Manchmal stimmt die Chemie einfach auf Anhieb. So ähnlich war es, als sich Ingrid Jäggi und Stephanie Tschan zum ersten Mal 2011 trafen. Das war am Vorabend des «Schmutzig Dunnschti», während dem «Warm-Up», das im Restaurant Kreuz stattfand. «Es het eifach passt!», erklären Ingrid und Steffi. Offenbar war es Schicksal. Beide sind Mümliswilerinnen, kannten sich vorher aber nicht und das obwohl sie im Quartier Obere Altmatt aufgewachsen sind – nur zwei Häuser voneinander entfernt. Was sie allerdings trennt, sind 13 Jahre Altersunterschied. Seit ihrer ersten Begegnung verbrachten die beiden jede Warm-Up, Chesslete und auch die Us-Chesslete beim Böög-Verbrennen zusammen.

Fasnachtsblut in den Adern

Doch die zwei haben eine grosse Gemeinsamkeit: die «angeborene» Liebe zur Fasnacht. Der Grossvater von Ingrid, Fritz Fankhauser war in den 1970er der erste Mümliswiler Obernarr. Ihre Mutter Marthe war 1994 Obernärrin, die jahrelang den Cliquen-Anlass «MON-Obe» in der Aula Brühl moderierte. «Als Kind war ich immer wach und klebte an der Fensterscheibe, wenn der Chesslete-Zug durch unsere Strasse zog», erinnert sich Ingrid. Ihr Vater konnte sie nicht mehr zum Schlafen motivieren, so aufgeregt sei sie gewesen. «Ich konnte es kaum erwarten, bis ich selber an der Chesslete mitmachen konnte», erklärt die 40-jährige. Erst einmal war Ingrid nicht an der Fasnacht dabei. «Ausgerechnet als meine Schwester Martina 2008 Oberchesslerin war. Damals war ich in Australien», erzählt die Primarschullehrerin. Jeder Einheimische weiss: In den Adern der Familie Jäggi fliesst Fasnachtsblut.

Teuflisches Duo

Dasselbe gilt aber auch für die Familie Tschan. Steffi’s Vater amtete 2003 ebenfalls als Obernarr. «Natürlich war ich schon als Kind dabei. Doch in diesem besonderen Jahr machte die ganze Familie am Umzug mit und ich erlebte vieles», schwärmt Steffi. Als 16-jährige begleitete sie ihren Vater erstmals an den Hilari. «Er hatte einen Auftritt mit den Lobisei-Tüüfle, da er ein paar ihrer Schnitzelbänke schrieb», erzählt die 27-jährige Fachfrau Betreuung. Sie fand sofort Gefallen an dieser Frauen-Schnitzelbank-Truppe und trat kurz darauf bei. «Damals als 17-jährige war ich das jüngste Mitglied, das bin ich heute noch», erzählt Steffi mit einem Lachen.
Als Ingrid 2015 am MON-Obe miterlebt hatte, wie die Lobisei-Tüüfle den Tanz der alten Weiber aufführten, konnte auch sie nicht mehr stillsitzen. «Am selben Abend bekundete ich mein Interesse, bei ihnen mitmachen zu wollen», erklärt sie. Bis anhin schätzte sie nämlich ihre fasnächtliche Unabhängigkeit. Jetzt sind aber beide auch Mitglieder der 1985 gegründeten Frauen-Schnitzelbankgruppe Lobisei-Tüüfle – eine feste Grösse der Guldentaler Fasnacht.

«Die Tschäggis»

«Wir witzelten schon länger darüber, auch mal Obernarr zu werden», gesteht das Duo. Während der letzten Fasnacht entschlossen sie sich, 2019 damit ernst zu machen. Jedoch: «Die traditionelle Mümliswiler Einteilung in einen Obernarr und einen Oberchessler stimmt für uns nicht, weshalb wir uns fürs Jobsharing entschieden haben. Wir sind beide beides», erklären sie. Sie bezeichnen sich als «die Tschäggis», eine Wortkombination aus ihren Namen Jäggi und Tschan.
Es sei schwer zu erklären, was die Faszination Fasnacht ausmache, wenn man damit aufgewachsen ist, sagen beide. «Zum einen verkleide ich mich gerne, schlüpfe gerne in andere Rollen. Zum anderen schätze ich das tolle Zusammengehörigkeitsgefühl der Fasnächtler», erklärt Ingrid. Steffi stimmt diesen Aussagen zu. Als Tschäggis wollen beide eine legendäre Fasnacht erleben – passend zum Guldentaler Motto «Legände & Höude». Dass die zwei Frauen auf ganzer Linie harmonieren wurde augenfällig als sie spontan reimten: «Plötzlich war allen klar, Ingrid und Steffi sind ein Fasnachtspaar.»