Galerie Rössli
In Balsthal die Symbiose von Fotografie und Malerei bestaunen

In der Galerie Rössli sind neue Arbeiten und eine Installation des Solothurners Reto Emch ein Blickfang.

Eva Buhrfeind
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Ausstellung des Reto Emch in der Galerie Rössli

Ausstellung des Reto Emch in der Galerie Rössli

Erwin von Arb
Reto Emch mit übermalten Fotos in der Galerie Rössli.

Reto Emch mit übermalten Fotos in der Galerie Rössli.

Hansjoerg Sahli

Eigentlich ist ja das Meer, das Wasser als elementare Materie zwischen stetem Fliessen und dem Moment des Kontemplativen, das Thema des 1961 geborenen Reto Emch. Auch in diesen neuen Arbeiten findet das Meer seine Anspielung. Doch jetzt weniger als malerische Dimension wie in seiner Werkschau 2015 im heimischen Haus der Kunst St. Josef, sondern mehr als Metapher für das «Meer» in der Stadt.

Ein philosophisches Konzept für das innere Meer, für die Gedanken und Betrachtungen. Das Meer als Metapher für Bilder, die bewegen: Öde Gebäude, Industrieruinen wie einsame Inseln, leere Bassins als Inbegriff der Ebbe, Kabelgewirr wie Algennetze, Latten oder Gerüste, die wie Riffe hervorragen, ein umgestürzter Magnolienbaum im Museumspark Solothurn.

Fotografie als wandelbares Medium

Orte wie Cadiz, Berlin, Leipzig, Attisholz, New York, Genua. Bedeutende und unbedeutende, nicht immer schöne, aber eigenwillige – authentische – Orte, fotografiert vom Künstler Reto Emch, der sich mit dem Haus der Kunst auch als Vermittler von Kunst als Erfahrung versteht. Denn bei Reto Emch geht es eben immer auch um die Fotografie, und in dieser speziellen Ausstellung in der Galerie Rössli in Balsthal vor allem auch um die Fotografie als Medium für wandelbare Bildgeschehen im Spannungsfeld einer reinen Bildgebung bis zu prozesshaften Wechselwirkungen und formaler Verfremdung – stets im Kontext des jeweiligen Bildträgers.

Im ersten Galerie-Raum wird man von leisem Rascheln begrüsst. Hier zeigt Reto Emch seine auf feine Alufolie gedruckten Fotografien, die, vorsichtig an die Wand gepinnt, ohne jegliche Manipulation auf dem filigranen Bildträger wie Zufallsbilder das Schnell- wie Kurzlebige des Gesehenen imaginieren: lebendig, unmittelbar und doch auch von einer fremdartigen Originalität.

Im mittleren Raum bilden alte Bleiplatten früherer Installationen den Bildträger für seine fotografischen Fundstücke. Diese Bleiplatten sind im Laufe der Zeit erodiert, fleckig und stockfleckig geworden, gezeichnet durch weissliche Verfärbungen oder Spuren von Wassertropfen. Für die Sujets hat Emch die motivisch geprägte Bleiplatte sorgfältig ausgewählt, bevor er die nächtlichen Aufnahmen auf die entsprechend zurechtgeschnittenen Bleiplatten druckt, sodass die Muster des Bildträgers mit den fotografischen Sujets eine malerisch wirkende Verbindung eingehen und sinnliche oder spannungsvolle Bildmomente generieren.

Spiel mit Bildzitaten

Reto Emchs künstlerische Sprache bewegt sich meist zwischen Konzept und Erfahrungswert. So zeigt er im dritten Raum grossformatige Arbeiten, für die er Fotografien vergrössert auf Plakatpapier gedruckt und auf Novopan aufgezogen hat. Anschliessend greift er in das Bildgeschehen mit Farbe ein, nimmt Strukturen auf, verstärkt motivische Elemente, entdeckt Assoziatives und setzt diese in Farbimprovisationen um oder spielt mit Bildzitaten.

Bildgeschehen also, die das Abbildende des Fotografischen mit dem freien Malerischen vereint. Mal in der Farbwirkung stärker gewichtet, oder als subtiler Akzent gesetzt, wird eine freie künstlerische Kreativität offenbart. Von diesen Bildern, die als zusätzliche Rauminstallation gestapelt die Spannbreite inhaltlicher Variabilität vorführt, ist der Weg zur raumgreifenden Installation auf dem Kornhausplatz nicht weit. Hier demonstrieren die auf eine 2,4 mal 3,5 Meter grosse Spundwand gedruckten fotografischen Vorlagen, die Kunst als rundherum begehbare Erkenntnis.

Galerie Rössli Balsthal: Die Ausstellung mit Werken von Reto Emch dauert noch bis 26. Juni. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag jeweils von 18 bis 21 Uhr, Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 14 Uhr.