Fleischverarbeiter Bell

In Oensingen entsteht ein neues Zentrum für Frischfleisch

Auf dem Areal vor dem Rohbau im Hintergrund will Bell die Infrastruktur für die Schweineverarbeitung sowie die Aufbereitung und Kommissionierung von Frisch- und Tiefkühlprodukten realisieren.

Auf dem Areal vor dem Rohbau im Hintergrund will Bell die Infrastruktur für die Schweineverarbeitung sowie die Aufbereitung und Kommissionierung von Frisch- und Tiefkühlprodukten realisieren.

Der Fleischverarbeiter Bell stärkt mit dem Umzug der Schweinezerlegerei den Standort im Gäu. Durch den Standort will man wertvolle Synergien mit dem bestehenden Bell-Produktionsbetrieb an der Dünnernstrasse nutzen.

Nun ist es definitiv: Die Bell Schweiz AG verlegt die in Basel domizilierte Schweinezerlegerei nach Oensingen. Eigentlich wollte Bell diesen Schlachthof zuerst in Niederbipp bauen, musste diese Pläne aber aufgeben, nachdem sich die Gemeindeversammlung der Nachbargemeinde von Oensingen 2011 gegen die dafür notwendige Umzonung der Stockmatt ausgesprochen hatte (wir berichteten).

Dass Oensingen deswegen für Bell nur zweite Wahl ist, stellt Bell-Mediensprecher Davide Elia klar in Abrede. Für den Standort Niederbipp habe man sich damals interessiert, weil dort die grössere Parzelle zur Verfügung gestanden hätte. Für Bell ändere sich mit dem Bau der Schweinezerlegerei in Oensingen kaum etwas, weil sich die zwei Parzellen in unmittelbarer Nachbarschaft befänden, so Elia.

Nutzung von Synergien gab Ausschlag

Bell hat diesen Standort ausgewählt, weil damit wertvolle Synergien mit dem bestehenden Bell-Produktionsbetrieb an der Dünnernstrasse in Oensingen geschaffen werden können. Im Rahmen des bis 2025 laufenden Investitionsprogramms soll Oensingen nun zum schweizweit wichtigsten Standort für Frischfleisch ausgebaut und gleichzeitig auch der Standort Basel gestärkt werden.

Dort sollen neue Werke für Charcuterie, Seafood sowie ein Verwaltungsgebäude mit einem Parkhaus gebaut werden. Bell investiert in das Gesamtprojekt rund 500 Mio. Franken. Wie viel davon in Basel respektive in Oensingen investiert wird, ist noch offen, weil für die beiden Projekte bislang nur Vorstudien gemacht wurden, wie Elia dazu bemerkt.

Nun wird die Detailplanung an die Hand genommen. In Oensingen soll neben der erwähnten Ansiedlung der Schweinezerlegerei auch ein Werk für die Aufbereitung und Kommissionierung von Frisch- und Tiefkühlprodukten gebaut werden. Für diese zwei Bereiche will die Bell Schweiz AG auf der in ihrem Besitz befindlichen Parzelle Holinden an der Südringstrasse die dafür nötige Infrastruktur realisieren. Die Anzahl der Gebäude, die der Fleischverarbeiter auf dem 65 000 m2 grossen Areal bauen wird, ist gemäss dem Bell-Mediensprecher zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. «Wir arbeiten daran», so Elia.

Baubeginn im Herbst 2017

In Planung sind auch die Sanierung und der Ausbau des Produktionsbetriebs an der Dünnernstrasse. Diesen hat Bell seit 1971 mehrfach erneuert und ausgebaut. Zuletzt im Jahr 2005, als der Betrieb vollständig auf die Verarbeitung von Rindfleisch ausgerichtet wurde. Nun muss wieder Geld in die Erhaltung der Bausubstanz sowie die Modernisierung des Betriebs investiert werden. Dafür ist auch ein Neubau nötig, wie Elia erwähnt.

Der Gestaltungsplan und der Umweltverträglichkeitsbericht für das Gesamtprojekt in Oensingen könnte gemäss Zeitplan bis Ende September vorliegen. Im besten Fall wird mit einem Baubeginn im Herbst 2017 gerechnet. Wie viel neue Stellen zu den 700 in Oensingen bestehenden Arbeitsplätzen kommen, liess Elia offen. Man wolle keine Aussagen machen, die dann nicht eingehalten werden können. In Basel und in Oensingen beschäftigt Bell insgesamt 2700 Personen.

Knacknuss Erschliessung

Erfreut reagiert Gemeindepräsident Markus Flury auf die Ausbaupläne von Bell und die Aussicht auf neue Arbeitsplätze. Allerdings gebe es noch viel zu tun, bis das bewilligungsreife Projekt vorliege. Die Gemeinde werde Bell dabei nach Kräften unterstützen. Gefragt sei auch der Kanton, vor allem wegen der Erschliessung.

Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, ob die Oensinger Industriezone im Rahmen des Ausbaus der Autobahn 1 zwischen Härkingen und Luterbach auf sechs Spuren einen Direktanschluss bekommt. Ebenfalls zur Diskussion steht eine Entlastungsstrasse zwischen Oensingen und Niederbipp. «Wichtig ist für Oensingen, dass die gefährliche Autobahnausfahrt bei der Vebo verschwindet und der Schwerverkehr nicht durch das Dorf fährt», betont Flury.

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