Mümliswil
In der «Drummler-Schlucht» gibts die wohl grösste Fasnachtszeitung

Der Tambourenverein Mümliswil präsentiert im Gasthof Limmernschlucht bzw. «Drummler-Schlucht» die etwas andere Fasnachtszeitung. Diese ist die vermutlich grösste der Welt.

Monika Kammermann
Merken
Drucken
Teilen
Mümliswiler Fasnachtszeitung
4 Bilder
Die Mumol-Dixie-Stompers sorgen für fetzige Klänge
Beizer und Zeitungsmacher Ernst Frei begrüsst die Gäste.

Mümliswiler Fasnachtszeitung

HR Aeschbacher

Draussen beleuchten bunte Lichter die Fassade und die Fenster. Aus dem Inneren ist Musik zu hören, die Mumol Dixie Stompers spielen. Im Gasthof Limmernschlucht bzw. «Drummler-Schlucht» feierte man am vergangenen Samstag Vernissage.

Und zwar von der Fasnachtszeitung. Das Blatt kommt nicht etwa im handlichen und altbekannten Format daher, wie man es von Zeitungen gewohnt ist. Der Tambourenverein Mümliswil-Ramiswil hat sich etwas Besonderes einfallen lassen. Es sei vermutlich die grösste Fasnachtszeitung der Welt, wie Erika Probst im Verlauf des Abends erklärt.

Guldental ruhelos?

Der Saal des Restaurants wurde nämlich mit rund grossen 29 Papierbahnen eingekleidet. Sie sind oben an der Decke befestigt und reichen bis zum Fussboden runter. Die rund ein Meter breiten Bahnen sind mit unzähligen Versen und Bilder beklebt. Von Bleiwüste kann keine Rede sein – auch inhaltlich gesehen nicht.

Die Themen reichen von Kultur, Zensur: «Öisi Gschicht do wär no toll. Nur hei mir leider d’Hoose voll! Drum döi mir joo nit kritisiere – und öis säuber zensuriere. Döi brav kusche – haute d’Schnuure – Süsch g’heie Gwüssny wieder duure, explodiere und gseh root – mir si halt lieber feig als tot!» bis zur Beizen-Initiative: «Mir fordere für Ma und Frau – meh Beize do im Goudetau! Sett das nid klappe – döi mir keine Stüüre me berappe.»

Offenbar ist auch der Lärm bzw. die Belästigung dadurch im Guldental ein Problem: «Verdelli: Rueh!! Dr Goudetauer wot schloofe! Mümliswil isch äs furchtbars Kaff! Do lauft jo nüd, s’isch mega-schlaff! Wi-e chönnt me das angers verstoo, wenn ein zum Feschte usswärts muess goo? Dr Goudetauer luegt eifach zue und dänkt: S’isch rächt – y bruuch my Rue!»

«Chluus – e Gruus»

Von Lokal bis Global ist alles behandelt und auch kritische Verse sind zu lesen.

«Fasnacht ist nicht nur lustig», erklärt Ernst Frei, langjähriges Vereinsmitglied. So habe auch die Burka-Thematik oder die Migrationspolitik Platz gefunden: «Rassissmus loht eim d’Seel verrotte – dä g’hört drum total verbotte. Vüu het me scho probiert und mee – wird no ko, de wirdsch äs gseh, irgendwie fehlt einisch mee öis di-e zündendi Ydee.»

Er sei bereits gespannt auf das Feedback der Besucher und Besucherinnen darauf. Die ersten Reaktionen an diesem Abend seien positiv gewesen. «Die Leute haben richtig gestaunt als sie die Zeitung gesehen haben», meint Frei. Auch die Nachbarn, die Balsthaler, kriegen ihr Fett weg: «Äs wird je länger und wie meh zum Gruus, ä Obefahrt vo Önzige dur d’Chlus. Jetz söus ä nöie Bahnhof geh, au s’Bipperlisi wot me hingere neh. Meh Stau isch somit programmiert, was schlussändlich dozue fiehrt, ass Thauer wäg göi, haut is Göi, wo sie dr Stau nümme hei. Und wär isch de no am Schluss umme? Die wo blibe si die Dumme. Die Bauschtler hei chli Grössewahn, eifacher wers doch ohni Bahn.»

Zeitung fürs stille Örtchen

Es werde kein Exemplar weder gedruckt noch geschickt. Die «Drummler-Schlucht» solle zur Begegnungsstätte für die Zeitung werden. Sie kann bis am 8. März besichtigt werden. Die Frage, wie viele Stunden denn für dieses Projekt aufgewendet worden waren, kann Frei nicht eindeutig beantworten: «Da stecken unzählige Stunden Arbeit drin. Es ist ein riesiger Aufwand, der ohne entsprechendes Engagement nicht zu bewältigen ist.» Man sei das ganze Jahr beschäftigt mit genau Hinhören, was so im Dorf passiert. «Seit 40 Jahren schreiben die Tambouren die Fasnachtszeitung», erzählt Erika Probst weiter. Einmal sei sie als grosse Rolle dahergekommen, ein andermal auf kleinen Zettelchen im Couvert, dann wieder als Festführer. Ein grosser Traum wäre es noch, die Zeitung auf einer WC-Papierrolle zu produzieren.