Idyllisch gelegen ob Mümliswil-Ramiswil, inmitten von saftig grünen Matten und sanften Jurahöhen liegt der Weiler Reckenkien. Kuhglocken bimmeln leise, ein Hauch von frisch ausgebrachter Jauche liegt in der Luft.

Josef Fluri, ein Bär von einem Mann, schneidet im Laden der Käserei Reckenkien grosszügige Probiererli von seinen Guldentaler Spezialitäten: Passwang-Mutschli, Reckenkiener Bergkäse, Hoselupf.

Den Hoselupf, den habe er entwickelt, erzählt der Käsermeister und einstige Schwinger: Fürs Schwingfest anno 2005 in Mümliswil musste ein kräftiger Hartkäse her. Dann reicht Fluri eine weitere Kostprobe, ein Stück Männerkäse. Wider Erwarten ist er cremig mild im Geschmack.

Vielleicht sollte man nicht vom Käse auf den Mann schliessen, aber Fluri vereint dessen charakteristischen Eigenschaften: Er hat das Kräftige und das Milde. Der 47-jährige Bauernsohn, der im Reckenkien aufwuchs, wohnt heute mit seiner Frau Claudia und den drei schulpflichtigen Kindern «im Dorf», unten in Mümliswil. «Uns gefällts hier», sagt er schlicht.

Es herrsche noch Frieden und Ruhe hier. «Obergrün» sei er zwar nicht. Aber die Natur – «ist sie nicht schön?», fragt er mit Blick aufs Land. In ihr sammle er neue Kräfte. Kein frisch gesprossenes Blümchen entgehe im Frühling seiner Aufmerksamkeit.

Gott? An den glaube er, ja. Sonntags sei er zwar selten in der Kirche. «Aber wenn ich an der Grotte in Ramiswil vorbeilaufe, dann sitze ich jeweils ab und werde gschwind ruhig.»

Wahlkampf begann vor 30 Jahren

Fluri ist keiner, der dreinschiesst. Er nennt sich bodenständig, er wirkt besonnen, unterstreicht seine Worte mit bedächtigen Gesten. Seit acht Jahren politisiert er für die SVP im Gemeinderat Mümliswil-Ramiswil. Obschon er, wie so viele Guldentaler, in einem CVP-Haus aufgewachsen ist.

Als jedoch vor 16 Jahren die SVP-Ortspartei gegründet wurde, sei für ihn der Fall klar gewesen – zu wenig bürgerlich dünkt ihn nämlich die CVP dieser Tage. Dennoch, der Zürcher SVP-Flügel sei nicht das Vorbild. «Manchmal braucht es Kompromisse», ist er überzeugt. Ihm gehe es darum, lösungsorientiert und sachlich zu diskutieren, über die Parteigrenzen hinweg.

Seine politischen Erfolge? Fluri nennt die Wasserversorgung im Dorf, die vom Brunnersberg bis hinunter ins Guldental kostensparend ausgebaut wurde. Ausserdem: eine zeitgemässe Infrastruktur für die Vereine; dies sei bei deren rund 40 im Dorf ganz wichtig. Und die Einwohnerzahl sei dank den Bauaktivitäten der Gemeinde erstmals wieder gestiegen.

Dass er nach seiner Gemeinderatstätigkeit nun auch in den Kantonsrat gewählt wurde, führt er auf sein Engagement zurück. «Mein Wahlkampf hat schon vor dreissig Jahren begonnen», meint er lachend. So lange sei er im Ort schon aktiv, ob in Vereinen oder auf der Gemeinde.

Er sei ein geselliger Mensch und immer zu einem Gspässli aufgelegt, und als ehemaliger Nationalturner und Schwinger habe er die Leute und einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. Auch für den Gemeinderat wird er wieder kandidieren.

Im Kantonsrat, wo schon seine Frau Claudia und sein Geschäftspartner Hansjörg Stoll tätig waren, möchte er sich für weniger Bürokratie einsetzen. Etwa dafür, dass für jedes neue Gesetz ein bestehendes abgeschafft werde. Insbesondere dem Gewerbe möchte er gute Voraussetzungen bieten.

Im Thal mit seiner geringen Industrie «müssen wir den KMU Sorge tragen», weiss er, der ja selbst einen KMU-Betrieb leitet. Ein Anliegen sind ihm auch das Thema Sicherheit sowie die Umfahrung des Städtli Klus, wo allabendlich der Verkehr stockt.

Welche Kommissionen würden ihn reizen? Er könne sich «für alles begeistern», sagt er. Schliesslich habe er im Gemeinderat sämtliche Geschäfte durchlaufen. Und er tauche gerne in neue Welten ein.

Auch andere Kulturen und Gepflogenheiten interessieren ihn, der gerne Städtereisen unternimmt. «Mich nimmt Wunder, wie die Menschen denken und handeln Und ich sage auch mal: Da hast du recht, das habe ich mir so noch nie überlegt.»