«Wenn Roger Federer sagt, Jura ist der beste Kaffeevollautomat, dann ist das Tausend Mal mehr Wert als andere PR-Massnahmen.» Er gelte weltweit als vertrauenswürdigste Person. So umriss Emanuel Probst, General Manager, der Jura Elektroapparate AG in Niederbuchsiten, den Stellenwert des Tennisspielers als Markenbotschafter für Jura. Der 2015 verlängerte Vertrag laufe noch bis 2020. «Aber am liebsten würden wir ihn lebenslänglich an uns binden», sagt Probst lachend.

Roger Federer an der Jubiläumsfeier

Roger Federer an der Jubiläumsfeier

Die Sportikone leistet unbestritten seinen Beitrag an den Erfolg des Solothurner Unternehmens. Aber Wachstumstreiber sei nebst weltweit prosperierenden Märkten insbesondere die Innovation, so Probst. Die Lancierung zweier neuer Produktelinien im Haushaltbereich sowie der verstärkte Fokus auf Vollautomaten für den Profibereich hätten die Marke gestärkt. Mit Erfolg, wie die im vergangenen Geschäftsjahr erreichten Rekordzahlen belegen. Jura hat 321'000 Kaffeevollautomaten verkauft und damit erstmals die Grenze von 300'000 Einheiten überschritten. Das sind 9,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Umsatz verbesserte sich gar um 11,7 Prozent auf 421 Millionen Franken. Gewinnzahlen gibt die sich im Besitz weniger Aktionäre befindliche Firma nicht bekannt. Seit 1998 habe man immer profitabel gearbeitet und «2016 haben wir einen Rekordgewinn erzielt», so Probst. Auch finanziell stehe das Unternehmen auf sehr soliden Füssen. Probst: «Wir finanzieren alle unsere Investitionen aus eigener Kraft und die Jura hat keine Bankschulden.»

Das Wachstum sei geografisch breit abgestützt. Die Mehrverkäufe seien also weltweit und nicht nur auf einigen Einzelmärkten erzielt worden. Die Jura-Maschinen sind in rund 50 Ländern erhältlich. Dabei haben die beiden wichtigsten Märkte, Deutschland und USA, um je 12 Prozent zugelegt. Inzwischen habe Asien (ohne China und Japan) mit einem Plus von 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr denselben Stellenwert wie etwa Frankreich oder die Niederlande erreicht. Der Trend hin zum Kaffee-Genuss nehme in Asien zu. Dagegen habe der Heimmarkt Schweiz bei rund 8 Prozent stagniert. Dieser Markt sei ziemlich gesättigt.

Wachstum trotz Kapselmaschinen

Erstaunlich ist, welche Marktstellung sich Jura seit der Lancierung des ersten Kaffeevollautomaten Mitte der 80er Jahre weltweit erkämpft hat. Nach Angaben von Probst liegt der Anteil volumenmässig bei 15 Prozent und wertmässig bei rund 25 Prozent. Jura zählt mit den beiden italienischen Mitbewerbern De’Longhi und Saeco zu den grössten Produzenten von Kaffeevollautomaten. Auch gegen den Siegeszug der Kapsel-Kaffeemaschinen kann sich Jura behaupten. Damit sei nämlich der Markt für qualitativ besseren Kaffee gewachsen. «Heute will niemand mehr Filterkaffee trinken.» Davon profitiere auch Jura als Hersteller der hochqualitativen Kaffeevollautomaten.

Jura ist auch ein sehr wichtiger Arbeitgeber in der Region. Weltweit beschäftigt Jura – umgerechnet auf Vollzeitstellen – 712 Angestellte (+ 2,9 %), davon 256 (+ 0,8 %) am Hauptsitz in Niederbuchsiten. Dass der Personalbestand weniger stark als Absatz und Umsatz gestiegen ist, habe auch damit zu tun, dass die Fertigung der Maschinen an einen Produktionspartner ausgelagert sei (siehe Kasten).

Mitentscheidend für den weiteren Erfolg ist laut Probst, der das Unternehmen seit 26 Jahren leitet und Mitaktionär ist, die Erneuerung. «Die Innovationskadenz im Produktbereich muss hochgehalten werden.» Dazu müsse stetig in Forschung, Entwicklung, Engineering und Design investiert werden. 2016 waren es fast 9 Millionen Franken. In Zeiten des starken Frankens könne man nicht einfach die Preise erhöhen. «Mit Innovationen können wir das Schicksal in die eigenen Hände nehmen.»

Guter Start ins 2017

Es scheint, dass das traditionsreiche Unternehmen damit auf dem richtigen Weg ist. «Wir haben in den beiden ersten Monaten 2017 einen Rekordstart erzielt und eine gute Basis für das gesamte Geschäftsjahr gelegt», erklärte Probst. Man rechne mit einem Absatzwachstum zwischen sechs bis acht Prozent.

Budgetiert sei ein Verkauf von über 330'000 Maschinen, die vom Mahlen der Bohnen bis zum Brauen des Kaffees und Aufschäumen der Milch auf Knopfdruck alles selbst erledigen. Die Jura-Maschinen sind weltweit an 7000 Verkaufspunkten erhältlich. Ende März eröffnet Jura einen Store in Moskau – direkt am Roten Platz.