Oensingen

Im Wiederaufbau: Die Suche nach neuen Wirten für die Traditionsbeiz läuft

Ein Deitinger Immobilienunternehmen übernimmt den Gasthof (im Vordergrund). Das Grundstück hinter dem Gasthof gehört neu der Garage Dubach (am rechten Bildrand).

Ein Deitinger Immobilienunternehmen übernimmt den Gasthof (im Vordergrund). Das Grundstück hinter dem Gasthof gehört neu der Garage Dubach (am rechten Bildrand).

Die Familie Dubach verkaufte den Gasthof Rössli in Oensingen direkt an ein Deitinger Immobilienunternehmen weiter.

«Restaurant geschlossen», steht auf dem Schild an der Hauptstrasse im Oensinger Unterdorf. Ende April lud Wirt Stefan Baumgartner zur Austrinkete und schloss die Beiz, die während vier Generationen als Familienbetrieb funktionierte. Noch immer stehen die Stühle und Gasttische vor dem augenfälligen Gasthof, der das Dorfbild mit der schneeweissen Fassade prägt. Der Gasthof ruht.

Als Anfang Jahr bekannt wurde, dass der zurücktretende Baumgartner den Gasthof inklusive dazugehörigem Grundstück an das Garagisten-Ehepaar Bruno und Christine Dubach verkaufte, dachten viele im Dorf, nun würden die Dubachs in die Gastronomie einsteigen. Sie irrten sich. «Wir wollten das Rössli möglichst schnell veräussern», sagt Christine Dubach. «Denn für uns war immer klar, dass wir nicht branchenfremd tätig sein wollen.» Im Dorf und darüber hinaus hat sich die Familie Dubach in den letzten 47 Jahren mit ihrer Garage einen Namen gemacht. Den Betrieb haben die Dubachs mittlerweile ihren Töchtern übergeben und somit in die zweite Generation geführt.

Die Pächtersuche läuft

Die Familie Dubach interessierte sich als Nachbarin des Gasthofs ausschliesslich im Sinne ihrer Garage für das Rössli. «Wir wollten eigentlich nur das Land kaufen, das wir bereits seit 25 Jahren gepachtet hatten», sagt Bruno Dubach. Der ehemalige Wirt Stefan Baumgartner wollte das Grundstück nur mitsamt Gasthof verkaufen, sorgte sich aber zugleich um die Zukunft «seiner Beiz». Die beiden Parteien wurden sich dennoch einig. Auch für die Familie Dubach war klar: Das Rössli als Oensinger Traditionsgasthof soll baldmöglichst wieder öffnen. «Wir schrieben den Gasthof Rössli mit der Intention aus, es als Restaurant zu erhalten», sagt Christine Dubach.

Eine Handvoll Interessenten habe sich auf die Ausschreibung des Gasthofs hin gemeldet. «Die Pläne einiger Wirte zerschlugen sich, weil die Bank keinen Kredit gewährte», sagt Bruno Dubach. Den gewünschten Käufer fand die Familie gleichwohl innerhalb kurzer Zeit: Der Gasthof geht an die Deitinger R&F Immobilien AG. Diese besitzt im Raum Solothurn bereits fünf Gastrobetriebe und verpachtet diese. «Wir haben begonnen, das Rössli mit potenziellen Pächtern zu besichtigen», sagt die neue Inhaberin Nathalie Ravasio.

Bis Ende Juni will das Ehepaar Ravasio gemeinsam mit dem neuen Pächter ein Konzept für den Gasthof ausarbeiten. Parallel zur Pächtersuche beginnen die neuen Besitzer damit, den Gasthof zu sanieren. «Ist der Pächter gefunden, wird es noch ein paar bauliche Anpassungen geben», sagt Ravasio. Diese würden von den Anforderungen abhängen, welche der Pächter an den Innenausbau stellt. Es ist derzeit völlig offen, welche Art Gastronomie künftig im Rössli angeboten wird. In der Übergangsphase zum neuen Pächter bleibt der Saal in Betrieb. «In einem zweiten Schritt, wenn der Restaurantbetrieb anläuft, möchten wir den Saal sanieren», so Nathalie Ravasio.

Bis zu 600 Plätze

Die neuen Rössli-Besitzer suchen nach einem Pächter, der grosse Erfahrung im Gastro- und Eventbereich ausweisen kann. Das Rössli soll nicht bloss ein Gasthof sein. Im anliegenden Saal gibt es für Firmenanlässe oder Grossveranstaltungen wie beispielsweise Hochzeiten Platz für bis zu 230 Personen. Insgesamt können im Rössli gleichzeitig bis zu 600 Personen bewirtet werden. Auch die Kegelbahn und die Weinbar mit dem Gewölbekeller will das Ehepaar Ravasio erhalten. «Wir glauben an den Standort Oensingen», sagt Sandro Ravasio. Zudem sei das Rössli im Dorf stark verankert.

Nebenan will sich die Garage Dubach für die Zukunft rüsten. Hierfür seien sie auf zusätzlichen Platz angewiesen, so die Dubachs. Die Anforderung der Autohersteller werde immer grösser. Mittelfristig ist denkbar, dass die Garage daher auf dem erworbenen Grundstück einen Erweiterungsbau errichtet.

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