Balsthal
Im Vereinsarchiv in der Klus in Balsthal stellt die Pfadi stumme Zeitzeugen aus 94 Jahren Geschichte aus

Patrick Lützelschwab
Drucken
Teilen
Andere Zeit, andere Sprache und Sitten: Ein Dokument aus dem Jahr 1958.

Andere Zeit, andere Sprache und Sitten: Ein Dokument aus dem Jahr 1958.

Remo Fröhlicher

Noch in der Klus, kurz vor der Einfahrt in das Zentrum Balsthals, liegt an der Solothurnerstrasse ein kleiner Anbau; das Vereinsarchiv. Seit 2007 stellt die Gemeinde Balsthal diesen Bau aus dem 18. Jahrhundert interessierten Vereinen im Dorf zur Verfügung. Ende Dezember 2019 durfte auch die Pfadi Balsthal hier ihr Archiv unterbringen. «Wir schätzen es sehr, dass die Gemeinde auch uns die Möglichkeit gibt, Artefakte und Dokumente zu archivieren, weil diese sonst verloren gingen», sagt der Vereinspräsident der Pfadi Philipp Gerster.

Pfadi-Archiv Philipp Gerster Präsident Pfadi Balsthal «Damals packten die Pfadfinder noch auf den Kartoffelfeldern der Bauern mit an.»

Pfadi-Archiv Philipp Gerster Präsident Pfadi Balsthal «Damals packten die Pfadfinder noch auf den Kartoffelfeldern der Bauern mit an.»

Remo Fröhlicher

In einem Schrank im Parterre des Gebäudes sind viele Akten und Dokumente wie auch Wertgegenstände, etwa eine typische und weitläufige Pfadfinder-Krawatte oder eine Mütze, eingelagert. Das wahrscheinlich wichtigste Artefakt aus der Sammlung: Ein Kassenbuch aus den Anfangsjahren der Pfadi, genauer aus dem Jahr 1930. «Lange Zeit ging man auch davon aus, dass das Kassenbuch ein Beleg dafür sei, dass die Pfadi 1930 gegründet wurde», sagt der Präsident. Heute gilt das Gründungsjahr als widerlegt, da das mittlerweile verstorbene Mitglied Leo Niggli behauptete, er sei bereits um 1926 schon Pfadfinder in Balsthal gewesen.

Ein Kassenbuch aus dem Jahr 1930

Auch wenn es die Pfadi schon ein wenig länger gibt als zunächst angenommen, so ist zumindest das 90-jährige Kassenbuch der bisher älteste Fund in der Pfadi. «Das Kassenbuch hier ist der wahrscheinlich wichtigste Gegenstand, vor allem weil er das älteste Zeugnis ist», sagt Gerster. Doch nicht nur das Kassenbuch aus den Anfangsjahren ist beeindruckend gut erhalten geblieben, sondern auch die Tagebücher. Von den 1930er- über die 1940er- bis hin in die 1960er- Jahren erhält der Betrachter einen kurzen Überblick über die verschiedenen Jahrzehnte. Eines der Tagebücher stammt von einer Rover-Gruppe aus dem Jahr 1953. Bilder, Karten und Marschrouten oder Zeichnungen von Erlebnissen werden hier festgehalten.

Erstaunlich ist hierbei, dass die Tagebucheinträge jener Jahre rein optisch so aussehen, als wären sie erst gestern verfasst worden. Besonders die Einträge aus den 1940er-Jahren, in denen von Übungen berichtet wird, erinnern in ihrer Sprache jedoch fast schon an einen militärischen Rapport. «Das ist auch kein Zufall, denn diese Jahre waren unter anderem auch vom Zweiten Weltkrieg geprägt», weiss der Präsident. So ist von Appellen, Kampf sowie absolute Hingabe fürs Vaterland die Rede, was bei heutigen Pfadis undenkbar wäre.

Die Parallelen und Unterschiede zu heute

Hinweis

Am 22. Februar feiert die Pfadifinderbewegung den Thinking-Day und gedenkt ihren Gründern. In Balsthal gibts zu diesem Anlass trotz Fasnacht eine besondere Übung.

«Auch die Aufgaben entfielen in diesen Jahren anders als heute. Damals packten die Pfadfinder noch auf den Kartoffelfeldern der Bauern mit an», so Gerster. Dennoch gebe es auch die andere Seite wie der Präsident festhält. «Ein bewusster Umgang mit der Natur sowie Zusammenhalt und Gruppendynamik waren zu jener Zeit genauso wichtig wie heute. Es sind Grundbedürfnisse von uns Menschen», argumentiert Gerster. Dies lässt sich in mehreren Tagebucheinträgen wiederfinden. Die Tagebücher sind wahre Zeitkapseln, in denen sich genau abbilden lässt, wie die Menschen damals dachten, wonach sie lebten und welche Werte am meisten zählten. «Alles was hier im Archiv ist, spannt nicht zuletzt auch einen Bogen von den Anfangsjahren zu heute», so der Präsident. Das Archiv wurde auf Initiative von Hans Stuber «besucherfreundlicher» eingerichtet und zugänglich gemacht. Erst neulich rief die Pfadi Balsthal ehemalige und aktive Pfader dazu auf, Dokumente einzureichen. Vielleicht schliessen sich somit bestehende Lücken über die Anfänge der Pfadi Balsthal.

Aktuelle Nachrichten