Es ist heiss an diesem Nachmittag, die Küche bereits gemacht, die Pfaderinnen und Pfader liegen im Schatten des Zeltes und machen Pause. Die Leiter seien in einem Zelt hinter dem nächsten kleinen Hügel, sagt eine junge Pfaderin.

Und siehe da, auch die Leiter sind noch in der Mittagspause. Auskunft geben sie aber gerne, etwa über den Zufall, wie sie auf diesen Platz gestossen sind. Oder über die Tatsache, dass die Weide, die zum Hof von Roman Lisser in Ramiswil gehört, der bisher grösste Lagerplatz der Pfadiabteilung St. Benno aus Binningen und Bottmingen ist. Zwei Wochen verbringen sie diesen Sommer hier.

Geduscht wird im Bach

Im Bach unterhalb der Strasse ist eine Dusche installiert, gegen allzu aufdringliche Blicke mit Armeeblachen geschützt. An der Strasse Richtung Scheltenpass dürfte dies jedoch eher kein Problem sein. Man ist für sich, etwas abgeschottet vom nächsten Hof, ein kleines Stückchen temporäre, beschauliche Heimat. «Am Sonntag ist Besuchstag», sagt Sarah Schneider, «Eltern und Freunde kommen.»

Mittlerweile sind auch Roman Lisser und Vater Erwin Lisser auf die Weide gekommen. Seit 40 Jahren vermieten sie ihre Weide für Sommerlager. Angefangen damit hat seinerzeit Erwin Lisser. Die Entschädigung der Pfadiabteilungen an die Familie sei zwar nicht alle Welt, aber doch komme halt was zusammen. Die Weide werde momentan auch nicht gebraucht und erhole sich im Sommer sehr schnell wieder. 

Einmal, erinnert sich Roman Lisser, lag der Platz ziemlich im Argen. Anhaltender Regen ging nicht spurlos an der Weide und auch nicht an den Pfadern vorbei. Man habe ihnen einen Schlafplatz im Heu angeboten, damit sie wenigstens etwas aus dem Regen kamen, erwähnt Roman Lisser beiläufig.

Wieder zurück im Küchenzelt, wo die 10- bis 14-Jährigen von einen tropfenden Wasserschlauch trinken, erklingt eine Glocke. Sie ist das Startsignal für die anstehenden Spiele. Die Leiter übernehmen das Zepter, allen voran Michel Naegeli. Er ist mit 21 Jahren der Älteste und führt durch den Nachmittag.

Besuchstag ist am Sonntag

Vier Tage nach der Ankunft ist fast alles aufgestellt, dem Aussichtsturm am Waldrand fehlt nur noch der letzte Schliff. Am Besuchstag muss alles stehen, auch ein etwas grösseres Feuer ist geplant, um den Gästen etwas zu bieten.

Erwin Lisser erinnert sich noch an Sonntagsgottesdienste während der ersten Sommerlager auf seinem Land. Geistlicher Beistand ist heute nicht zu sehen, andere Hilfe schon. Jugend und Sport (J+S) liefert einen grossen Teil des Equipments, vielfach Armeematerial, so sichert zum Beispiel ein altes Armeetelefon die Kommunikation von der Küche ins Leiterzelt. Und wenn diese versagt, sind natürlich auch modernere Kommunikationsmittel vorhanden, ganz abseits des Weltgeschehens ist man auch in einem Pfadi-Lager nicht gerne.

J+S unterstützt das Lager

Aus der ortsansässigen Sägerei wurde im Voraus Holz geliefert. Genug für zwei Wochen Lagerfeuer, den imposanten Aussichtsturm und die etwas wackeligen Bänke rund um den Feuerplatz. Die Lager sind angewiesen auf diese Hilfen, auch wenn vieles selbstständig läuft.

Vom ganzen Aufwand merken die jungen Pfaderinnen und Pfader nichts. Sollen sie auch nicht, sie sind hier um ihre Sommerferien im Freien zu verbringen. Abenteuer stehen im Vordergrund, Freunde, Spiel, Spass und ab und an etwas Heimweh gehören auch dazu.

Noch eine Woche wird das freudige Gelächter der Pfaderinnen und Pfader auf dem Gelände zu vernehmen sein. Danach weiden wieder Kühe auf dem Lagerplatz. Nächstes Jahr werden neue Pfadfinderabteilungen nach Ramiswil zur Familie Lisser kommen. Und dies jedes Jahr, wohl für die nächsten 40 Jahre.