Bei Oegerli geht es geschäftig zu und her. Zurzeit liegt dies sicherlich am grassierenden Fasnachtsfieber. Aber eben nicht nur. Denn zwischen den unzähligen Kostümen, die dicht gedrängt von den Deckenstangen hängen, verwandeln sich auch ausserhalb der Fasnachtszeit Kinder und Erwachsene immer wieder gerne in Frösche, Zwerge, Polizisten, Cowboys, Prinzessinnen oder Feen.

Ganzjährig in Mode

«Egal ob Fasnacht oder nicht – Kostüme sind das ganze Jahr gefragt», sagt die Härkingerin. Zwar sei die Fasnacht immer wieder ein spezieller Anlass, aber nicht minder viele Kostüminteressierte dürfe sie zum Oktoberfest, zu Halloween oder zum «Samichlaustag» begrüssen. Ihre Kundschaft besteht zu einem grossen Teil aber auch aus Sport- und Turnvereinen oder Theatergruppen, die sich auch in der «Nebensaison» verkleiden. Vereinsfeste, Geschäftsessen, Themenpartys oder Polterabende seien weitere Anlässe, die gerne mit bunten Verkleidungen, lustigen Masken und auffälliger Hutpracht gefeiert würden.

Dabei nimmt Oegerli oftmals auch eine beratende Funktion ein. Denn «längst nicht alle wissen, was sie eigentlich suchen, bevor sie zu mir kommen», erzählt Oegerli. Im Kalender der Härkingerin reihen sich Termine um Termine fast nahtlos aneinander. Und dies auch ohne ausgeklügeltes Marketingkonzept. Seit eh und je setzt Oegerli auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Bei den Öffnungszeiten ist die Härkingerin flexibel. Nach vorheriger Absprache könne man – ausser sonntags – immer vorbeikommen.

Zum «Schnöiggen», sich beraten lassen oder anprobieren, nehmen einige Kunden eine lange Reise auf sich. «Meine Kundschaft beschränkt sich nicht nur aufs Gäu, sondern kommt aus der ganzen Schweiz», sagt Oegerli. Nicht nur die Kostüme, sondern insbesondere der Preis mache den Weg ins Gäu für viele Kunden lohnenswert.

Denn mit Preisen, die zwischen 20 und 35 Franken pro Kostüm liegen, unterbietet Oegerli so manchen ihrer Konkurrenten. Sie sei sich bewusst, dass sie mehr Geld verlangen könnte. Die Entscheidung, dies nicht zu tun, habe sie jedoch bewusst getroffen. «Mein Kostümverleih ist mein Hobby.» Schliesslich sei es vor allem der Kontakt zu ihrer Kundschaft, den sie an ihrem Geschäft schätze.

Die Pension steht vor der Tür - die Kostüme sollen raus

Die Geschichte des Kostümverleihs hat im Jahr 1984 ihren Lauf genommen. Damals begann die gelernte Schneiderin gemeinsam mit einer Nachbarin, Kostüme zu schneidern und nähen. Bereits drei Jahre später führte die Härkingerin alleine weiter, was sie als Gemeinschaftsprojekt in Angriff genommen hatten.

Nun soll sich die 35-jährige Geschichte des Härkinger Kostümverleihs jedoch bald dem Ende zuneigen. Nach Jahrzehnten des Kellertreppensteigens möchte sich Oegerli wieder anderen Dingen widmen. So hätte sie beispielsweise gerne wieder mehr Zeit für ihre Handarbeiten.

«Eigentlich wollte ich bereits mit 65 in Pension gehen», gesteht Oegerli. Seit damals sind bald acht Jahre vergangen. Jetzt stehe der Entschluss jedoch endgültig fest.

Oegerli kann sich vorstellen, den gesamten Verleih zu verkaufen oder nur einzelne Kostüme. Das komme ganz auf die Interessenten und deren Angebote an. Bis es so weit ist, reduziert die Härkingerin ihr Sortiment, indem sie ihrer Kundschaft immer wieder mal ein Accessoire verleiht, ohne auf Rückgabe zu bestehen.