Kestenholz
Irrwisch begeistert das Publikum mit rockigen und besinnlichen Klängen

Nach neun langen Jahren gab die Band Irrwisch wieder ein Christmas Concert vor heimischem Publikum, dieses Mal unter der Schirmherrschaft von St. Peter at Sunset. Die Kirche in Kestenholz war bis auf den allerletzten Platz besetzt.

Marina Stawicki Stalder
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Irrwisch vermochte das Publikum zu fesseln.

Irrwisch vermochte das Publikum zu fesseln.

HR.Aeschbacher

Tosender Wind, raschelnde Blätter, prasselnder Regen und Donnergrollen – in die erwartungsvolle Stimmung und Vorfreude mischt sich ein Hauch von Düsterkeit. Die Kerzen flackern bedrohlich. Mit dem Einspielen der ersten Töne der eigenen Komposition erhält die Szenerie schnell eine festliche Note. Die Musik scheint wie für ein grosses Filmepos geschaffen. Die Musiker betreten bedächtig den Altarraum. Die Stimme von Steff Bürgi durchdringt, zunächst ohne jegliche Begleitung, die Kirche.

Und schon sind die Anwesenden mittendrin in «Stone and a Rose», einem grossen Projekt von Irrwisch, an dem sie bereits seit Monaten arbeiten. An die Ouvertüre und den eigentlichen Beginn reiht sich das Thema des umfassenden Stücks, das zwischendurch immer wieder unverkennbar hervortönt. Eine Geschichte wird erzählt und alle Musikerinnen und Musiker sind in den verschiedenen Teilen mit eingebunden. Sie sind voll in ihrem Element, jeder für sich, und miteinander – ein eingespieltes Team.

Die jahrelange Zusammenarbeit wird spürbar, ist deutlich zu sehen und zu hören. Durch die sich abwechselnden rockigen und besinnlichen Passagen werden die beiden Symbole des Steins und der Rose versinnbildlicht, das Harte, Scharfkantige und das lieblich Weiche wird in Einklang gebracht.

Zum 40. Geburtstag der Band, der schon bald ansteht, ist geplant, «Stone and a Rose» mit einem Orchester zu realisieren und eine CD zu veröffentlichen. Das Publikum in der Kirche durfte eintauchen in dieses Projekt und darf sich auf die nächsten Schritte freuen.

Mit «Irrwisch at Sunset» hatte 2005 draussen auf dem Feld bei der St.-Peters-Kapelle für die erfolgreiche Open-Air-Organisation «St. Peter at Sunset» alles begonnen. Damals noch vor einer überschaubareren, kleinen Tribüne, spielte Irrwisch seine bekanntesten Hits und vermochten zu begeistern. So auch im zweiten Teil des «Christmas Concerts». Der Titelsong des Albums von 1982 «Living in a Fool’s Paradise» liess die Besucherinnen und Besucher mit zufriedenen Gesichtern in alten Erinnerungen schwelgen.

Bei «Princess on Your Cloud» (1981) liessen sie sich sofort zum Klatschen animieren. Es folgten drei für Irrwisch typische und bekannte instrumentale Stücke, an denen sie für das aktuelle Konzert wieder neu gefeilt haben. Die Freude an der Musik steht ihnen auch nach all den Jahren ins Gesicht geschrieben. Schön zuzusehen, wie beispielsweise Chris Bürgi bei den Gitarrenriffs von «In Search of» (1981) mit Spass und voller Elan bei der Sache war.

Bei den beiden eingängigen Balladen «Time Will Tell» (2002) und «Think I’m Crazy» (1991) stellte die First Lady unter den Sängerinnen, wie Sabine Hasler insgeheim genannt wird, ihr Können unter Beweis und beeindruckte mit der schönen Klangfarbe in ihrer Stimme. Bereits neigte sich das Konzert dem Ende zu und das, wie Steff Bürgi selber wehmütig anmerkte, nachdem man sich so lange auf diesen Moment in der Kirche «vor den Türen des langjährigen Proberaums», dem Angelpunkt und Kraftort, gefreut hatte.

Da war der Titel des vorerst letzten Stücks «No More Than I Can Say» (1988) bezeichnend. Noch einmal standen bei einem der stimmigsten und komplettesten Lieder von Irrwisch alle gemeinsam auf der Bühne: Die Backgroundsängerinnen Evelyne Brogli, Marianne Iseli-Henzi und Sabse Kaufmann, Solosängerin Sabine Hasler, Adrian Wirz (Bass), Josef Kissling (Drums), Andi Hürzeler (Saxofon), Chris Bürgi (Gitarre) und Steff Bürgi (Vocals und Keyboard).

Am Ende durften das allseits beliebte und umjubelte «First Time» (1989) und der «Christmas Song» (1996) nicht fehlen, bevor die Frauen und Männer jeglichen Alters voller Eindrücke und endgültig in Weihnachtsstimmung wieder hinaus in die Nacht entlassen wurden.