wird auch beim aktuellen Projekt mit dem Verein «Läbigi Klus» zu rechnen haben, das bestätigt dessen Präsident Fabian Müller, Gemeinde- und Kantonsrat. «Selbstverständlich werden wir uns am Mitwirkungsverfahren beteiligen.» Immerhin räumt Müller ein, man habe am Projekt wirklich gearbeitet und bemühe sich um offene Kommunikation. «Aber leider nicht in jeder Hinsicht. Denn auf dem Informationsblatt, das in alle Haushaltungen verteilt worden ist, werden heikle Punkte verschwiegen.» Zum Beispiel, dass ein Einfamilien- und ein Mehrfamilienhaus abgerissen werden müsse. Ferner vermisst Müller etwas konkretere Vorschläge dazu, wie es mit dem Städtchen Klus, falls es dann vom Verkehr befreit würde, weitergehen soll.

«Viel breiter abgestützt»

Auch wenn das Projekt heikle Punkte aufweise, «es ist das bisher beste», sagt Balsthals Gemeindepräsident Roland Stampfli. Er glaubt, dass vor allem die Lösung mit dem neuen Kreisel eine wesentliche Verbesserung und damit eine bessere Akzeptanz gebracht hat. Das Vorhaben werde nun im ganzen Thal mitgetragen und laste finanziell nicht alleine auf der Gemeinde Balsthal; sie hätte 15 von den total 65 Mio. Franken aufzubringen, die das Vorhaben kosten würde. Mit Ausnahme von Gänsbrunnen haben alle Gemeinden des Bezirks einen Solidaritätsbeitrag zugesichert.

Informationsanlass Heute Donnerstag, 19 Uhr, Haulismattsaal, Balsthal.