Streit

Initianten, Gegner und Experten: Das sind die Hauptrollen im Thaler Wisent-Theater

Das Objekt des Streites: Der Wisent, das grösste europäische Landtier, welches im Thal wieder angesiedelt werden soll.

Das Objekt des Streites: Der Wisent, das grösste europäische Landtier, welches im Thal wieder angesiedelt werden soll.

Seit mehr als zwei Jahren wird darüber gefachsimpelt und gestritten, ob, wann und wie eine Wiederansiedlung einer Testherde von Wisenten im Jura sinnvoll ist. Wir haben uns die Hauptprotagonisten dieses Streits mal näher angesehen.

Stefan Müller-Altermatt: Der Initiant

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Sein Rollenprofil: Als Präsident des Vereins Wisent Thal, der 2017 gegründet wurde, steht der Biologe, Herbetswiler Gemeindepräsident und CVP-Nationalrat in vorderster Schusslinie der Wisent-Gegner. Dank seines starken Willens, den guten Kontakten in Forscher- und Politkreisen, konnte er dem Projekt zum Durchbruch verhelfen, auch wenn er sich im Nationalratswahlkampf nervte, auf sein Wisent-Engagement reduziert zu werden. Müller-Altermatt ist zuversichtlich, dass das Wild-Gehege bald Wirklichkeit wird, denn das Bau- und Justizdepartement sowie die Regierung des Kantons Solothurn haben dafür die Bewilligungen erteilt.


Edgar Kupper: Der Gegner

Edgar Kupper, Kantonsrat (CVP), Gemeindepräsident Laupersdorf

Edgar Kupper, Kantonsrat (CVP), Gemeindepräsident Laupersdorf

Sein Rollenprofil: Gegner-Hauptstratege, Landwirt, CVP-Gemeindepräsident von Laupersdorf und politischer Berater im Solohurnischen Bauernverband. Kupper ist seit Beginn vehement gegen die Wildtieransiedlung. Mit Luchs und Wildschwein hätten Jäger und Bauern schon genug Störenfriede, die ihnen zu schaffen machen. Vor allem die heute noch unbezifferbaren Schäden, welche die Wisente verursachen werden, machen ihm Sorgen. Denn die Haftungsfragen seien nicht geklärt. Kupper weiss eine grosse Zahl Bauern und Jäger hinter sich und wird den Wildtier-Versuch wenn es sein muss, bis zur letzten Gerichtsinstanz zu verhindern versuchen.

Otto Holzgang: Der (neutrale) Experte

Otto Holzgang, Geschäftsführer Wisent-Park

Otto Holzgang, Geschäftsführer Wisent-Park

Sein Rollenprofil: Der wissenschaftliche Projektleiter versucht, eine so gut wie möglich neutrale Rolle im Verein Wisent Thal einzunehmen und die Wiederansiedlung durch Fakten zu begründen. Im März 2019 übernahm der aus den Medien bekannte Luzerner Wildtierbiologe das Amt des Projektleiters von Darius Weber, nachdem dieser es in einem Zeitungsinterview mit den Thaler Landwirten verscherzt hatte. Derzeit bereitet der Verein den Bau des Zaunes sowie die dafür notwendigen Einrichtungen vor, schreibt Holzgang in der letzten «Wisent-Post». Scheinbar hat er mit seiner unaufgeregten Art einige Gegner überzeugen können.

Benjamin Brunner: Der Ranger

Benjamin Brunner, Wisent-Ranger

Benjamin Brunner, Wisent-Ranger

Sein Rollenprofil: Auf einem Teil seines Landes soll die erste Wisentherde zu Hause sein. Der andere Landbesitzer ist die Bürgergemeinde Solothurn. Benjamin Brunner und seine Ehefrau Therese, die Gemeindepräsidentin von Welschenrohr ist, müssen sich seit Bekanntwerden des Vorhabens immer wieder mit Gegnern und Befürwortern auf allen Ebenen auseinandersetzen. Sie müssen also über ein dickes Fell verfügen, denn beide schaffen es, dem Projekt seit Beginn die Treue zu halten. Benjamin Brunner wird nach dem Start des Versuchs die Wisente betreuen; Theres Brunner weiss ihren Gemeinderat mehrheitlich hinter dem Projekt.


Peter Brügger: Der «Einmischer»

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Sein Rollenprofil: Der Sekretär des Solothurner Bauernverbandes, wohnhaft in Langendorf, und «Chef» von Edgar Kupper ist einer, der derzeit am lautesten gegen die Wisent-Ansiedlung anschreibt. Er hat sich dazu hinreissen lassen, in zwei ausführlichen Editorials des Newsletters des Solothurnischen Bauernverbandes SOBV die Schäden, die im Feld und Wald von der Wisentherde verursacht würden, zu beschreiben und die rechtlichen Abläufe des Bewilligungsverfahrens beim Kanton in Frage zu stellen. Den aktuellen Sorgen der Landwirtschaft zum Trotz: Beim
Solothurner Bauernverband scheint der Wisent eines der Mega-Themen zu sein.


Thaler und Nicht-Thaler-Volk: Die Phrasendrescher

Komparsen: Da gibt es stärker Betroffene, weil Landanstösser; etwas Betroffene, weil Jäger, Wanderer oder Freizeitsportler; wenig Betroffene, die ihre Argumente nur vom Hörensagen herleiten; und die gar nicht Betroffenen, die sich aber dennoch berufen fühlen, ihre Meinung zum Wisent in allen möglichen Kommunikationskanälen auszubreiten, nur weil sie von Dritten von dieser Ansiedlung gehört haben. Es ist also höchst interessant: Je weniger direkt betroffen man ist, desto unqualifizierter kommt die Kritik daher. Es gibt auch diejenigen, die sich diesen einmaligen Vorhaben nicht verschliessen und darin auch Chancen sehen. Sogar als Thaler.

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