Kaminfeger-Monopol

Ist der Traum vom eigenen Geschäft für diesen Kaminfeger geplatzt?

Tobias Häfliger wollte das gut gehende Geschäft seines in Pension gehenden Chefs übernehmen.

Tobias Häfliger wollte das gut gehende Geschäft seines in Pension gehenden Chefs übernehmen.

Der angehende Oensinger Kaminfegermeister Tobias Häfliger sieht sich als Opfer des Kaminfeger-Monopols. Eigentlich wollte er das Geschäft seines in Pension gehenden Chefs in Däniken übernehmen. Nun soll dieser Kaminfegerkreis aufgelöst werden.

Tobias Häfliger aus Oensingen versteht die Welt nicht mehr. Noch bis Ende letzter Woche war der 23-Jährige der festen Überzeugung, im kommenden Jahr das Geschäft seines in Pension gehenden Chefs Herbert Biedermann in Däniken übernehmen zu können.

Am Montag haben sich diese Hoffnungen zerschlagen. Die Solothurnische Gebäudeversicherung, zuständig für das Kaminfegerwesen im Kanton Solothurn, trägt sich nämlich mit der Absicht, den von Kaminfegermeister Herbert Biedermann betreuten Kreis 13 mit den Gemeinden Wöschnau-Eggenberg, Winznau, Däniken, Dulliken, Gretzenbach, Walterswil und Schönenwerd aufzuheben. Dieser soll aufgrund der Marktentwicklung auf die Kaminfegerkreise der Amtei Olten-Gösgen aufgeteilt werden.

Häfliger kann diesen Entscheid nicht nachvollziehen, zumal Herbert Biedermann die Gebäudeversicherung schriftlich davon in Kenntnis gesetzt habe, dass sein ehemaliger Lehrling nun die Meisterprüfung anstrebe und deshalb prädestiniert sei, sein Geschäft zu übernehmen.

«Deshalb hat mein Chef auch die Finanzierung meiner Ausbildung übernommen, das ist nicht selbstverständlich», findet Häfliger. Dem jungen Berufsmann fehlt nur noch ein Modul, bis er dann die Meisterprüfung per Ende Jahr mit der Diplomarbeit abschliessen kann.

13 Jahre Aufbauarbeit gehen verloren

Herbert Biedermann, der den Kreis 13 seit 2002 führt, will die jüngste Entwicklung nicht kommentieren und auch die Gebäudeversicherung nicht kritisieren. «Enttäuscht bin ich natürlich schon, dass nun die ganze Infrastruktur, die wir während 13 Jahren aufgebaut haben, einfach so verloren gehen soll.» An Arbeit hat es aus Biedermanns Sicht in der Vergangenheit nicht gefehlt. Der Kreis 13 umfasse rund 5000 Liegenschaften.

Wenn der Kaminfegermeisterkreis 13 wirklich aufgelöst wird, würden sich nicht nur Tobias Häfligers Träume bezüglich der Übernahme des Geschäfts seines Chefs in Luft auflösen. Auch die Firma selbst würde nach Biedermanns Pensionierung im März 2015 ihre Pforten schliessen. Die vier Angestellten können sich dann bei einem der benachbarten Kaminfegerkreise um eine Anstellung bemühen.

Eine Vorstellung, die Tobias Häfliger Sorgen bereitet, weil er dann im Kanton Solothurn nicht als Kaminfegermeister arbeiten könnte. Diese Position ist nach kantonalem Recht gegenwärtig den zwölf gewählten Kaminfegermeistern vorbehalten.

Eine Chance, einen solchen Posten zu übernehmen habe er nur, wenn einer dieser Kreisinhaber altershalber aufhöre. Das könne aber locker vier bis sechs Jahre dauern und auch dann sei nicht sicher, ob er wirklich berücksichtigt werde.

$Abhilfe könne nur mit der Auflösung des Kaminfeger-Monopols geschaffen werden, glaubt Häfliger. «Dann könnte ich mein eigenes Geschäft gründen.» Deshalb unterstütze er auch die Bestrebungen des Oltner SVP-Kantonsrats für die Aufhebung des Kaminfeger-Monopols.

Höhere Preise wahrscheinlich

Eine Liberalisierung würde zudem dem Berufsstand des Kaminfegers auch Vorteile bescheren, zeigt sich Häfliger überzeugt. So würde nicht nur mehr Wettbewerb unter den Kaminfegern geschaffen, sondern auch gewährleistet, dass sich kompetente und initiative Berufsleute weiterentwickeln könnten. Beispiele dafür gebe es in anderen Kantonen. Allerdings würden dann wohl auch die Preise für die Kunden steigen, räumt Häfliger ein.

Diese Einschätzung teilt auch Adrian Stoll, der seit 13 Jahren bei Herbert Biedermann als Kaminfeger arbeitet. Ihn störe auch, dass die Auflösung des Kreises 13 bereits vor der Information durch die Gebäudeversicherung durchgesickert sei, sagt der 53 Jahre alte Präsident des Schweizerischen Kaminfeger-Gesellenverbandes Sektion Solothurn. Was er nach der Auflösung des Geschäfts machen wird, wisse er noch nicht. Er würde wohl, sofern er das möchte, von einem Nachbarkreis übernommen.

Unentschlossen ist auch Tobias Häfliger. Wenn sich im Kanton nichts bewege, werde er sich wohl neu orientieren und in der Heizungsbranche einen Job suchen. Dort seien Kaminfeger sehr gefragt. Noch hoffe er aber, dass die Politik die Weichen für eine Liberalisierung stelle.

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