Neuendorf
Kampfwahl um das Gemeindepräsidium wird zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen

Die Neuendörfer wünschen sich im Hinblick auf Gemeindepräsidentenwahl vom 12. September vor allen Eines: Veränderung. Ob dafür die CVP-Kandidation Sandra Kolly sorgen kann oder ob eher FDP-Kandidat dazu befähigt ist, darüber scheiden sich die Geister.

Erwin von Arb
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Rolf Kissling von der FDP tritt die Nachfolge von CVP-Gemeindepräsident Paul Stöckli an.

Rolf Kissling von der FDP tritt die Nachfolge von CVP-Gemeindepräsident Paul Stöckli an.

Erwin von Arb

«Ich weiss nur, dass Paul Stöckli von der CVP als Gemeindepräsident aufhört, wer an seiner Stelle kandiert, ist mir aber nicht bekannt», meinte gestern Freitag ein etwa 55-jähriger Mann beim Volg-Laden auf die Kampfwahl vom 12. September angesprochen. Solche Auskünfte waren bei der nicht repräsentativen Umfrage im Dorf die Ausnahme. Die bevorstehende Wahl der neuen Gemeindepräsidentin oder des neuen Gemeindepräsidenten wirft aber keine grossen Wellen, wie zu erfahren war. «Es wird darüber diskutiert, ist aber nicht das allgegenwärtige Thema», sagte eine junge Frau.

Dass der Angriff der FDP auf das seit jeher von der CVP beanspruchte Gemeindepräsidentenamt so wenig Echo auslöst, verwundert ob der für Neuendorf aussergewöhnlichen Ausgangslage. In der Geschichte des Dorfs ist es nämlich noch nie vorgekommen, dass je ein Vertreter von CVP und FDP für das Gemeindepräsidentenamt kandidieren. Die Kampfwahl mit Sandra Kolly von der CVP und Rolf Kissling von der FDP ist also eine Premiere. Auslöser waren die Gemeinderatswahlen vom 9. Juni, bei welchen Kissling auf Anhieb mit 512 Stimmen das drittbeste Resultat erzielt hatte. Für Kolly wurden 570 Stimmen gezählt. Damit einhergehend verlor die CVP ihre Mehrheit im Rat und verfügt nun wie die FDP über drei Sitze. Den siebten hält übrigens Beat Haller (UNE).

Eine Prognose, wer am 12. September die Nase vor haben wird, wagten nur wenige der Befragten. Einigkeit herrschte hingegen beim Wunsch, dass sich in Neuendorf insgesamt etwas verändern müsse. In diesem Zusammenhang wurde auch immer wieder die Gemeindeverwaltung erwähnt, wo gar vieles im Argen liege.

«Eigentlich sind die beiden Kandidaten völlig gleichwertig», lautete eine viel gehörte Einschätzung. Für Sandra Kolly sei es aber ein Nachteil, eine Frau zu sein. Ihr traue man deswegen nicht zu, den dringend notwendigen Wechsel herbeizuführen, wurde erwähnt. «Wäre Sandra Kolly ein Mann, würde sie bestimmt gewählt», meinte eine Frau zur 43-jährigen CVP-Kandidatin.

Es gab aber auch Stimmen, die darin kein Problem sahen. «Für mich ist viel wichtiger, dass sich endlich etwas ändert und das ginge aus meiner Sicht auch mit Sandra Kolly und der CVP», erklärte eine 57-jährige Frau. Es brauche einfach jemanden, der für frischen Wind sorge, führte die seit 14 Jahren in Neuendorf lebende Frau dazu aus.

Frischen Wind in der Gemeindepolitik wünschte sich eine 42-jährige Hausfrau und Mutter, die seit rund sieben Jahren im Dorf lebt. Diese Veränderung herbeizuführen, traue sie indessen nur einem Mann zu. «Deshalb werde ich für Rolf Kissling stimmen», so die parteilose Frau. Auch eine andere Frau fand, dass es einen Mann brauche, um in der ausschliesslich mit Frauen besetzten Gemeindeverwaltung etwas bewegen zu können. Vereinzelt wurde auch die Meinung geäussert, dass es generell an der Zeit sei, dass die CVP das Präsidium an die FDP abgebe. Nur so könne ein wirklicher Neuanfang gemacht werden. Darunter waren auch einige Votanten, welche sich früher klar zur CVP bekannten.

Kritische Stimmen gab es auch zur Person von Rolf Kissling. Noch längst nicht alle glauben, dass der ehemalige Präsident des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes den nötigen Biss hat, um sich wirklich durchsetzen zu können. Dazu gehören auch CVP-Parteipräsident Stefan Kobler sowie andere der CVP zuzuordnende Personen. Ihm fehle ebenso die Erfahrung auf kommunaler Ebene, wurde argumentiert. Ins Feld geführt wurde ferner, dass sich der 53-jährige FDP-Politiker bislang auch nicht für die Dorfpolitik interessiert habe. Für die meisten der Befragten spielte die Parteizugehörigkeit der Kandidaten aber nur eine untergeordnete Rolle. «Die gewählte Person muss fähig sein, die Gemeinde zu führen», wurde mehrfach betont.

Kobler glaubt, dass die zwei Kandidaten im Hinblick auf den Wahlgang vom 12. September in etwa gleich stark einzuschätzen sind. Zudem sei eine Gemeindepräsidentenwahl immer auch eine Personenwahl. «Es wird sicher sehr knapp, aber Sandra Kolly wird schliesslich das Rennen machen, weil sie insgesamt die ausgewiesenere Kandidatin ist.» Der CVP-Präsident hofft, dass Kolly am kommenden Donnerstag beim Podiumsgespräch mit den beiden Kandidaten noch unentschlossene Wählerinnen und Wähler für sich gewinnen kann. Moderiert wird dieser Anlass vom stellvertretenden OT-Chefredaktor Ueli Wild. Nach der Gesprächsrunde wird auch das Publikum ausreichend Zeit haben, den Kadidaten auf den Zahn zu fühlen.

Auch Hanspeter Egli, Co-Präsident der FDP, glaubt an ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. «Ich denke, es könnte einen zweiten Wahlgang geben», so Egli. Wie viele Leute die Podiumsdiskussion mitverfolgen werden, ist für Egli nur schwer abschätzbar. Er habe diesbezüglich noch keine Anhaltspunkte, ob die Aula in der Kreisschule Gäu voll sein werde. Gemessen an der Bedeutung des Anlasses müsste das eigentlich so sein, findet Egli.

Podiumsgespräch: Do., 5. Sep., 19.30 Uhr, Aula Kreisschulhaus (altes Bezirksschulhaus). Einleitend mit Vortrag «Zukünftige Herausforderung an eine Gemeinde».

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