Kaffeemaschinen
Jura auf Erfolgskurs: 2016 ist das bisher erfolgreichste Geschäftsjahr

Letztes Jahr war das erfolgreichste Geschäftsjahr der Firma mit Sitz in Niederbuchsiten. Jura verkaufte 321'000 Kaffeemaschinen. Der Umsatz konnte sogar um 11.7% auf 421 Mio. Schweizer Franken gesteigert werden.

Franz Schaible
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«Wenn Roger Federer sagt, Jura ist der beste Kaffeevollautomat, dann ist das Tausend Mal mehr Wert als andere PR-Massnahmen.» Er gelte weltweit als vertrauenswürdigste Person. So umriss Emanuel Probst, General Manager, der Jura Elektroapparate AG in Niederbuchsiten, den Stellenwert des Tennisspielers als Markenbotschafter für Jura. Der 2015 verlängerte Vertrag laufe noch bis 2020. «Aber am liebsten würden wir ihn lebenslänglich an uns binden», sagt Probst lachend.

Roger Federer an der Jubiläumsfeier

Roger Federer an der Jubiläumsfeier

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Die Sportikone leistet unbestritten seinen Beitrag an den Erfolg des Solothurner Unternehmens. Aber Wachstumstreiber sei nebst weltweit prosperierenden Märkten insbesondere die Innovation, so Probst. Die Lancierung zweier neuer Produktelinien im Haushaltbereich sowie der verstärkte Fokus auf Vollautomaten für den Profibereich hätten die Marke gestärkt. Mit Erfolg, wie die im vergangenen Geschäftsjahr erreichten Rekordzahlen belegen. Jura hat 321'000 Kaffeevollautomaten verkauft und damit erstmals die Grenze von 300'000 Einheiten überschritten. Das sind 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Produktion in der Ostschweiz – und in Portugal

Die Jura Elektroapparate AG in Niederbuchsiten startete 1931 als Haushaltgeräteherstellerin. Landesweit bekannt wurde das Unternehmen unter anderem durch ihre Bügeleisen. Seit Mitte der 80er Jahre hat sich Jura auf die Entwicklung und Produktion von Kaffeevollautomaten konzentriert. Wobei die Produktion aber von Beginn weg an den Produktionspartner Eugster/Frismag AG in der Ostschweiz ausgelagert wurde. In Niederbuchsiten sind unter anderem die Administration, die Entwicklung, das Engineering, der Vertrieb, das Marketing und ein grosses Servicecenter angesiedelt. Eugster/Frismag fertigt als sogenannter Original-Equipment-Manufacturer (OEM) für viele namhafte Firmen und tritt nicht mit eigener Marke am Markt auf. Die Premium- und höherpreisigen Modelle werden in der Ostschweiz gefertigt, erklärte an der Medienkonferenz Jura-Chef Emanuel Probst. Die Ostschweizer verfügen auch über eine Produktionsstätte in Portugal. Und dort werden die günstigeren und mittelpreisigen Kaffeevollautomaten der Marke Jura gefertigt. Mengenmässig würden rund 60 Prozent der Jura-Maschinen in Portugal produziert, 40 Prozent in der Ostschweiz. Die in Portugal montierten Maschinen könnten – auch wegen den verschärften Swissness-Regeln – nicht unter dem Label Swiss Made verkauft werden, so Probst. Auf diesen Automaten fehlt denn auch das kleine Schweizerkreuz. Probst hält fest, dass die Qualität in Portugal identisch sei mit jener in der Schweiz. Und die ganze Entwicklung, das Engineering, der Werkzeugbau oder Baugruppen wie etwa das Mahlwerk stammten aus der Schweiz. (FS)

Der Umsatz verbesserte sich gar um 11,7 Prozent auf 421 Millionen Franken. Gewinnzahlen gibt die sich im Besitz weniger Aktionäre befindliche Firma nicht bekannt. Seit 1998 habe man immer profitabel gearbeitet und «2016 haben wir einen Rekordgewinn erzielt», so Probst. Auch finanziell stehe das Unternehmen auf sehr soliden Füssen. Probst: «Wir finanzieren alle unsere Investitionen aus eigener Kraft und die Jura hat keine Bankschulden.»

Das Wachstum sei geografisch breit abgestützt. Die Mehrverkäufe seien also weltweit und nicht nur auf einigen Einzelmärkten erzielt worden. Die Jura-Maschinen sind in rund 50 Ländern erhältlich. Dabei haben die beiden wichtigsten Märkte, Deutschland und USA, um je 12 Prozent zugelegt. Inzwischen habe Asien (ohne China und Japan) mit einem Plus von 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr denselben Stellenwert wie etwa Frankreich oder die Niederlande erreicht. Der Trend hin zum Kaffee-Genuss nehme in Asien zu. Dagegen habe der Heimmarkt Schweiz bei rund 8 Prozent stagniert. Dieser Markt sei ziemlich gesättigt.

Wachstum trotz Kapselmaschinen

Erstaunlich ist, welche Marktstellung sich Jura seit der Lancierung des ersten Kaffeevollautomaten Mitte der 80er Jahre weltweit erkämpft hat. Nach Angaben von Probst liegt der Anteil volumenmässig bei 15 Prozent und wertmässig bei rund 25 Prozent. Jura zählt mit den beiden italienischen Mitbewerbern De’Longhi und Saeco zu den grössten Produzenten von Kaffeevollautomaten. Auch gegen den Siegeszug der Kapsel-Kaffeemaschinen kann sich Jura behaupten. Damit sei nämlich der Markt für qualitativ besseren Kaffee gewachsen. «Heute will niemand mehr Filterkaffee trinken.» Davon profitiere auch Jura als Hersteller der hochqualitativen Kaffeevollautomaten.

Jura ist auch ein sehr wichtiger Arbeitgeber in der Region. Weltweit beschäftigt Jura – umgerechnet auf Vollzeitstellen – 712 Angestellte (+ 2,9 %), davon 256 (+ 0,8 %) am Hauptsitz in Niederbuchsiten. Dass der Personalbestand weniger stark als Absatz und Umsatz gestiegen ist, habe auch damit zu tun, dass die Fertigung der Maschinen an einen Produktionspartner ausgelagert sei (siehe Kasten).

Mitentscheidend für den weiteren Erfolg ist laut Probst, der das Unternehmen seit 26 Jahren leitet und Mitaktionär ist, die Erneuerung. «Die Innovationskadenz im Produktbereich muss hochgehalten werden.» Dazu müsse stetig in Forschung, Entwicklung, Engineering und Design investiert werden. 2016 waren es fast 9 Millionen Franken. In Zeiten des starken Frankens könne man nicht einfach die Preise erhöhen. «Mit Innovationen können wir das Schicksal in die eigenen Hände nehmen.»

Guter Start ins 2017

Es scheint, dass das traditionsreiche Unternehmen damit auf dem richtigen Weg ist. «Wir haben in den beiden ersten Monaten 2017 einen Rekordstart erzielt und eine gute Basis für das gesamte Geschäftsjahr gelegt», erklärte Probst. Man rechne mit einem Absatzwachstum zwischen sechs bis acht Prozent.

Budgetiert sei ein Verkauf von über 330'000 Maschinen, die vom Mahlen der Bohnen bis zum Brauen des Kaffees und Aufschäumen der Milch auf Knopfdruck alles selbst erledigen. Die Jura-Maschinen sind weltweit an 7000 Verkaufspunkten erhältlich. Ende März eröffnet Jura einen Store in Moskau – direkt am Roten Platz.

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