Alljährlich Ende Januar mutiert die Kreuzackerhalle in Laupersdorf zur Konzerthalle. Dann nämlich lädt das Opus One Orchestra zu seinem Jahreskonzert. Und der Einladung wird Folge geleistet. Aus Freude und mit gutem Recht. Die Big Band um Walter Vonarburg überzeugte auch dieses Jahr mit einem stimmig-schmissigen Konzertabend.

Vorbei sind die Zeiten, als das Opus One Orchestra noch Musikgesellschaft Harmonie hiess. Vorbei die Zeiten, in denen die Konzertbühne mitten in der Halle aufgebaut wurde, damit es nicht so misslich aussieht, wenn die Halle halb leer ist. Vorbei die Zeiten des traditionellen Vereins. Das Opus One Orchestra hat sich mehr als etabliert. Die Revolution hin zur erfolgreichen Band ist geglückt. Hier steht eine Band auf der Bühne, die Spass hat und macht und die deutlich zeigt, dass sich Mut zu Neuem lohnt.

Band tobt sich aus

Revolution Nummer 9 hiess denn auch das Konzert von vergangenem Samstag. Es war eine Rückblende auf die letzten acht Jahreskonzerte als Opus One Orchestra. Ein Querschnitt aus den besten Nummern in den verschiedenen Sparten, in denen die Band sich musikalisch austobt.

Den Auftakt machte der charismatische Bandleader Walter Vonarburg gleich selber. Mit seiner soft-sexy Stimme rockte er Cicero›s «Murphys Gesetz» ins Mikrofon und nahm sich damit den Raum, der ihm gebührt. Denn: Dies war sein letztes Konzert als «Revolutionsführer» und er genoss es sichtlich, zusammen mit seiner Band noch mal so richtig auf den Putz zu hauen.

Vom ersten Stück an war die Kraft auf der Bühne spürbar, in den Latin-Nummern «Carribean Dance» und dem Santana-Medley aus «Black Magic Woman» und «Oye como va» gelang es den Musikern auf heisse Weise, das Karibik-Gefühl in die kalte Schweiz zu bringen und in «The Chicken» zeigte sich einmal mehr, dass Funk auch im Thal seine Fans hat.

Fast jedes Bandmitglied kam dieses Jahr in den Genuss eines Einzelauftrittes und überzeugte auf seinem Instrument. Das bringt Stimmung und ehrlichen Applaus.

Und niemals fehlen darf bei Konzerten des Opus One Orchestra ein kurzer Auftritt des Ehrenpräsidenten Willy Jeker. Kurz vor der Pause war es denn endlich so weit und auf gewohnt sympathische Weise brachte er ein paar Witze zum Besten.

Blockflöten im Einsatz

Im Gegensatz zu diesem traditionellen Intermezzo brachte die Band dann etwas noch nie Dagewesenes auf die Bühne: Drei Blockflöten. Das Intro zu «Stairway to Heaven» funktioniert nun mal so und so erklangen für einmal Flötenklänge. Ein bisschen klangs wie Weihnachten, nur viel schöner und vor allem mit rockigerer Weiterführung. Denn die Sängerin Gabi Grob trat auch am diesjährigen Konzert auf und verzauberte mit ihrer Stimme das Publikum und sorgte für Gänsehaut-Feeling.

Nach der Pause drehte die Band richtig auf und zeigte, was sie sich in den letzten Jahren so alles angeeignet hatte. Vor allem die Stücke «Kiss» und «Diggin on James Brown» mit Gesang (Gabi Grob und Walter Vonarburg) kamen beim Publikum sehr gut an, berührten und beeindruckten. Auch fürs Auge gab es immer mal wieder eine Einlage. Einerseits natürlich die virtuose Leitung durch Walter Vonarburg, andererseits aber auch die einnehmenden Soli und die witzigen Choreografien mit schunkelnder Band samt wippenden Instrumenten.

Ehre, wem Ehre gebührt

In einem berührenden Rückblick auf die Zeit mit Walter Vonarburg bedankte sich die Band auf wunderschöne Weise bei ihrem Bandleader für den Mut, die Motivation, die Hingabe, die klare Führung und für all die verrückten Ideen. Die Emotionen schwappten durch die ganze Halle und der lang anhaltende Applaus und die Standing Ovations für Walter Vonarburg zeigten deutlich, wie gross sein Verdienst und die Anerkennung für seine Leistung ist. Er bedankte sich auf seine beste Weise: mit dem wunderschönen Patent-Ochsner-Stück «Vermisst».

Klar, dass das Publikum nach einer Zugabe rief. Und irgendwie auch klar, dass die W-Nuss nicht fehlen durfte. Nach wundervoll wertschätzenden Dankesworten seitens Vonarburg an das Publikum, seinen Vorstand, den Gönnern und Sponsoren und an seine Frau Petra, die selber in den Reihen der Band sitzt, blieb kurz Zeit, um sich die Tränen wegzuwischen und dann bekam das Publikum seine W-Nuss. Und die zweite Zugabe und damit das letzte Stück machte noch mal deutlich, dass hier eben nicht Mitglieder eines Musikvereins, sondern Musiker auf der Bühne stehen. «Sweet Home Chicago» ist die perfekte Nummer für allerlei Soli, Improvisationen, Spielereien auf der Bühne und denen frönte die Band noch mal so richtig. Perfektes i-Tüpfelchen: Der Nachfolger und neue Bandleader Daniel Rapold war mit dabei und spielte mit seiner Trompete das letzte Solo des Konzertes. Ein wunderbarer und viel versprechender Übergang in eine neue Ära des Opus One Orchestra.