Oensingen

Jahres-Abos für den Ortsbus sind nicht mehr kostenlos

Schülerinnen und Schülern tragen wesentlich zur guten Auslastung des Oensinger Ortsbusses bei.

Schülerinnen und Schülern tragen wesentlich zur guten Auslastung des Oensinger Ortsbusses bei.

Der Gemeinderat will die Kosten der Schülerabonnements für den Oensinger Ortsbus in den Griff bekommen. Das bedeutet, dass die Abos nicht mehr gratis abgegeben werden. Künftig sollen die Eltern ein Gesuch stellen und auch die Hälfte der Kosten übernehmen.

Die Oensinger Bevölkerung will einen Ortsbus: Dies kam an der im Juni 2016 durchgeführten Gemeindeversammlung mit 99 Stimmberechtigten deutlich zum Ausdruck. 69 Personen sprachen sich für die Fortführung des damals seit drei Jahren laufenden Pilotprojektes aus und genehmigten dafür einen Kredit von 23'100 Franken. Bewilligt wurden diese jährlich wiederkehrenden Kosten zulasten der Gemeinderechnung.

Der Gemeinderat hatte damals auch erwähnt, dass sich die Gemeinde berechtigte Hoffnungen machen könne, dass der Ortsbus vom Kanton ins Grundangebot aufgenommen wird und damit mit Zuschüssen gerechnet werden könne.

Ortsbus neu im Regelangebot

Dieses Ziel wurde zwischenzeitlich erreicht, wie Gemeindepräsident Markus Flury an der letzen Sitzung des Gemeinderats in alter Zusammensetzung erwähnte. Der Ortsbus sei vom Kanton mit einem Betrag von 188'000 Franken ins Globalbudget aufgenommen worden. Damit werde die Gemeindekasse stark entlastet. Wie sich das netto auf die für die Gemeine verbleibenden Kosten auswirken wird, kann erst nach Ablauf des ersten Betriebsjahres genau beziffert werden. «Auf das Erreichte dürfe man stolz sein», so Markus Flury.

Erreicht wurde dies nicht zuletzt auch wegen der Schüler, welche mit der Nutzung des Ortsbusses nicht unwesetlich dazu beitrugen, dass dessen durchschnittliche Auslastung pro Kurs bei 13 Personen zu liegen kam. Allerdings anfänglich zu einem sehr hohen Preis für die Gemeinde, wie ein Rückblick zeigt. Mit der Aufnahme des dreijährigen Pilotprojektes für den Ortsbus hatte die Gemeindeversammlung im Juni 2013 beschlossen, sämtlichen Schülerinnen und Schüler ein Jahresabonnement zur Verfügung zu stellen.

Horrende Kosten im ersten Jahr

Der Gemeinderat fiel aber aus allem Wolken, als im ersten Betriebsjahr des Ortsbusses 187 Jahres-Abos herausgegeben wurden, was Kosten von knapp 100'000 Franken verursachte. «Wir gingen von etwa 47 Abos aus», erinnert sich der Leiter Bau Andreas Affolter. In der Folge wurde das Angebot auf die Abgabe von Mehrfahrtenkarten für die Zone 1 reduziert, mit der Option auf ein Jahresabo bei einer Nutzung der Mehrfahrtenkarte über einen Monat. Aus Kostengründen musste der Rat auch diese Varitante wieder fallen lassen. Im August 2015 beschloss er, nur noch Mehrfahrtenkarten abzugeben. Dies mit dem Ziel, dafür jährlich maximal 25'000 Franken auszugeben.

Auch diese Vorgabe kann nicht eingehalten werden, wie an der Sitzung im Gemeinderat festgehalten wurde. Im laufenden Jahr sind für abgegebene Mehrfahrtenkarten wiederum bereits Kosten von 21'000 Franken angelaufen. Der unbedachte Umgang mit den Mehrfahrtenkarten ist wohl mit ein Grund für diese hohen Kosten. «Was nichts kostet, ist offenbar auch nichts wert», wurde dazu bemerkt. So gibt es einige Schüler, die bereits über 90 Mehrfahrtenkarten bezogen haben. Zudem sei es praktisch unmöglich, Missbräuchen auf die Spur zu kommen oder herauszufinden, wer Mehrfahrtenkaten beziehe, diese aber selten oder gar nicht benutze, so Stimmen im Rat.

Jahres-Abo nur noch mit Gesuch

Im Gemeinderat wurde mit gewissen Bedauern festgestellt, dass die aktuelle Lösung nicht genügt, um die Kosten wirklich in den Griff zu bekommen. Deshalb wurde beschlossen, dass Eltern künftig ein Gesuch für die Bewilligung eines Beitrags der Gemeinde an das Schüler-Abos einreichen müssen. Zur Auswahl steht eine Variante, bei welcher sich die Gemeinde zur Hälfte am aktuell 580 Franken teuren Jahres-Abo beteiligt.

Die andere Hälfte dieses Betrags muss von den Eltern am Schalter der Einwohnergemeinde bezahlt werden. Bei der zweiten vom Rat bewilligten Variante werden pro Schuljahr maximal 18 Mehrfahrtenkarten im Wert von 295 Franken kostenlos abgegeben werden. Auf einmal können nur sechs Mehrfahrtenkarten bezogen werden. Zu Kontrollzwecken wird eine Liste der Bezüger geführt.

Der Entscheid wurde im Gemeinderat nach längerer Beratung mit einer Gegenstimme gefällt. Vorgängig war auch in Erwägung gezogen worden, die Entscheidung dem neuen Gemeinderat zu überlassen. Dies hätte allerdings zu Folge, dass der neue Gemeinderat an seiner ersten Sitzung sogleich einen Nachtragskredit für die Monate August, September und Oktober für die Schüler-Abos hätte sprechen müssen.

Mit Blick auf das kommende Schuljahr einigte sich die Ratsmehrheit schliesslich darauf, das neue System auf dieses auf dieses Datum hin einzuführen. Der Gemeinderat hofft, dass der Ortsbus trotz dieser Massnahme auch künftig von den Schülerinnen und Schüler genutzt wird. Wenn deswegen wieder mehr
Eltern-Taxis zum Schulhaus fahren würden, sei niemanden gedient.

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