Komödie

In die Ritterrunde statt ins Cabaret: Theatergruppe Holderbank präsentiert «Die Blaue Maus»

Die Laientheatergruppe sorgt mit der Komödie «Die Blaue Maus» für einen vergnüglichen Theaterabend.

Die «Blaue Maus» ist ein Cabaret im Wien der Belle Epoque um 1910. Hier schlagen sich die beiden «Kater», der Jungunternehmer Martin Werner (Dominik Eggenschwiler) und sein Freund Gustav Hofer (Georg Staller), die Nacht um die Ohren. Aber weder Martins Ehefrau Brigitte (Ramona Probst) noch seine gestrenge Schwiegermutter Karoline Bamberger (Gabi Schenker) sollen erfahren, in was für einem Lokal sich die zwei Männer vergnügen. Auf der Bühne in der Mehrzweckhalle Holderbank kommt die «Blaue Maus» allerdings nie vor, sondern von ihr ist nur die Rede.

Mit einer Ausnahme: Ganz zu Beginn des Stücks sitzen Martin und Gustav im Cabaret. Sie beide – und das Publikum – geniessen die Schau. Hinter einem bemalten Gazevorhang zeigt eine Tänzerin (Ramona Probst) einen orientalischen Bauchtanz. Ramona Probst ist übrigens nicht identisch mit der Schweizer Meisterin im Paar-Aerobic gleichen Namens. Und an dieser Stelle sei das einmalige Bühnenbild speziell erwähnt.

Der Ort der Handlung, das Wohnzimmer der Werners, ist schlank durch ein paar Möbelstücke markiert. Die Kulisse jedoch besteht einzig aus zwei breiten Gazebahnen, die mit wunderschönen Jugendstil-Blumenranken umrahmt sind (Bühnenmalerei von Nadja Lerch-Zentner und Michael Zentner). Der Eingang in den Theatersaal dient zugleich als Türe zur Werner-Villa, und eine kleine Treppe führt von der Pforte zur Bühne.

Diese gelungene Ausstattungs-Idee bringt Bewegung in die Dialogszenen und schafft eine räumliche Nähe zum Publikum. Gleichzeitig bietet sie die Plattform für den übel gelaunten Butler (André Weber), der die Gäste mit griesgrämiger Miene am Eingang abholen muss.

Dass Strohwitwer Martin Werner in den Ausgang geht, ist noch wenig weltbewegend. Doch als nicht nur seine Gattin Brigitte, sondern auch die Schwiegereltern samt heiratsfähigen Töchtern (Nicole Hueber und Caroline Eggenschwiler) überraschend eintreffen, ist Feuer im Dach. Flugs erfindet er eine männerbündlerische Geheimloge, den Bund der Artus-Ritter, mit deren Versammlungen sich die Besuche in der «Blauen Maus» tarnen lassen. Dass Martin von seinem Schwiegervater Leo Bamberger (Hans Probst) ein Darlehen für die Firma bräuchte, macht die Sache auch nicht einfacher.

Definitiv aufzufliegen droht das Doppelspiel, als zu allem Übel ein Polizist (Dani Gisin) mit einer Vorladung wegen Nachruhestörung und der Portier der «Blauen Maus» (Jörg Meier) auftauchen. Der Portier entpuppt sich nicht nur als kleiner Erpresser, sondern auch als verhinderter Burgschauspieler, der mit seinen Schlitzohrigkeiten und übertriebenen Posen manchen Lacher erntet.

Kostüme aus der Belle Epoque

Das Stück über das ewige Thema von Sein und Schein, über das Dilemma der moralischen Anforderungen und deren allzumenschlichen Dehnung strotzt also nur so vor Turbulenzen und Windungen. Mit ihrem doppelbödigen Humor ist die Aufführung der Holderbanker Theatertruppe unterhaltend und lustig im besten Sinn. Chapeau auch vor der schauspielerischen Leistung der einzelnen Protagonisten, welche die Komödie überzeugend und temporeich (Regie Manuela Glanzmann) spielen.

Die farbenfrohen Kostüme aus der Belle Epoque machten den Schauspielerinnen und Schauspielern offensichtlich selber Spass; das übertrug sich mit Gewinn für die Zuschauer auch auf den ausverkauften Saal. Das Publikum dankte mit Schmunzeln oder herzhaftem Lachen und zum Schluss mit langem Applaus.

Die Blaue Maus: Weitere Aufführungen finden vom Mittwoch, 17. Januar, bis Samstag, 20. Januar, statt; täglich um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle. Infos auf www.theatergruppe-holderbank.ch

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