Oensingen
In der Kita Drachenburg dürfen behinderte Kinder in der Gruppe mitspielen

In Oensingen starten Das Kind im Zentrum» und Kita Drachenburg ein Pilotprojekt, wo ab nächstem Schuljahr im August drei bis vier Kinder mit einer Behinderung aufgenommen werden können. Es ist Region die einzige Kita mit einem solchen Angebot.

Alois Winiger
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Helen Heutschi (hinten) und Nicole Bürki mit einer gemischten Gruppe Kinder bei der Kita Drachenburg.

Helen Heutschi (hinten) und Nicole Bürki mit einer gemischten Gruppe Kinder bei der Kita Drachenburg.

Hanspeter Baertschi

Der dreijährige Julian beginnt jedes Mal zu weinen, wenn er zusammen mit der Mutter bei der Kindertagesstätte ankommt. Aber Julian weint nicht etwa, weil er nun dortbleiben sollte – im Gegenteil. Er ist traurig, weil er zusehen muss, wie seine Schwester nun mit den anderen Kindern spielen geht. Julian kann nicht in der Kita bleiben, weil er eine körperliche und eine leichte geistige Behinderung hat. Denn Julian bräuchte einen «erhöhten Betreuungsaufwand», wie das im Fachjargon heisst. Die Kita kann das aber nicht bieten. Der Bedarf jedoch ist da.

Start im August

Das soll sich nun ändern mit dem Pilotprojekt InKita. Start ist in der Kita Drachenburg Oensingen, wo ab nächstem Schuljahr im August drei bis vier Kinder mit einer Behinderung aufgenommen werden können. Es ist die weit und breit die einzige Kita mit einem solchen Angebot. Allerdings kann das die Drachenburg nicht alleine bewerkstelligen.

Den erwähnten höheren Betreuungsbedarf übernehmen Fachfrauen von «Das Kind im Zentrum AG, Oensingen», ein medizinisch und pädagogisch-therapeutisches Kompetenzzentrum, gegründet 2006. Gründerin und Leiterin ist Helen Heutschi, Physiotherapeutin und heilpädagogische Früherzieherin. Am Projekt InKita mitbeteiligt ist die Adda Kita GmbH, welche die Geschäftsleitung der «Drachenburg» sowie weiterer Kindertagesstätten besorgt.

«Es war ein steiniger Weg und es kostete viel Energie, bis das Konzept für InKita stand», sagt Helen Heutschi. Wobei sie Erfahrung hat im Umsetzen von ungewöhnlichen Ideen. «Das Kind im Zentrum» war so eine. «Ein Kompetenzzentrum zu gründen für ‹meine› Region, wo Kinder, Eltern, Fachpersonen interdisziplinär zusammenarbeiten und bedarfs- und fachgerecht begleitet werden, schwebte mir schon lange vor», berichtet die gebürtige Balsthalerin.

«Bei meinen unzähligen Bitt- und Erklärungsgängen zu Gemeinden, Kanton, Geschäfts- und Privatpersonen wurde meine Idee zwar als notwendig, wichtig und als mutig gepriesen. Leider blieb es oft bei den Worten.» Für das Konzept von InKita erkämpfte sich Helen Heutschi einen Beitrag aus dem «Bettagsfranken 2013», der dem Thema «Frühe Förderung» gewidmet ist.

In Luzern funktioniert es

Dass der Betrieb von InKita funktionieren kann, zeigt das bisher einzigartige Beispiel der Kita Zipfelmütze in Luzern. Im September endet dort eine zweijährige Pilotphase, in der zwei Kinder mit einer Behinderung mitbetreut werden. Mit Erfolg, man würde gerne so weiterfahren, ist von der Leitung der «Zipfelmütze» zu erfahren. Die Nachfrage sei da, doch die Finanzierung dieser separaten Betreuung noch nicht gesichert.

Mit der Finanzierung steht und fällt auch das Projekt InKita in Oensingen, dessen Pilotphase auf ein Jahr beschränkt ist. 204 000 Franken müssen aufgetrieben werden. Die Initiantin Helen Heutschi zählt dabei auf Unterstützung aus öffentlicher und privater Hand. «Wir haben viele, viele Spendenbriefe versandt», sagt sie. «Erste Reaktionen sind eingetroffen und glücklicherweise sogar schon Spendenzusagen.»

Entlastung für die Mutter

Helen Heutschi hofft, dass sich noch weitere regional und national bekannte Persönlichkeiten für InKita stark machen. Nationalrat Stefan Müller (Herbetswil) konnte sie bereits gewinnen. Im Vorwort zu einer Projektdokumentation äussert er sich davon überzeugt, dass InKita der richtige Weg sei, die Kinder mit einer Behinderung in die Gemeinschaft ihrer Gleichaltrigen einzuführen. Zudem biete es einer Mutter ein kleines bisschen Entlastung, wenn sie ihr Kind für eine Weile in Obhut geben kann.

Für Markus Schär, Leiter Fachstelle Familie und Generationen im kantonalen Amt für soziale Sicherheit, ist unbedingt erforderlich, das Pilotprojekt voll durchzuziehen, um Erfahrungswerte zu bekommen. Und schliesslich weist Helen Heutschi auf den zentralen Punkt hin: «Kinder mit einer Behinderung haben dieselben durch die Verfassung garantierten Rechte auf einen Zugang zu einer Kindertagesstätte.»