Neuendorf
Jetzt gibt es ein neues Kröten-Paradies in der Aegerten

Im Naturreservat Aegerten bei Neuendorf wurde das modernste Amphibienbiotop im Kanton Solothurn eingeweiht.

Rahel Bühler
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Das Naturreservat Aegerten in Neuendorf das modernste Amphibienbiotop des Kantons.
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Naturreservat Aegerten Neuendorf
Freuen sich über das gelungene Werk (v.l.): Emil Lämmli (Bürgergemeindepräsident), Roland Fürst (Regierungsrat), Jonas Lüthy (Projektleiter Amt für Raumplanung), Bernard Staub (Chef Raumplanungsamt).
Das Naturreservat Aegerten in Neuendorf das modernste Amphibienbiotop des Kantons.

Das Naturreservat Aegerten in Neuendorf das modernste Amphibienbiotop des Kantons.

Bruno Kissling

«Man sieht bereits an der Anzahl der Anwesenden, dass das Vorhaben von komplexer Natur war», meinte Jonas Lüthy, der Projektleiter vom Amt für Raumplanung am Mittwochnachmittag, als er zusammen mit Regierungsrat und Baudirektor Roland Fürst das neue Amphibienbiotop einweihte. Es liegt im Neuendörfer Naturreservat Aegerten und ist seines Zeichens das Modernste des ganzen Kantons.

Neu speist ein Brunnen, welcher Grundwasser aus 16 Metern Tiefe befördert, die drei Amphibientümpel. Die Liste der Anwesenden war in der Tat lang: Neben Mitgliedern der Einwohner- und Bürgergemeinde Neuendorf waren auch etliche Vertreter der Firmen vor Ort, die beim Projekt mitgeholfen haben.

Bernard Staub, der Leiter des kantonalen Amts für Raumplanung lobte den innovativen Charakter der Anlagen. Regierungsrat Roland Fürst nannte die «Aegerten» ein interessantes Gebiet und lieferte einige Fakten zum Naturschutzreservat: «Es wird vom Natur- und Vogelschutzverein Neuendorf betreut und seit 1999 steht es unter kantonalem Schutz.»

Dort wurde in den letzten Monaten neue Biotope gebaut, welche im Hochsommer austrocknen und optimale Lebensräume für Amphibien entstehen lassen sollen. Eine davon ist die Kreuzkröte. Regierungsrat Fürst zeigte sich optimistisch, dass die Ziele, also die langfristige Ansiedelung der besagten Kröte, erreicht werden.

«Kein Spaziergang»

Ebenso zuversichtlich gab sich Jonas Lüthy, der Leiter des Projekts. Er berichtet aber auch, dass der Prozess, mit welchem im Februar 2015 begonnen wurde, kein Spaziergang gewesen sei. Diverse Baugesuche und Bewilligungen bei verschiedenen Instanzen mussten eingeholt werden.

«Im Oktober 2015 mussten wir ernüchtert feststellen, dass die bestehende Widderpumpe nicht Grundwasser, sondern lediglich Wasser aus einer Sickerquelle beförderte», erzählte Lüthy. Dort hätte ursprünglich die neue Elektropumpe, welche mit einer Solaranlage betrieben wird, hineingebaut werden sollen. «Wenn wir das gemacht hätten, dann hätte das genau so wenig Sinn ergeben, wie wenn Automechaniker einen Porsche-Motor in einen ‹Deux
Chevaux› eingebaut hätten», verglich Lüthy.

Ein neuer Grundwasserschacht musste her. Bei einer Bohrung im Juni 2016, die diesem Zweck dienen sollte, stiessen die Verantwortlichen entgegen den Erwartungen nicht auf Grundwasser, sondern lediglich auf Felsen. «An einer Stelle unweit der ersten Bohrung fanden wir Grundwasser und damit auch den Standort des neuen Brunnens», berichtete Lüthy.

Im Dezember begannen die Tiefbauarbeiten, daraufhin folgte das Abdichten der Tümpel, die Gestaltung der Ufer sowie die Installation der Solaranlage. Im Februar wurde ein Testlauf der Anlagen durchgeführt. Neben den Tümpeln wurden auch mit Bäumen versetzte Erdhaufen, im Fachjargon heissen diese Tages- und Überwinterungsverstecke für die Kreuzkröten, aufgeschüttet. Finanziert wurde das Projekt von der Alpiq und vom Bundesamt für Umwelt.
Ampeln stehen auf Grün

Im Anschluss an Jonas Lüthys Rede war er gekommen, der grosse Augenblick der Eröffnung. Wer nun ein Feuerwerk erwartet, liegt falsch. Roland Fürst legte den silbernen Kippschalter nach vorne und das Lämpchen auf der Anlage unter der Solarzelle leuchtete grün auf – das Zeichen, dass das Grundwasser nun aus 16 Metern Tiefe nach oben gepumpt wird und die Anlage damit offiziell funktioniert.

Um den zukünftigen Unterhalt des Reservats kümmert sich, wie bis anhin, der Natur- und Vogelschutzverein Neuendorf. Ganz fertig ist das Projekt noch nicht: Die Uferränder der Tümpel sollen noch begrünt werden, ausserdem soll in Kürze noch die definitive Bauabnahme erfolgen.