Seit bekannt ist, dass der Bund Oensingen die IC-Verbindungen wegnehmen will, schlagen die Behörden Alarm. Oensingen will sich das nicht bieten lassen. Doch alles der Reihe nach. In einer bundesrätlichen Vernehmlassung war zu lesen, dass im Zusammenhang mit dem 11,9-Milliarden-Franken-Projekt «Bahn-Ausbauschritt 2035» zwar durchaus Vorteile für Oensingen entstehen, es sind dies:

  • Es wird eine neue SBB-Haltestelle im Ortskern
  • Der Halbstundentakt des Regio-Express Richtung Olten, respektive Solothurn, wird eingeführt.

Dies wären effektiv Punkte, mit denen die Oensingerinnen und Oensinger leben könnten, wie sich die Behörden sicher sind. Doch beim nächsten Punkt endet die Geduld: «Wegfall des IC-Halts in Oensingen». Hiermit sei ein wesentlicher Standortvorteil Oensingens, ja sogar des ganzen Gäus, des Thals, des Oberaargaus mit dem Bipperamt bedroht. Man dürfe nicht vergessen, dass der Bahnhof Oensingen auch Anschlüsse an die Oensingen-Balsthal-Bahn (OeBB) sowie die Aare-Seeland-Mobil (asm) zahlreiche Buslinien aufweise und somit nebst Olten ein wichtiger Eisenbahn-Drehpunkt des Kantons Solothurn sei, ist Gemeindepräsident Fabian Gloor (CVP) überzeugt.

«Komitee wird überregional sein»

Gloor (CVP) wurde nun an der letzten Sitzung damit beauftragt, ein Komitee zu gründen. Dessen Aufgabe lautet: «Erhalt des Fernverkehrs des Intercity-Zuges in Oensingen mindestens im Stundentakt». Der Rat übertrug Gloor die vollumfängliche Handelsfreiheit für dieses Vorhaben. Doch wie soll es jetzt weitergehen? Fabian Gloor erklärt auf Anfrage dieser Zeitung: «Das Komitee wird überregional sein, wir befinden uns gegenwärtig auf Mitgliedersuche und sind im Gespräch mit zahlreichen Personen. Die Signale, die ich bisher diesbezüglich erhielt, waren alle unterstützend.»

So habe er bereits mit verschiedenen Gemeindepräsidenten der Region gesprochen und werde deswegen noch viele weitere Amtsträger angehen. In seiner Funktion als Kantonsrat werde er sich ebenso für das Anliegen starkmachen, versichert Gloor, denn: «Es geht um die ganze Region Thal, Gäu, Oberaargau und Bipperamt.» Da müsse man sämtliche Möglichkeiten ausloten. «Wir werden mit grosser Sicherheit Unterschriften für eine Petition sammeln und entsprechende Vorstösse einreichen», verspricht Gloor verunsicherten Pendlern. Über allfällige Auswirkungen der IC-Streichung will er allerdings nicht reden: «Das wäre wie Kaffeesatzleserei, denn es soll gar nicht erst soweit kommen.»

Ein erfahrener Pendler berichtet

Gemeinderat Theodor Hafner (FDP, Ressort Soziales) kann über das SBB-Vorhaben auch nur den Kopf schütteln. Er selbst pendelte 27 Jahre lang jeden Tag von Oensingen nach Zürich und weiss aus eigener Erfahrung: «45 Minuten Arbeitsweg bis Zürich, das ist eines unserer wichtigsten Argumente bezüglich Standort-Politik.» Bekanntlich pendelten sehr viele Einwohnerinnen und Einwohner Oensingens Richtung Zürich, einige auch Richtung Grenchen und Biel. Hafner befürchtet, dass wenn die IC-Verbindung gestrichen würde, zögen viele gut verdienende Pendler vom Ort weg, die bislang günstige Wohnmieten zu schätzen wussten.

Aus eigener Erfahrung weiss Hafner: «Fährt kein IC, muss der Pendler morgens zunächst nach Olten, um dann den Anschlusszug zu erwischen. Allein da verliert man schon 25 wertvolle Minuten wegen Umsteigens.» Das sei zu lange. Zudem werde oft vergessen, dass die fragliche Verbindung bis Zürich-Flughafen reiche. Auch da sei mühsames Umsteigen zu erwarten. Falls es wirklich soweit kommen würde und in Oensingen kein IC mehr halte, sei dies für die ganze Region schlecht. Dabei denke er schon nur an die tägliche Flut der Pendler von Balsthal her, wie er es täglich selbst sah. Es seien sehr viele. Zudem weist er darauf hin, dass die SBB im nächsten Jahr den Bahnhof für rund 19 Millionen Franken sanieren wird.