Klus-Balsthal
In der Coronakrise zahlt sich für die Lachsräucherei Qualität aus

Wie die Dyhrberg Lachsräucherei in der Klus Balsthal in der Coronakrise überlebt.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die Abstandsregeln in der Dyhrberg-Produktion werden eingehalten. (Archiv)

Die Abstandsregeln in der Dyhrberg-Produktion werden eingehalten. (Archiv)

Fränzi Zwahlen-Saner

Bei der ersten Lachsräucherei der Schweiz, Dyhrberg in der Klus in Balsthal wird trotz Coronakrise gearbeitet. Zwar nicht in ganz gleichem Ausmass und Stil wie vorher. Das sieht schon, wer die Mitarbeiter im Innen- und Aussenbereich des Firmengeländes beobachtet. Alle tragen Schutzmasken. «Auch für uns im Büro ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir die Masken tragen», sagt Geschäftsführer Peter Hirschi im Gespräch, welches mit gut zwei Metern Distanz geführt wird.

Und sein Verkaufsleiter Ralf Weidkuhn ergänzt: «Die Mitarbeiter in der Produktion arbeiten ja immer in Schutzkleidung, mit Haarnetz und mit Schuhschutz. Der Gebrauch von Schutzmasken ist im Normalfall fakultativ. Doch jetzt gehören die Masken zu unserem Arbeitsalltag.» Hirschi sagt: «Die Gesundheit unserer Mitarbeiter ist sowieso unser grösstes Anliegen. So bleiben die Mitarbeiter die zu Risikogruppen gehören schon seit dem 8. März zu Hause.» In der Produktion der Lachsräucherei werden die Abstandsregeln auf jeden Fall eingehalten, indem man mit mehreren Teams arbeitet – genauso in den Büroräumlichkeiten.

Wie aber geht es dem Unternehmen Dyhrberg, das zu einem grossen Teil die Gastronomie zu ihrem Kundenkreis zählt? «Wir haben auch Kurzarbeit angemeldet. Unsere Aussendienstmitarbeiter, unsere Chauffeure bleiben zum grössten Teil zu Hause», so Hirschi. Tatsächlich machen die Gastrokunden bei Dyhrberg rund 60 Prozent des Kundenstammes aus; rund 40 Prozent stammen aus dem Detailhandel. «Derzeit können wir noch 20 Prozent des Gastroumsatzes erwirtschaften», schätzt der Geschäftsführer, und er zählt auf: «Abnehmer in diesem Bereich sind noch Spitäler, Heime oder Gastrobetriebe die Take-away-Service anbieten.»

Peter Hirschi Geschäftsführer Dyhrberg und seine Mitarbeiter im Büro arbeiten nur noch mit Mundschutz.

Peter Hirschi Geschäftsführer Dyhrberg und seine Mitarbeiter im Büro arbeiten nur noch mit Mundschutz.

Solothurner Zeitung

Dafür laufen die Absatzkanäle im Detailhandel zufriedenstellend, so Weidkuhn. «Glücklicherweise hat Dyhrberg in den vergangenen Jahren das zweite Standbein Detailhandel erweitert. Das hilft uns jetzt. Wir können hier rund 20 Prozent mehr Umsatz als vor der Krise verzeichnen. Neben den Grossen erwähnen die beiden auch die vielen Metzgereien und sonstigen Lebensmittelhändler, die Fisch und Krustentiere anbieten. «Gut ist natürlich auch, dass wir auf Tiefkühlprodukte in diesem Bereich spezialisiert sind.»

Der Verkaufsladen von Dyhrberg, der gleich neben der Produktionsstätte liegt, hat derzeit Hochkonjunktur. «Das zeigt uns, dass unsere Produkte sehr geschätzt werden. Aber auch dass es wichtig ist, auf kompetente Mitarbeiter im Verkaufsladen zählen zu können.» Denn tatsächlich ist es so, dass es täglich neue Kunden gibt, die sich Lachs, Fisch oder Krustentiere zubereiten wollen. «Wir sind stolz darauf, dass wir die Qualität unserer Produkte immer hochgehalten haben. Es zeigt sich jetzt, dass die Kunden gerne auch bereit sind, etwas mehr zu bezahlen, wenn sie wissen, woher ihre Lebensmittel stammen und dass sie hochwertig sind», sagen beide.

Keine Lieferprobleme beim Lachs

Lieferschwierigkeiten gebe es in ihrem Bereich nicht, sagt Hirschi. «60 Prozent unseres Lachses ist Wildlachs aus dem Pazifik. Da kauft man eine Jahresproduktion ein. Und diese wird wie bestellt geliefert. Wir sehen dann im Sommer, ob die Verarbeitung in Alaska wie üblich vorangeht, denn diese Produzenten arbeiten – wie unsere Landwirte – mit spezialisierten Saisonarbeitern.»

Die Sorgen der derzeit stark gebeutelten Gastronomie spüren die Dyhrberg-Verantwortlichen natürlich auch. «Wir haben uns entschlossen, in dieser Zeit bestimmt keine Mahnungen und keine Betreibungen in Gang zu setzen», erklärt Hirschi. «Es ist aber grundsätzlich bei uns immer so, dass wir zuerst das Gespräch suchen, bevor wir zu solchen Massnahmen greifen, wenn es Zahlungsschwierigkeiten gibt», ergänzt Weidkuhn.

Vielleicht gibt es ein paar gesellschaftliche Lehren, die aus der derzeitigen Situation gezogen werden können, meinen beide zum Schluss. Weidkuhn: «Mich würde es freuen, wenn die Leute vermehrt qualitativ hochstehende Lebensmittel schätzen und vielleicht auch lernen, selbst in der Küche etwas Feines zu kochen.» Und Hirschi sagt: «Ich hoffe, dass insbesondere Unternehmer sich wieder vermehrt bewusst werden, welche ethisch-moralische Verantwortung sie für ihre Mitarbeiter haben.»