Warum heisst ein Gebiet «Im Schaad»? Wer waren die «Durs Joggis» oder die «Bärenmatters»? Antworten darauf gibt eine Ausstellung im Gemeindezentrum Laupersdorf. Zu verdanken ist sie dem 82-jährigen Johann Brunner-Otter. Im fortgeschrittenen Alter wurde er vom Virus des Forschens befallen und er entwickelte sich zum Lokalhistoriker.

So richtig gepackt hatte es ihn im Jahr 1999, als er zum 175-Jahr-Jubiläum der Brass Band Frohsinn Laupersdorf eine Ausstellung über die Geschichte dieser zweitältesten Musikgesellschaft des Kantons Solothurn schuf. Vor zwei Jahren während des Brunnenfestes stellte er seine akribisch gesammelten Werke mit teils exklusiven Raritäten und gar «Perlen» erstmals im Pfarreisaal des Gemeindezentrums öffentlich aus. Nun doppelt er nach und er zeigt weitere Kostbarkeiten aus seinem stillen Schaffen.

Ein viel beschäftigter Mann

Johann Brunner wohnt mit seiner Familie (drei Töchter, ein Sohn) seit jeher im Weiler Höngen. In seinem Haus hortet er einen ausserordentlich reichhaltigen Fundus von persönlichen Nachforschungen historischer Art. Von Beruf war er Maschinenzeichner in der Von-Roll-Armaturenfabrik in Oensingen.

In Laupersdorf amtete er während 12 Jahren als Kirchgemeinderat, er war in Höngen Verwalter der Wasserversorgung, gehörte dem Kultusverein Höngen an, war 38 Jahre lang Zuchtbuchführer der Viehzuchtgenossenschaft Höngen und leistete als Wachtmeister über 40 Jahre Feuerwehr-Dienst in der Löschgruppe Höngen. Er spielte jahrzehntelang in der Brass Band Frohsinn Laupersdorf mit und arbeitete während 35 Jahre im Organisationskomitee Musikwettbewerb Laupersdorf mit.

Nicht nur Geschlechtsnamen

Über die bekanntesten Laupersdörfer Geschlechter wie Boner, Borer, Brunner, Eggenschwiler, Kupper, Meier, Müller oder Schaad hat Johann Brunner nach jahrelangen Recherchen komplette, filigrane Stammbäume erstellt. Auch über die Geschichten von alten Häusern und markanten Grundstücken kann man Dokumente finden. So stösst man dank seiner uneigennützigen historischen Forschungsarbeit auf Fakten, welche heute erstaunen. Wer weiss schon, dass der Gasthof Storchen sich ehemals im «Höngerhus» mitten im Dorfkern befand und dass es im «Schrinerhus» eine «Wirtschaft zum grünen Feld» gab.

Da taucht ein Gedichtband von Dr. Otto Brunner, Arzt in Luzern (Abstammung Schriner’s) aus dem Jahre 1927 auf. Betrachten und in den Händen halten kann man originale Musik-Büchlein der «Hönger Tanzmusik» von 1839. Oder man stösst auf ein Rechenbuch (Texte in Spitzschrift) aus dem Jahr 1808 und wundert sich über das damals hohe Niveau in der Mathematik. Auch alte Übersichtskarten des ursprünglichen Dünnernlaufes zwischen Matzendorf und Balsthal sind zu sehen, ferner Pläne der Dünnern-Korrektion. Damals führte die Strasse der Dünnern entlang und konnte bei Überschwemmungen nicht mehr benutzt werden.

Der heutige Laupersdörfer Gemeindepräsident Edgar Kupper ist übrigens nicht der erste dieses Namens. Von 1831 bis 1845 amtete Urs Jakob Kupper als Gemeindeammann. Der wohl berühmteste Laupersdörfer war Josef Benjamin Brunner, der von 1834 bis 1856 als Regierungsrat und von 1846 bis 1857 als Nationalrat amtete, einer aus der Familie der «Hönger Brunner».

Die Zweige der Familie Schaad

Eine Trouvaille ist der umfassende Stammbaum der Familie Schaad, wo es verschiedene Zweige gibt und die die Dorfnamen «Bärenmatter», «Durs Joggis», «Schuenis», «Bammerts» oder «Webers» tragen. Johann Brunner konnte gar eruieren, welche öffentlichen Ämter Personen mit dem Nachnamen Schaad in Laupersdorf bekleideten.

Im Hohl, am Weg zur Lourdes-Grotte, nennt sich ein Gebiet «Im Schaad». Johann Brunner ist es gelungen, die Geschichte der verschiedenen Liegenschaften in diesem Gebiet aufzuarbeiten.

Man könnte stundenlang in den unzähligen Büchern, Chroniken, Dokumenten, Plänen und Stammbäumen von Familien eintauchen. Ohne Auftrag hat Johann Brunner unzählige Tage mit Nachforschungen im Staatsarchiv, auf der Amtsschreiberei oder mittels Telefonaten in der ganzen Schweiz aufgewendet und so diese interessante Lokalgeschichte aufgearbeitet. Würde Laupersdorf einen Kulturpreis vergeben, man wäre nicht schlecht beraten, diesen dem Lokalhistoriker Johann Brunner zu überreichen.

Für die Ausstellung im Gemeindezentrum Laupersdorf (Eröffnung am nächsten Sonntag, 14 Uhr) wurde Johann Brunner von seiner jüngsten Tochter Elvira von Burg-Brunner (Balsthal) tatkräftig unterstützt. Die Zimmerei Meier AG, Laupersdorf, stellt die Einrichtung zur Verfügung.

Öffnungszeiten Jeweils 14 bis 17.30 Uhr, So 25. und Sa 31. Mai, So, 1. Juni, Do 19. Juni (Fronleichnam), Sa 21. Juni.