Fast 10 Jahre war Oensingen für den Eidgenössischen Jodlerverband (EJV) quasi das Rütli der Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger. Dazu avancierte die Gemeinde im Oktober 2006 mit der Eröffnung der Eidgenössischen Jodlerstube im damaligen Hotel Lindemann zum Kreuz.

Initiiert wurde der Umzug der zuvor in Burgdorf domizilierten Jodlerstube vom ehemaligen Wirt Peter Lindemann; er hatte dem Zentralvorstand des EJV anerboten, eine Jodlerstube einzurichten. Genutzt wird sie vor allem für Tagungen des Zentralvorstandes sowie Sitzungen mit den sieben Fachkommissionen. In Oensingen fanden jährlich etwa 35 Sitzungen statt, wie Zentralpräsidentin Karin Niederberger auf Anfrage erklärt.

Verkehrslage hat sich geändert

Seit Anfang dieses Jahres gehört die Jodlerstube in Oensingen der Vergangenheit an. Der EJV hat den Vertrag mit dem neuen Wirt vom Hotel Chrüz nicht verlängert. Aus verschiedenen Gründen, wie Karin Niederberger dazu ausführt.

Als wichtigsten Grund erwähnt sie die inzwischen auf der Strasse oft schlechte Erreichbarkeit des Tagungsorts über die Autobahn A1. Deshalb habe sich der Zentralvorstand nach einem anderen Standort für die Jodlerstube umgesehen und einen solchen in Aarburg im Hotel Krone auch gefunden. Erste Sitzungen wurden in der neuen Jodlerstube in Aarburg bereits abgehalten.

Nicht alles mitgezügelt

Verbunden mit dem Umzug in den Kanton Aargau musste sich der EJV aus Platzgründen von einigen Gegenständen aus der Jodlerstube in Oensingen trennen. Dabei geht es vor allem um Gebrauchs- und Dekorationsgegenstände, die wenig oder gar nichts mit dem Jodeln, Alphornblasen oder Fahnenschwingen zu tun haben. Alles Gegenstände, die dem Verband im Verlauf der letzten Jahrzehnte geschenkt wurde. «Es waren einfach zu viele, deshalb haben uns auf unsere Wurzeln besonnen», meint die Zentralpräsidentin zur getroffenen Auswahl.

Öffentlicher Verkauf am Samstag

Die nicht mehr benötigten Gegenstände will der EJV am kommenden Samstag bei einem öffentlichen Verkauf im Hotel Chrüz in Oensingen an den Mann respektive an die Frau bringen. Der Verkauf beginnt um 9 Uhr und dauert voraussichtlich bis um 15 Uhr. Je nachdem, wie schnell die in 51 Positionen eingeteilten Gegenstände verkauft sind. Die Palette reicht vom Pferdekummet mit Zaumzeug über Tret-Nähmaschinen bis hin zu Uhren, Bettflaschen oder Erntewerkzeuge wie Holzgabeln oder -rechen.

Zu den besten Stücken aus dem Bestand zählt eine 2,3 Meter hohe Standuhr aus Holz, die 800 Franken einbringen soll. 400 Franken in die Kasse des Jodlerverbandes spülen soll ein altes Klavier. Für ein Holzschränkli und eine Holztruhe vom Alphornbläser Jurt aus Beckenried aus dem Jahr 1978 müssen je 500 Franken bezahlt werden. Feilgeboten werden ferner drei Handharmonikas zu je 300 Franken. Erwähnenswert ist auch ein Pferdeschlitten mit einem angegebenen Wert von 300 Franken. Allerdings wurde dieser mit grüner Farbe etwas verunstaltet. Die restlichen Gegenstände kosten zwischen 10 bis 200 Franken.

Die erworbene Ware muss der Käufer oder die Käuferin übrigens wie an einer Versteigerung umgehend bezahlen und sofort mitnehmen. Der Verkauf wird unter der Federführung des Nordwestschweizerischen Jodlerverbandes durchgeführt.

Archiv bleibt in Oensingen

In Oensingen belassen wurde hingegen das umfangreiche Archiv des Eidgenössischen Jodlerverbandes. Dieses befindet sich weiterhin in einem ehemaligen Requisitenraum im Bienken-Saal, wie Zentralpräsidentin Karin Niederberger erwähnt. «Wir sind der Gemeinde dankbar, dass wir unser Archiv weiter in Oensingen führen dürfen», so Niederberger.

Die Liste der zur Versteigerung gelangenden Gegenstände kann hier eingesehen werden: