Welschenrohr
«Jemand will mir bewusst schaden»: Sägerei-Besitzer vermutet Brandstiftung

Laut der Polizei ist der Brand in der Sägerei in Welschenrohr aufgrund von menschlichem Verschulden ausgebrochen. Der Besitzer der Sägerei ist überzeugt, dass der Schuldige das Gebäude mutmasslich angezündet hatte.

Erwin von Arb
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Remo Fröhlicher

Am östlichen Dorfeingang von Welschenrohr stehen noch immer die Überreste der alten Sägerei, welche am 10. November 2016 durch einen Brand fast vollständig zerstört wurde. Die Polizei schloss damals gegenüber dieser Zeitung einen technischen Defekt als Brandursache aus.

Im Vordergrund stand für den Brandermittlungsdienst der Kantonspolizei menschliches Verschulden, wie Kapo-Mediensprecher Bruno Gribi erwähnt hatte. Die inzwischen rund zehn Monate laufenden Abklärungen, ob Fahrlässigkeit oder eine Vorsatzhandlung, wie etwa Brandstiftung vorliegt, blieben bisher erfolglos, wie Gribi auf Nachfrage erklärt. Verdächtige Personen gebe es keine. Die Polizei werde die Ermittlungen in diesem Fall aber weiterführen, bis die genaue Brandursache geklärt sei, versichert Gribi.

Die alte Sägerei in Welschenrohr brannte am Donnerstagabend nieder
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Der Grund für das Feuer ist noch nicht bekannt.
Alte Sägerei brennt in Welchenrohr

Die alte Sägerei in Welschenrohr brannte am Donnerstagabend nieder

Kapo SO

Gebäude vorsätzlich beschädigt

Aus der Schusslinie als Verdächtiger ist offenbar inzwischen der Besitzer der niedergebrannten Sägerei, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Er sei aber überzeugt, dass die Polizei den oder die Täter früher oder später ausfindig machen werde.

Für ihn sei klar, dass ihm jemand bewusst schaden wolle. Dafür spreche auch die vorsätzliche Entfernung eines Stützbalkens beim Wohnhaus im Februar 2016, welches deswegen eingestürzt sei. Balkenunterlagen seien auch beim Bienenhaus von Unbekannten entfernt und das Blechdach teilweise weggerissen worden.

Als ein mögliches Hauptmotiv vermutet er einen politischen Hintergrund, weil er beim Kanton die vorzeitige Untersuchung der oberhalb des Areals liegenden Kehricht-Deponie «Schwäbet» veranlasst habe, was 2021 sowieso vom Kanton initialisiert worden wäre. Die Gemeinde habe dort früher vom Kühlschrank, über Autobatterien, bis hin zu alten Pneus alles entsorgt. «Die Deponie war lange Zeit öffentlich und für jedermann zugänglich. Aus Platzgründen sei diese auch mehrmals angezündet worden. An den beissenden Rauch und Gestank könne er sich noch heute erinnern, so der Sägerei-Besitzer.

Gemeinde lehnt Kaufangebot ab

Davon habe er Kaufinteressenten sowie auch Investoren informieren müssen, was wohl nicht allen gefallen habe. Auch im Umfeld seiner Familie gebe es leider Personen, welche etwas mit der Sache zu tun haben könnten, glaubt der Landbesitzer. Indizien gebe es genügend, die Polizei müsse ihnen nur nachgehen.

Nach dem Brand der alten Sägerei sei ein Verkauf des Grundstücks wohl vom Tisch. Mit der Vernichtung des Bauvolumens sei die Chance gering, auf dem Areal baulich etwas zu realisieren, weil sich dieses ausserhalb der Bauzone befinde.

Nicht zuletzt deshalb hatte auch die Gemeinde Welschenrohr, welcher der Landbesitzer im Juni ein Angebot unterbreitet hatte, kein Interesse am Kauf der Parzelle 333/762. «Wir können als Gemeinde mit dem Land nichts anfangen. Ausser Kosten hätte uns das nichts eingebracht», sagt Gemeindepräsident Stefan Schneider.

Besitzer verlangt Zugeständnisse

Ungeachtet der Ergebnisse der technischen Untersuchungen der Kehrichtdeponie «Schwäbet» müssten Zugeständnisse gemacht werden, und zwar von der Gemeinde sowie auch vom Kanton, findet der Landbesitzer.

Seine Forderung begründet er mit den starken Belastungen, welchen die Liegenschaft durch die geruchsintensive Kläranlage und die Kehrichtdeponie jahrzehntelang ausgesetzt gewesen sei, was den Verkaufswert stark beeinträchtigt habe. «Für mich ist der Brand ein totales Desaster», sagt der Landbesitzer mit Verweis auf seine jahrelangen Abklärungen mit Behörden, Ämtern sowie die Investorensuche für ein mögliches Naturpark-Projekt.

Angedacht sei von ihm, das Sägerei-Areal zu einem Ausgangspunkt für sportliche Betätigungen zu machen. Verdächtig sei aus seiner Sicht, dass just eine Woche nach der festlichen Einweihung des Anschlusses der ARA Welschenrohr an die ARA Falkenstein in der Lochmühle die alte Sägerei in Flammen aufgegangen sei. «Da wollte wohl jemand verhindern, dass ich auf dem Areal erfolgreich ein Projekt lanciere.»

Der Landbesitzer denkt aber nicht ans Aufgeben. Er werde dafür kämpfen, dass die beschädigten Gebäude wieder aufgebaut werden dürften, auch wenn sich diese ausserhalb der Bauzone befänden. «Es kann doch nicht sein, dass man sich in unserem Rechtsstaat auf diese Art von unerwünschten Objekten ausserhalb der Bauzone entledigen kann.» Ein Rückbau der von der Gebäudeversicherung zum Abriss frei gegeben Brandruine sei deshalb im Moment noch kein Thema. Es gebe noch diverse rechtliche Abklärungen zu treffen.

Baukommission prüft Situation

Nicht bis zum St.-Nimmerleinstag warten auf das Verschwinden des im Dorf als sogenannten «Schandfleck» empfundenen Areals will die Gemeinde, wie Baukommissionspräsident Rainer Germann auf Anfrage erklärte. «Wir werden uns an einer der nächsten Sitzungen mit der alten Sägerei beim Dorfausgang beschäftigen.» Auf längere Sicht sei auch die Verfügung eines Rückbaus nicht auszuschliessen.

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