Oensingen
In diesem Kirchturm findet man eine verborgene Rarität

Das Uhrwerk der Kirche St. Georg in Oensingen wird derzeit saniert und mechanisiert. So soll diese wieder in den orginalen, mechanischen Zustand von 1931 versetzt werden.

Alois Winiger
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Vorläufig bleiben die Turmuhrzeiger auf 12 Uhr stehen.

Vorläufig bleiben die Turmuhrzeiger auf 12 Uhr stehen.

Alois Winiger

Wenn ein in die Jahre gekommenes Gerät sanierungsbedürftig geworden ist, so tauscht man es in der Regel gegen ein neues aus. Erst recht, wenn es an Ersatzteilen fehlt. Nicht so die katholische Kirchgemeinde Oensingen.

Sie genehmigten Ende letzten Jahres einen Objektkredit von 40 000 Franken für die Sanierung des Turmuhrwerks der Kirche St. Georg. Weil dieses Werk ein besonderes sei, liess man sich davon überzeugen, es wieder in den originalen, mechanischen Zustand von 1931 zurück versetzen zu lassen.

Das ist auch der Grund dafür, warum die Turmuhrzeiger seit einiger Zeit stur auf zwölf Uhr stehen bleiben und kein Stundenschlag mehr zu hören ist. Das Uhrwerk ist momentan bei der dafür spezialisierten Firma Muff in Triengen in Revision und sollte noch vor Ostern wieder im Turm montiert werden.

Nicht die Regel

«Die Regel ist es tatsächlich nicht, dass eine Uhr remechanisiert wird. Umso mehr freuen wir uns darüber», sagt Thomas Muff, Geschäftsleiter der gleichnamigen Firma. Ab den 1970er-Jahren habe leider eine Sanierungswelle einige wertvolle Uhrwerke stillgelegt.

«In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für historisch Wertvolles wieder stärker geworden. Und im Fall von Oensingen handelt es sich erst noch um eine Rarität.» Nur noch 152 solcher patentierter Uhrwerke gebe es in Europa. «Den Unterschied macht die sogenannte Hemmung. Sie sorgt dafür, dass die Kraft des Aufzugs dosiert auf das Räderwerk übertragen wird.»

Fehlende Teile

Deutlich billiger wäre es gewesen, die Zeiger und den Stundenschlag weiterhin mit einem Elektromotor bewegen bzw. steuern zu lassen. So wie es seit 1993 der Fall war. Damals war eine Revision fällig und man entschied sich für die Umstellung auf elektromechanisch gesteuerten Antrieb.

Seither fehlen einige Teile des Uhrwerks, unter anderem das Pendel. An der erwähnten Versammlung brachte Franz Kissling eines der seinerzeit demontierten Zahnräder mit und berichtete, er habe dies damals als Andenken mit nach Hause genommen.

Wo die anderen Teile sind, wisse er nicht. Kissling erwähnte einen Brief der Herstellerfirma Mäder, wonach die Teile in deren Besitz übergegangen seien (siehe Textbox «Wink mit dem Link»).

Dieses Uhrwerk aus dem Jahr 1931 ist derzeit in Revision.

Dieses Uhrwerk aus dem Jahr 1931 ist derzeit in Revision.

Zur Verfügung gestellt

Zwischen zehn- und fünfzehntausend Franken hätte es gekostet, wäre die Zeitmaschine im Turm auf einfachste Weise modernisiert worden. Doch die Freude über die Chance, die stolze Kirche St. Georg weiter aufzuwerten, zählt bei der katholischen Kirchgemeinde Oensingen mehr.

Zudem ist die finanzielle Lage komfortabel, die Steuern konnten jüngst um ein Prozent gesenkt werden. Mit einer Enthaltung stimmte die Kirchgemeindeversammlung vom 11. Dezember 2013 einem Kredit von 40 000 Franken zu, dass künftig oben im Turm wieder das stete, beruhigend wirkende Ticken zu vernehmen sein wird, hervorgerufen durch ein Pendeluhrwerk mit mechanischem Aufzug.

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