Die neue Sonderausstellung des Museums Haarundkamm ist in mehrfacher Hinsicht eine besondere. Viele neue Spuren sind freigelegt worden, die entweder zur Explosionskatastrophe in der Kammfabrik Mümliswil vom 30. September 1915 hinführen oder davon ausgehen.

Ferner bleibt die Ausstellung nicht auf das Museum beschränkt, sondern auch der Dorfkern ist Teil davon mit «Brandspuren» in Form von 32 Stelen, gleich der Anzahl Todesopfer der Katastrophe.

Jede Stele ist einem Thema gewidmet. Man erfährt etwa, dass keine Fabrikarbeiter aus Ramiswil bei den Opfern waren, weil sie an diesem Tag die Kirchenpatrone Urs und Viktor feierten und deshalb nicht zur Arbeit gingen. Die Stelen sind am Fuss beschwert mit Steinen aus dem Mauerwerk der Kammfabrik von 1894.

Das Problem Fluchtmöglichkeit

In der Ausstellung selber fällt der Blick auf ein Ölgemälde mit der ersten Kammfabrik. Dessen Gründer hatte sie 1870 bewusst in sehr romantischer Umgebung darstellen lassen. Er befürchtete, dass die Gegend schon bald nicht mehr so aussehen wird, falls die Wasserfallenbahn gebaut würde.

Damit man sich die Situation in der damaligen Fabrik besser vorstellen kann, hat Kurator Josef C. Haefely von Schülern im Werkunterricht ein Modell nachbauen lassen. Die Pläne stammen aus einer Dissertation, die 1916 aufgrund der Explosion erarbeitet worden ist.

Manche Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz gehen darauf zurück, zum Beispiel bezüglich Fluchtmöglichkeiten, die damals in Mümliswil nicht vorhanden waren.

Als regelrechter Renner entwickelt sich der für die Ausstellung hergestellte Dokumentarfilm «Brandspuren». Darin werden Bilder lebendig gemacht, teilweise mit nachgestellten Szenen sowie mit Interviews mit Nachkommen der damaligen Opfer.

Haefely schätzt sich glücklich darüber, wie die Ausstellung bisher entstanden ist, auf wie viele kleine und grosse Schätze er gestossen ist, und er ist überzeugt, dass sie noch weiter wachsen wird.

Öffnungszeiten Museum Mi bis Fr 14 bis 18 Uhr, Sa/So 11 bis 18 Uhr; für Gruppen auch ausserhalb dieser Zeiten, Telefon 062 386 12 30.