Wolfwil

Junge Katholiken bleiben Kirchen fern: Aufwand für gewisse Gottesdienste lohnt sich nicht mehr

Katholische Kirche Pfarreischür Wallfahrtskirche Wolfwil leere Bänke

Selbst während den Wortgottesdiensten blieben die Bänke der Marien-Kirche in Wolfwil meistens leer, weshalb dieser nicht mehr durchgeführt wird.

Katholische Kirche Pfarreischür Wallfahrtskirche Wolfwil leere Bänke

Wegen unverhältnismässigem Aufwand wird der Wortgottesdienst an Samstagen nicht mehr durchgeführt. Auch sonst sieht sich die Kirche einem Wandel in den Gottesdiensten gegenüber.

Ab dem neuen Jahr finden in Wolfwil an Samstagen keine Wortgottesdienste mehr statt. Dies verkündete Pfarrer Urs-Beat Fringli vor ein paar Wochen an der Gemeindeversammlung der Römisch-katholischen Kirchgemeinde. Grund dafür: Das Angebot werde zu wenig genutzt und der Aufwand sei verhältnismässig zu gross.

«Das heisst aber nicht, dass die Leute gar nicht mehr in die Kirche gehen», stellt Fringli sogleich klar. «Das würde ein falsches Bild aussenden.» Zwischen einem Wortgottesdienst und einer Eucharistie-Feier müsse zudem unterschieden werden. Die Eucharistie-Feier sei die Haupt-Messe der Kirchgemeinde und diese sei nach wie vor gut besucht. Der Wortgottesdienst sei zudem anfänglich aus einem bestimmten Grund eingeführt worden.

Im Austausch mit Kestenholz

Fringli ist auch Pfarrverantwortlicher der Kirchgemeinde Kestenholz, welche seit Jahren keinen Priester mehr hat. Die dortige Theologin hatte deshalb auch umgekehrte Einsätze in Wolfwil. «Wir waren uns aber von Anfang an bewusst, dass ein zusätzlicher Gottesdienst nicht sehr gut besucht werden wird», meint Fringli. Für die wenigen Kirchgänger sei schliesslich der Aufwand dieser zusätzlichen Messe zu gross geworden.

Vor allem auch, weil die leitende Theologin jeweils von ausserhalb anreisen musste. «Aber auch der Organist musste extra immer aus Zürich herkommen und das ganze Sakristal-Team musste aufgeboten werden», erklärt der Pfarrer. «Der Aufwand ist eben schon gross», meint auch Kurt von Arx, Präsident der Römisch-katholischen Synode des Kantons Solothurn. «Da verstehe ich die Entscheidung von gewissen Kirchen, Gottesdienste nicht mehr durchzuführen.»

Veränderungen in Gottesdiensten

Der Umgang mit Religion im Wallfahrtsort Wolfwil habe sich über die Jahre hinweg sowieso stark verändert. «Es wäre aber falsch, zu sagen, dass die Zahl der Kirchengänger nur abnehme», sagt Pfarrer Fringli. Diese verschiebe sich einfach. «Vor allem jüngere Leute wollen sich heutzutage weniger binden», so Fringli. Deshalb seien es nach wie vor Ältere, die regelmässig die Gottesdienste in der Marien-Kirche besuchen. Das habe aber auch biografische Gründe, meint Fringli. «Ältere Leute bewegen sich weniger in der ganzen Welt herum, als jüngere.»

Gleich wie die Kirchgänger habe sich auch der Inhalt der Gottesdienste verändert. «Früher, als ich auch noch ein Jugendlicher war, wurde in den Messen häufig nur aus der Kirchgeschichte vorgelesen», erzählt Fringli. Heute sei die Kirche persönlicher und gehe mehr auf die Bedürfnisse der Kirchgänger ein. Der Katechismus werde schon lange nicht mehr einfach vorgelesen.

«Das Persönliche ist eine Chance für die Religion.» So werden auch vermehrt Besuche vorgenommen, die Beziehung von Priester und Kirchgänger werde gestärkt. «Die Kirche ist keine Unterhaltung wie Hollywood, George Clooney kommt ja wohl kaum zu Besuch, wenn man krank ist», erzählt Fringli und lacht. «Aber ich als Pfarrer darf die Leute aus der Region kennenlernen.» Deshalb dürfe die Hoffnung nicht aufgegeben werden.

Weg von traditionellen Werten

Auch Präsident von Arx ist zuversichtlich, dass die Zahl der Besucher nicht nur abnimmt, sondern sogar wieder steigen kann. Trotzdem stellt er fest: «Der Kirchengang geht schon zurück. Nicht überall gleich fest, aber er nimmt sicher ab.» Dies läge daran, dass es den Menschen heutzutage sehr gut gehe und die Kirche deshalb nicht immer an erster Stelle stünde. Hinzu kommt ein chronischer Priestermangel, der es erschwert, überall gleich viele Gottesdienste abzuhalten.

«Vielleicht muss die Kirche auch einfach einmal über die Bücher gehen und weg von den alten Traditionen kommen», sagt von Arx. So könne man vielleicht auch wieder jüngeres Blut in die Gottesfeiern locken und die Religion nicht nur für ältere Leute attraktiv machen. Darin läge schliesslich auch die Zukunft.

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