Balsthal
Innere Welten erkennbar machen: Jurassierin präsentiert ihre Werke in der Galerie Rössli

Innere Welten – rätselhaft und doch erkennbar: Mit neuen Arbeiten ist die Malerin Christiane Dubois in der Galerie Rössli präsent. Bis Anfang September stellt die in La Chaux-de-Fonds geborene Jurassierin ihre Werke nun in Balsthal aus.

Eva Buhrfeind
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Christiane Dubois vor ihren neuesten Arbeiten.

Christiane Dubois vor ihren neuesten Arbeiten.

Eva Buhrfeind

Vertraut geblieben ist die gestische Expressivität ihrer Bildsprache. Auch in diesen neuen Arbeiten reflektiert Christiane Dubois mit den aus dem Inneren geführten linearen Bewegungen, den energetischen, brüchigen Farbaufträgen und einer mehrschichtigen Zeichenhaftigkeit sensible Erfahrungen und Wahrnehmungen.

Die Malerei der 1947 in La Chaux-de-Fonds geborenen und an der dortigen Schule für angewandte Kunst ausgebildeten Künstlerin ist über das persönliche Gestaltungsmittel hinaus auch ein Experimentierfeld. Mit Pinsel und Farbe, mit Tusche und/oder Acryl, auf Leinwand aufgezogenem Japanpapier lotet sie ihre Gedanken zur Natur, zur Umwelt, aber auch Eindrücke, Gesehenes, Poetisches mit einer informellen Bildsprache aus. Da berühren die «Héron», die Reiher, mit kalligrafischen Pinselschwüngen grosszügig auf das Papier gebracht, in ihrer Einfachheit.

Die klein-formartigen Spiralen hingegen im zweiten Raum lesen sich wie Fingerübungen, Etüden und Inspiration der grossformatigen Malereien. Farbe und Bewegungen wachsen im malerisch-zeichenhaften Prozess zu körperhaften Formen, in sich dezent rotierenden Rippenhüllen, figürlich reduziert, aber durchaus präsent. So als wenn sie mit ihrer Leichtigkeit die initiale bildgestalterische Grundidee zu den grossformatigen energischen Arbeiten formulieren.

Im Auge des Orkans, den Naturkräften ausgesetzt

Vor allem in der Serie «L’œil du cyclone» offenbart sich die kompositorische Bildentstehung Christiane Dubois’: Mit der dunklen Farbe beginnen, anschliessend ruhen lassen, je nach Impression die Farbpalette erweitern, weiterfahren, bis die malerische Absicht, die Definition eines Bildthemas erreicht ist. Eine dynamisch sich ergebende, expressive, gleichzeitig in sich ruhende Metamorphose von der ersten malerischen Geste zu einer Geologie innerer Strukturen und künstlerischer Schichtungen.

Zuerst kommt die rein malerische Geste, der bewegte Farbauftrag auf das transparente Japanpapier. Daraus entwickeln sich allmählich die formalen Begebenheiten. Die Farben kommen ins Bild, rück- wie vorderseitig aufgetragen, fordern diese malerische Dynamik heraus, fügen sich – wie in einer offenen Komposition – zu assoziativen Bildideen. Und so liest man die Zyklone als allegorisch komprimierte Augen des Orkans, als Sinnbild drohender Naturkatastrophen, als verbindenden Ausdruck einer gefährdeten Natur und deren vehementen Kräften.

Überhaupt sind Dubois’ Arbeiten, die Künstlerin lebt im jurassischen Les Bois, geprägt von Impressionen und abstrahierten Reflexionen. Auch wenn die mit grauer und weisser Acrylfarbe aufdemPapierröntgenartigkonturierten Köpfe der Serie «Passant» das Naturhaft-Ursprüngliche des Figurativen betont, es geht der Künstlerin immer auch um die persönliche malerische, wandelbare Entfaltung aus Geste, Farbe und bewegten Formen. Schritt für Schritt, Pinselstrich für Pinselstrich öffnet sie die Köpfe, lässt die Betrachtenden innere Welten erahnen, transparent und rätselhaft zugleich.

Hinweis

Bis 6. September. Geöffnet Fr 18-21 Uhr; Sa 15-18 Uhr; So 11-14 Uhr.