Cabaret Löwen
Ist im Balsthaler Cabaret bald Schluss mit lustig?

25 Jahre lang betrieb Brigitte Honauer das Cabaret Löwen in Balsthal. Nun will sie den «Löwen» allerdings verkaufen. Wenn der «Löwen» in neue Hände kommt, will die Gemeinde dort allerdings kein Sexgewerbe mehr dulden.

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Die Herrengasse in Balsthal: Rechts das Cabaret Löwen, schräg gegenüber neben der St.-Ottilien-Kapelle das «Pöstli», wo ein Etablissement geplant war.

Die Herrengasse in Balsthal: Rechts das Cabaret Löwen, schräg gegenüber neben der St.-Ottilien-Kapelle das «Pöstli», wo ein Etablissement geplant war.

Alois Winiger

Herrengasse – die Adresse des Gasthofs zum Löwen in Balsthal könnte kaum besser zu dem passen, was dort angeboten wird. Denn es ist längst kein Gasthaus mehr im üblichen Sinne, sondern ein Cabaret, das Herren zu erotischen Abenteuern einlädt.

Wie lange das noch so bleibt, ist jedoch offen, denn die Besitzerin Brigitte Honauer will das Haus verkaufen. Offen ist ferner, ob in diesem Haus nach dem Verkauf weiterhin ein Sexgewerbe möglich ist, denn es steht in der Kernzone von Balsthal.

Betrieb konnte weiterlaufen

Die Gemeinde hat vor einigen Jahren das Zonenreglement dahingehend geändert, das in der Kernzone kein Sexgewerbe mehr zulässt. Auslöser war, dass im ehemaligen «Pöstli» – schräg gegenüber vom «Löwen» – ein Bordell eröffnet werden sollte.

Der «Löwen» wäre davon ebenfalls betroffen gewesen, der Betrieb konnte aber aufgrund des Besitzstandschutzes weiterlaufen. Für die Liegenschaft «Löwen» gebe es sehr wohl Interessenten, sagt Brigitte Honauer.

«Das Gebäude wirkt doch sehr attraktiv, verfügt neben dem Cabaret über 12 Zimmer und ein riesengrosses Dachgeschoss, das leider nicht genutzt wird. Aber man muss auch wissen, dass das Haus sanierungsbedürftig ist.» Der «Löwen» gilt als das älteste Gasthaus in Balsthal, gemäss der «Dorfgeschichte» des Historikers Hans Sigrist wurde es im Jahr 1459 erstmals erwähnt.

Als Geschäftsfrau geachtet

Vor 25 Jahren hat Brigitte Honauer das Cabaret zusammen mit ihrem damaligen Freund übernommen, seit 1994 führt sie es alleine. In Balsthal war man wenig erfreut darüber, dass sich im altehrwürdigen «Löwen» ein Sexgewerbe etablierte.

Doch Brigitte Honauer schaffte es, als Geschäftsfrau geachtet zu werden. «Die hat ihren Laden im Griff», heisst es noch heute im Dorf. Auch vonseiten der Gemeinde wird ihr attestiert, dass es nie zu Beanstandungen gekommen sei. Nun, da sie das Pensionsalter vor einigen Jahren erreicht hat, will Brigitte Honauer ihr Geschäft aufgeben. «Die Zeit des Cabarets ist vorbei», sagt sie. «Viele Männer wollen heute kein Geld mehr ausgeben für Ambiance, wie man sie im Cabaret hat, sie wollen nur schnellen Sex und möglichst billig.»

Welches Recht gilt nun?

Wer das Haus nun kaufen wird, ist der Besitzerin grundsätzlich egal, der Preis müsse einfach stimmen. Der Gemeinde Balsthal hingegen ist es nicht ganz egal. «Wir wollen dort keinen Sexbetrieb mehr», sagt Gemeindeschreiber Bruno Straub.

«Das neue Zonenreglement untersagt das ganz klar. Nach dem Verkauf muss sich der neue Besitzer oder die neue Besitzerin an die aktuellen, rechtsgültigen Zonenvorschriften halten.»

Beim Kanton tönt es ein wenig anders: «Im Normalfall bezieht sich eine Baubewilligung auf ein bestimmtes Gebäude und eine konkrete Nutzung, jedoch nicht auf eine Person. Es herrscht Besitzstandsschutz», erklärt Christoph Schläfli, Leiter Rechtsdienst im Baudepartement.

«Wenn der Betrieb beziehungsweise die Nutzung nach einem Handwechsel in derselben Form weiterläuft wie bisher, so wird es schwierig, die Bewilligung zu entziehen.» Schläfli weist jedoch darauf hin, dass die örtliche Baubehörde eingreifen kann, wenn am Haus oder am Betrieb etwas geändert werden sollte.

Genau damit wird wohl zu rechnen sein, jedenfalls wenn man an die Aussage von Brigitte Honauer denkt, wonach das Haus sanierungsbedürftig ist. Sie habe es nicht grundsätzlich eilig, zu verkaufen. «Das kann auch noch ein oder zwei Jahre dauern. Aber wenn nächste Woche ein gutes Angebot vorliegt, so greife ich zu.»