Porträt
Jonas Schürmann: Vom Kellner in Balsthal zum Hotelier in Hongkong

Seine Karriere begann als Kellnerlehrling im Hotel Kreuz in Balsthal. Jetzt ist Jonas Schürmann, 1963 in Egerkingen geboren, Generaldirektor eines der weltweit besten Hotels: des Mandarin Oriental in Hongkong.

Artur K. Vogel
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Spitzengastronom mit Gäuer Wurzeln Jonas Schürmann führt seit sechs Jahren das «Mandarin Oriental» in Hongkong äusserst erfolgreich.

Spitzengastronom mit Gäuer Wurzeln Jonas Schürmann führt seit sechs Jahren das «Mandarin Oriental» in Hongkong äusserst erfolgreich.

Artur K. Vogel

Im dunklen Nadelstreifenanzug, ein goldenes Emblem ans Revers geheftet, sieht Jonas Schürmann aus wie ein Bankier oder Geschäftsanwalt. Doch er ist Hoteldirektor, steht in der prächtigen Lobby seines Hauses in Hongkong, das gleich alt ist wie er, nämlich gut fünfzig, und schüttelt Hände.

Für Schürmann gehört der Moment, bei dem Gäste ein- oder auschecken oder zum Essen kommen, zum wichtigsten Teil seiner Arbeit: So kann er seine Talente als Gastgeber voll ausleben und dabei permanent lernen.

«Ein Hotel lässt sich nicht fernsteuern», sagt er. «Man muss spüren, sehen, schmecken, was läuft. Wer nicht mit den Gästen redet, wer die Gäste nicht respektiert und ernst nimmt, der weiss nicht, was vor sich geht. Und wer nicht weiss, was vor sich geht, der trifft falsche Entscheide.»

Seine eigenen Entscheide haben sich als richtig erwiesen: Ab 1979 absolvierte Jonas Schürmann im Hotel Kreuz in Balsthal eine Lehre als Kellner, nachdem auch eine bei den SBB zur Debatte gestanden hatte.

Er wurde von einigen scheel angeschaut: «Kannst du nichts Besseres?» Nach 13 Jahren in der Schweiz, unter anderem im «Beau Rivage Palace» in Lausanne und im Berner «Schweizerhof», wurde der Solothurner, beginnend im Luxushotel «Peninsula» in Hongkong, auf eine rasante Umlaufbahn in Asien katapultiert.

Vor fast zwei Jahrzehnten stiess Schürmann zur Mandarin-Oriental-Gruppe, und seit 2009 ist er Generaldirektor des Mandarin Oriental in Hongkong.

Sein Hotel gehört nach umfassenden Renovationsarbeiten zu den elegantesten und zu jenen mit den meisten Auszeichnungen: Soeben hat der in den USA einflussreiche «Forbes Travel Guide» dem Mandarin als weltweit erstem und bisher einzigem Stadthotel fünf Sterne in fünf Kategorien verliehen:

Für das Hotel als Ganzes, für seinen Spa-Bereich, für das französische Edelrestaurant «Pierre» und seinen Chef Pierre Gagnaire, für den «Mandarin Grill Room» und seinen Chef Uwe Opocensky sowie für den «Krug Room», ein kleines, feines Séparée bei der Küche, wo maximal ein Dutzend Leute, betreut von den Küchenchefs, von passenden Champagnern begleitete Gourmet-Menüs vorgesetzt bekommen.

Vier Sterne gab «Forbes» zudem dem kantonesischen Spezialitätenrestaurant «Man Wah». Auch der «Guide Michelin» unterstreicht die Qualität des Hauses, indem er drei Restaurants, «Pierre» (2 Sterne), «Grill Room» und «Man Wah» (je ein Stern) dekoriert hat.

Der berühmte französische Guide setzt also das Mandarin ebenfalls an die Weltspitze. Dafür massgeblich mitverantwortlich ist Schürmann, der sagt, am Erfolg müsse man jeden Tag arbeiten. Als ihn der «Fressführer» GaultMillau Schweiz 2013 zum «Schweizer Star im Ausland» kürte, reagierte er bescheiden.

«Diese Auszeichnungen sind vor allem einer Riesenleistung meines Teams zu verdanken», sagt er. Gut 840 Leute arbeiten in seinem Haus mit den 500 Zimmern, dem Swimmingpool im obersten, 26. Stockwerk und einer grosszügigen Spa- und Wellness-Anlage einen Stock darunter. Und in den zehn Restaurants werden jeden Tag um die 2000 Gäste bekocht.

Einen nächsten Höhepunkt erwartet Jonas Schürmann in diesem Monat: 2011 hat die Art Basel die Art Hongkong erworben und hält seither einmal jährlich eine grosse Veranstaltung ab.

Vom 15. bis 17. März werden im Hong Kong Convention and Exhibition Centre 233 Galerien aus 37 Ländern Asiens, Europas, Nord- und Südamerikas sowie anderer Kontinente die Werke von mehr als 3000 Künstlerinnen und Künstlern ausstellen.

Junge, aufstrebende ebenso wie auch berühmte Meister des 20. und 21. Jahrhunderts. Und die Art Basel hat das Mandarin Oriental schon zum dritten Mal als offizielles Event-Hotel erkoren.

Was würde er, fragten wir Jonas Schürmann, einem jungen Schweizer, einer jungen Schweizerin raten, die sich für eine Ausbildung in der Gastronomie oder Hotellerie interessiert. «Genial!», ruft Schürmann aus. «Das ist die beste Branche, die es gibt. Man kann reisen; man erlebt die Welt; man trifft immer wieder neue, interessante Menschen. Und wenn man sich etwas vornimmt und darauf hinarbeitet, sind die Möglichkeiten grenzenlos.»

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