Ging es in den Anfängen darum, Kinder aus armen Familien eine gute Schulbildung oder Erziehung zu sichern, beschränkt sich der heutige Zweck auf die Ausrichtung von Finanzbeiträgen. Im vergangenen Jahr traf sich der Vorstand zu drei Vorstandssitzungen, an denen die ordentlichen Geschäfte bearbeitet wurden.

«Konkret leisten wir finanzielle Einzelfallhilfen für Kinder und Jugendliche mit Wohnsitz im Thal, beispielsweise für Lagerbeiträge, Krankheitskosten, Therapien oder Betreuungskosten», erwähnte Präsident Stephan Berger, Vorsteher des Oberamtes Thal-Gäu.

Breites Spektrum

Im Berichtsjahr 2015 wurden sieben Einzelfallhilfe-Gesuche mit einem Gesamtbetrag von 2932 Franken bewilligt. Es handelte sich um Skimiete für Schulskilager, Kosten für Muki-Deutsch-Kurs auf Antrag der Schule, Kosten für Kinderbrille, Möbel für Kinderzimmer oder für den Kauf von Spielsachen.

Die Jahresrechnung 2015 weist einen Ertrag von 5811 Franken und einen Aufwand von 8692 Franken aus. Das Vermögen verminderte sich per Ende 2015 um 2881 Franken. Die Versammlung setzte den Jahresbeitrag bei 25 Franken fest.

Dem Vorstand des Jugendfürsorgevereins Thal gehören an: Stephan Berger, Präsident; Fritz Dietiker, Vizepräsident; Beatrice Brunner, Aktuarin; Margot Latscha–von Burg, Verwalterin; Pfarrer Toni Bucher, Doris Meyer, Katharina Schmid–Bürgi (alle Balsthal) und René Probst (Holderbank). Ehrenmitglieder des Vereins sind Ernst Bruder, Irma Bussmann und Dora Leisi–Portmann (alle Balsthal).

Fremdplatzierte Pflegekinder

In zweiten Teil referierte der Historiker Ernst Guggisberg über Pflegekinder und die Rolle der Deutschschweizer Armenerziehungsvereine zwischen 1848 und 1965. Sein dazu verfasstes, 500 Seiten umfassendes Buch erscheint voraussichtlich im August. Guggisberg arbeitet als wissenschaftlicher Archivar im Staatsarchiv des Kantons Thurgau und als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Unabhängigen Expertenkommission Administrative Versorgungen beim Bund.

Er stellte seine Dissertation, die eigentlich ein Werkstattbericht ist, näher vor. In der Schweiz entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf private Initiative hin Vereine mit Bildungszweck; in den Kantonen Aargau, Basel-Land, Solothurn und Thurgau wurden sie Armenerziehungsvereine genannt. Durch Fremdplatzierung in «rechtschaffenen» Pflegefamilien und Anstalten wollten sie «verwahrloste» Kinder nicht nur versorgen, sondern auch erziehen und so einen Beitrag zur Überwindung von Armut leisten.

Auch Thaler Kindern betroffen

Guggisberg berichtete auch von 220 Pflegekindern aus dem Thal, die bis ins Alter von 16 Jahren während 5 bis 15 Jahren fremdplatziert in verschiedenen Regionen der Schweiz, teilweise bis in die Ostschweiz, platziert waren. Einige Kinder waren immer am selben Ort, bei anderen gab es bis zu drei Wechsel.